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Vom Streit zum gesunden Wetteifer

Gleich zwei Musikgesellschaften aus der 3000-Einwohner-Gemeinde Niederhelfenschwil haben am Eidgenössischen Musikfest in Montreux überzeugt. Immer wieder werden an Grossanlässen gute Resultate erzielt. Pikant: Vor gut 50 Jahren hatten sich die beiden in einem Streit getrennt.
Simon Dudle
Die Musig Lenggenwil – hier beim Marsch durch Montreux – verliess das Waadtland mit vielen Punkten. (Bild: Kurt Iten)

Die Musig Lenggenwil – hier beim Marsch durch Montreux – verliess das Waadtland mit vielen Punkten. (Bild: Kurt Iten)

NIEDERHELFENSCHWIL. Das Eidgenössische Musikfest in Montreux, das am vergangenen Wochenende begonnen hat und am bevorstehenden sein Ende findet, ist ein europaweit einzigartiger Anlass. 25 000 Musikanten aus dem ganzen Land stellen ihr Können unter Beweis. Nicht für Geld, sondern für die Ehre.

Einmal mehr gab es nach einem musikalischen Grossanlass in der Gemeinde Niederhelfenschwil mehrfach Grund zum Feiern. In der Brassband-Kategorie «Konzertmusik, 3. Stärkeklasse» nahmen nicht weniger als 75 Musikgesellschaften des Landes teil, und einzig jene aus dem luzernischen Schwarzenbach war besser als die Musig Lenggenwil und die Musikgesellschaft Zuckenriet. Von maximal 200 Punkten holten jene zwei Ensembles 192 beziehungsweise 191,3 Zähler. Beim so genannten Aufgabenstück, das erst zehn Wochen vor dem Eidgenössischen Musikfest zugestellt worden ist, war niemand besser als die beiden Formationen aus der Gemeinde Niederhelfenschwil. Ein Aufstieg in die zweite Stärkeklasse ist bei beiden derzeit aber kein Thema. Auch in der Kategorie «Traditionelle Parademusik» schafften sie es weit nach vorne.

«Sind besser vorbereitet»

Dies freute nicht nur die Musikanten selber, sondern auch Niederhelfenschwils Gemeindepräsident Simon Thalmann, der es sich nicht hatte nehmen lassen, die Auftritte vor Ort im Waadtland mitzuverfolgen. «Was diese beiden Musikgesellschaften boten, war einfach phänomenal», sagt das Gemeindeoberhaupt rückblickend.

Überraschend kommen die Erfolge allerdings nicht. Denn am eidgenössischen Musikfest, das nur alle fünf Jahre stattfindet, wurden in der Vergangenheit immer wieder beachtliche Resultate erzielt. Keine andere Gemeinde der Schweiz war am vergangenen Wochenende mit zwei Formationen so stark vertreten wie Niederhelfenschwil. Und das Resultat wäre wohl noch beeindruckender gewesen, wenn sich die Musikgesellschaft Niederhelfenschwil nicht entschieden hätte, wegen einer Weiterbildung von Dirigent Marcel Eggler auf den Grossanlass zu verzichten.

Doch woher kommt der seit Jahren anhaltende Erfolg? «Niederhelfenschwil hatte pro Anzahl Einwohner immer schon viele Musikanten. Zudem sind die Schüler besser vorbereitet als anderswo», sagt Josef Meienhofer, der seit einem Vierteljahrhundert die Musig Lenggenwil dirigiert. Er erwähnt das gute Einvernehmen mit der Musikschule Wil-Land und denkt auch an das Projekt Greenhorn, in dem Kinder und Jugendliche gezielt gefördert werden. Dieses wird von den drei Musikgesellschaften gemeinsam betrieben.

Schule sorgt für Aufsplittung

Xaver Angehrn von der Musikgesellschaft Niederhelfenschwil sagt: «In unserer Gemeinde hatten wir immer schon sehr gute Dirigenten. Das hat eine Ausstrahlung auf die Musikanten.» Marlene Jung, Präsidentin der Musikgesellschaft Zuckenriet, spricht von einem «gesunden Ehrgeiz», der unter den drei Vereinen herrsche und sie gegenseitig zu Höchstleistungen antreibe. Diese Motivation hat auch einen geschichtlichen Hintergrund: Mitte des vergangenen Jahrhunderts war die Musikgesellschaft Zuckenriet-Lenggenwil noch vereint. Man zerstritt sich im Jahr 1960 an der Frage, in welchem der beiden Dörfer die gemeinsame Oberstufe gebaut werden soll. Als der Entscheid auf den Standort Sproochbrugg in Zuckenriet gefallen war, machten sich die Lenggenwiler aus Protest selbständig und gründeten eine eigene Musikgesellschaft.

Schon relativ schnell näherte man sich musikalisch aber wieder an und bei der Eröffnung der Sproochbrugg gab es bereits einen gemeinsamen Auftritt. Heute betonen alle Involvierten, dass man untereinander ein gutes Verhältnis pflege. «Ich bin seit 16 Jahren in der Musikgesellschaft Zuckenriet und weiss von keiner Auseinandersetzung», sagt Marlene Jung. Dieser gesunde Wettstreit sorgte am letzten Wochenende abermals für Glanzresultate – hüben wie drüben.

Auch die Musikgesellschaft Zuckenriet blickt auf ein erfolgreiches Wochenende zurück. (Bild: Stephan Scherrer)

Auch die Musikgesellschaft Zuckenriet blickt auf ein erfolgreiches Wochenende zurück. (Bild: Stephan Scherrer)

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