Vom Schreiner zum Zeitungsschreiber

Wer an einem Wochenende sieben Zeitungsartikel schreibt, ist wahrlich ein fleissiger Journalist. Mit der Biographie von Gottfried Meier aus Dicken könnte man Bände füllen, wie zum Beispiel aus seiner Zeit in Afrika. Dort verbrachte er sieben Jahre. Heute nimmt er es gelassen, er hat immer «Ziit».

Monika Egli
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Gottfried Meier erzählt gerne aus der Zeit in Afrika. (Bild: Monika Egli)

Gottfried Meier erzählt gerne aus der Zeit in Afrika. (Bild: Monika Egli)

DICKEN. Neckertaler und Hinterländerinnen, die in einem Verein mitmachen, die ab und zu eine Unterhaltung, eine politische Versammlung, eine Chilbi oder Viehschau besuchen, also praktisch alle Einwohner dieser Region und viele darüber hinaus, kennen Gottfried Meier. Er ist der wohl berühmteste Neckertaler und der berühmteste Dickler sowieso. 30 Jahre lang, von 1980 bis 2010, hat er Zeitungsartikel um Zeitungsartikel – und daneben noch fünf Vereins- und Dorfchroniken – geschrieben. Insgesamt umfasst sein privates Archiv 4123 Berichte. «Das sind im Durchschnitt fast 140 Artikel pro Jahr», wie er aufzählt. Seine Rekorde in Sachen Schreiben für die Zeitung: rund 200 Berichte in einem Jahr, sieben Artikel an einem Wochenende.

Der Liechtensteiner

Bei all seinem Wirken und Werken hatte Gottfried Meier auch noch einen ausfüllenden Beruf: Er hat die Schreinerei und Glaserei seines Vaters weitergeführt, bis er 68jährig war. Die Werkstatt war ans Wohnhaus angebaut. Nun ist sie stillgelegt, aber alle Maschinen sind noch da: «Das reinste Museum», sagt Gottfried Meier. Bevor er aber in den väterlichen Betrieb eintrat, verbrachte er sieben Jahre in Afrika. Die Schweizer Kapuzinermission suchte einen Schreiner für eine Handwerkerschule in Tanganjika (heute Tansania). Die Sprache Ostafrikas, Kiswahili (Suaheli), lernte er so schnell, dass er schon nach einem halben Jahr Unterricht erteilen konnte und bald ein Fachbuch schrieb. Genau genommen, resümiert Gottfried Meier, habe die «Zeitungsschreiberei» nicht 1980 in Dicken angefangen, sondern bereits in Afrika, wo er ab und zu ein Wochenblatt bediente.

Nach drei Jahren kam er auf Heimaturlaub, erhielt einen neuen Vertrag des liechtensteinischen Entwicklungsdienstes und ging für weitere vier Jahre nach Afrika. Liechtensteinischer Entwicklungsdienst? Was man nicht vermuten würde: Gottfried Meier ist liechtensteinischer Staatsbürger – noch heute.

Auf die Pauke hauen

Heute, unterdessen 74jährig, geniesst es Gottfried Meier, an Veranstaltungen aller Art zu gehen, ohne Block und Kamera mitnehmen zu müssen. Zwei Wörter hat er endgültig aus seinem Wortschatz gestrichen: «Kei Ziit» und «Stress». Alles, sagt Gottfried Meier, sei eine Sache der Einteilung. Und er zitiert die afrikanische Weisheit: «Ihr habt die Uhr, wir haben die Zeit.»