Vom Seitenwechsel für die Zukunft profitieren: Jan Näf nimmt am Ausbildungsprogramm KV 4.0. teil und wechselt für zehn Wochen in die Küche

Im Rahmen von KV 4.0. werden die Seiten gewechselt. Jan Näf ist Lernender bei Raiffeisen. Schon vor seiner Ausbildung bei der Bank war er am Kochberuf interessiert. Nun realisiert er seinen Wunsch für zehn Wochen als Koch im Hotel Uzwil.

Livia Schmidt
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Jan Näf absolviert seinen Seitenwechsel als Koch im Hotel Uzwil.

Jan Näf absolviert seinen Seitenwechsel als Koch im Hotel Uzwil.

Bild: Livia Schmidt

In der Küche des Hotel Uzwil wird gerade das Mittagessen vorbereitet. Mit von der Partie ist Jan Näf, der die Ausbildung zum Kaufmann bei der Raiffeisenbank Regio Uzwil absolviert. Im Rahmen des Ausbildungsmodells KV 4.0. taucht Näf in die Welt eines Kochs ein. Das Programm Seitenwechsel umfasst ein zehnwöchiges Praktikum im 3. Lehrjahr, das in einem Partnerbetrieb, einer anderen Branche oder gar in einem fremden Berufsfeld realisiert werden kann. Wie es beispielsweise Lena Stojanovic vorhat. Zurzeit absolviert sie ihr zweites Lehrjahr bei Raiffeisen. Im nächsten Jahr beabsichtigt sie, ein Praktikum beim Radio durchzuführen. Weitere Lernende sammeln Erfahrungen in der Baubranche, im Elektrobetrieb oder erhalten einen Einblick in den Alltag einer Floristin. Nach einer Einführungswoche, in der Näf und die anderen Lernenden des Ausbildungsmodells auf den Seitenwechsel vorbereitet wurden, konnte es endlich losgehen.

Zur Krönung ein ganzes Menu

Seit drei Wochen ist Näf als Praktikant in der Küche unterwegs und hilft tatkräftig mit. Angefangen mit der Vorbereitung und dem Anrichten der kalten Küche wurde Näfs Kreativität bereits auf die Probe gestellt. Nach Salatrüsten und Dessertkreationen steht das Vorkochen des Hauptgangs und somit die warmen Speisen auf dem Plan des Hoteldirektors René Meier, der Näf hier und da unterstützt. Das Ziel am Ende dieser zehn Wochen: Ein komplettes Menu zu kochen, das daraufhin seinem Betrieb, seiner Familie und der Öffentlichkeit serviert wird.

In seinem Praktikum lernt Näf nicht nur die Kunst des Kochens, sondern den ganzen Prozess der Lebensmittelverarbeitung. Durch Besuche in der Metzgerei und anderen Betrieben erfährt der Lernende, wie die Lebensmittel produziert werden. Im späteren Verlauf kommt die Ernährungslehre hinzu und er wird darüber informiert, wie sich welches Lebensmittel auf den Körper auswirkt.

Das Arbeitsklima ist anders als das, woran sich Näf gewöhnt ist. Es geht ein bisschen lauter zu und her, es fällt auf, wenn jemand im Team fehlt. In der Bankbranche spiele das keine Rolle, doch im Hotel Uzwil sei man aufeinander angewiesen.

Mit von der Partie beim Einblick in den Seitenwechsel: v. l. Pascal Kopp (Bereichsleiter für kaufmännische Berufe BZWU Wil-Uzwil), Lena Stojanovic (im 2. Lehrjahr bei Raiffeisen Regio Uzwil), Jan Näf, Sabine Willi (Nachwuchsverantwortliche Raiffeisen Regio Uzwil), René Meier (Direktor Hotel Uzwil)

Mit von der Partie beim Einblick in den Seitenwechsel: v. l. Pascal Kopp (Bereichsleiter für kaufmännische Berufe BZWU Wil-Uzwil), Lena Stojanovic (im 2. Lehrjahr bei Raiffeisen Regio Uzwil), Jan Näf, Sabine Willi (Nachwuchsverantwortliche Raiffeisen Regio Uzwil), René Meier (Direktor Hotel Uzwil)

Livia Schmidt

Körperliche und zeitliche Umstellung

Zu Beginn erforderte der Wechsel in ein anderes Berufsfeld eine grosse Umstellung. Mittlerweile habe Näf sich aber mehrheitlich an die Veränderungen gewöhnt. Wie beispielsweise an die unterschiedlichen Arbeitszeiten: Sein Arbeitstag beginnt morgens um neun Uhr. Mit einer Mittagspause nach zwei Stunden arbeitet er bis zwei Uhr nachmittags, wo bereits Vorbereitungen für den Abend getroffen werden. Darauf folgt die «Zimmerstunde», in der er nach Hause gehen kann. Um halb sechs gibt es das Abendessen für Näf, eine halbe Stunde später steht er bis zehn Uhr abends in der Küche. Ab und an arbeitet er auch am Wochenende, dafür hat er unter der Woche mal freie Tage. Einen weiteren Unterschied, den Näf zu spüren bekommt, ist die erhöhte körperliche Anstrengung. Wo er im Bankenwesen sitzen konnte, muss er nun den ganzen Tag im Stehen verbringen. Für ihn als Sportler – Näf spielt beim FC Uzwil – eigentlich kein Problem. Es sei vielmehr das ständige Stillstehen, das ihn am Ende des Tages körperlich müde macht.

Das Praktikum als Koch war keine spontane Entscheidung. Schon bevor Näf die Ausbildung bei der Raiffeisenbank begonnen hatte, gefiel ihm der Beruf in der Küche. Von seinem Praktikum möchte Näf für die Zukunft profitieren und Erfahrungen für sein späteres Leben sammeln. «Die Kochkünste kann ich gut gebrauchen», meint er. Auch das Team findet ihn so talentiert, dass sie ihn bereits zum Bleiben überreden wollen.