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Matiss Burgis vom TTC Wil ärgert sich über die mangelnde Anerkennung des Tischtennis: «Profis verdienen bei einem Turniersieg maximal 15 000 Franken»

Für den Tischtennisclub Wil ist Matiss Burgis ein Glücksfall. Mit dem Letten hat sich der NLA-Club zum Serienmeister entwickelt. Für den 29-Jährigen lohnte sich der Wechsel in die Schweiz nicht nur sportlich. Dem Balten gefällt es beim TTC Wil so gut, dass er seinen Vertrag verlängert hat – wie Shootingstar Elia Schmid. Am Wochenende gilt es für Burgis und die Wiler ernst im NLA-Halbfinal gegen Rio-Star Muttenz.
Tim Frei
Die Teilnahme an den Olympischen Spielen ist der grösste Erfolg von Matiss Burgis. (Bilder: PD/Niels Menko)

Die Teilnahme an den Olympischen Spielen ist der grösste Erfolg von Matiss Burgis. (Bilder: PD/Niels Menko)

Vor 18 Jahren haben sich Christian Hotz, Teamcaptain der ersten Mannschaft des TTC Wil, und Matiss Burgis an der Jugend-EM in Terni kennen gelernt. Bis heute hat ihre Freundschaft gehalten. Zum grossen Vorteil des Tischtennisclub Wil: Seitdem der Lette für das Team spielt, ist der NLA-Club jede Saison Schweizer Meister geworden – dieses Jahr winkt der vierte Titel in Folge. «Damit hätte ich nie gerechnet», sagt der heute 29-Jährige.

Dem 1,93 Meter grossen Balten gefällt es beim TTC Wil so gut, dass er seinen Vertrag um ein weiteres Jahr verlängert hat. Der Höhepunkt seiner Karriere ist die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2012 in London.

Weltnummer 100 zu seinen besten Zeiten

Neunmal lief er an Welt- und mehrmals an Europameisterschaften auf. Seine beste Weltranglistenposition war die Nummer 100. Von einem solchen Ranking können Schweizer Profis derzeit nur träumen. Weshalb wechselte ein solch grosses Kaliber nach Wil?

Vor vier Jahren hatten Hotz und Peter Weibel, Ehrenpräsident des Tischtennisclub Wil, eine Vision. Sie wollten die Vorherrschaft von Rio-Star Muttenz beenden. Die Basler waren zuvor elfmal in Serie Meister geworden.

Auf dem Weg zum Geschäftsmann

Hotz hatte Burgis schon in den Jahren zuvor in die Schweiz locken wollen. 2015 war der Zeitpunkt gekommen. Burgis, damals 25-jährig, hatte seine Profikarriere beendet und stand vor einem neuen Lebensabschnitt. Er sagt:

«Irgendwie war die Luft draussen. Vor allem aber wurde mir bewusst, dass es für mich nicht nur im Profisport Chancen gibt.»

So reizte es ihn, wie sein Vater, in die Geschäftswelt einzusteigen. Dafür fehlte ihm jedoch die Ausbildung. Doch von Hotz wusste er, dass die Schweiz viele und gute Ausbildungsmöglichkeiten bietet. «Viel bessere als in Lettland», so Burgis.

Nach dem Studium will er Firma des Vaters übernehmen

Der Balte ist keiner, der einfach mal etwas rausposaunt, sondern ein Mann der Tat. Seit drei Jahren ist er zusammen mit seinem Vater Teilhaber der lettischen Firma Marence. Das auf Kosmetikprodukte spezialisierte Unternehmen ist auch für den Tischtennisclub Wil ein Glücksfall – seit dieser Saison unterstützt es den Verein als Trikot-Sponsor.

Wenn Burgis seine Ausbildung in der Schweiz abgeschlossen hat, will er die Firma übernehmen. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Im Sommer beginnt er ein Marketingstudium an der Marketing- und Business-School in Zürich, einer Privatschule. Burgis spricht zwar sehr gut Deutsch. Um aber ideal auf das Studium vorbereitet zu sein, nimmt er seit diesem Monat Deutsch- und Englischkurse.

Mit 15 Jahren in 1. Bundesliga gespielt

Dass er überhaupt Deutsch spricht, hat er seiner Profikarriere zu verdanken. Mit 13 Jahren wechselte er nach Deutschland zum 4.-Liga-Verein Lampertheim. Nur zwei Jahre später, im Jahr 2004, machte er einen grossen Sprung: Zuerst wurde er Jugend-Europameister im Doppel, ehe der Wechsel in die 1. Bundesliga zu Zugbrücke Grenzau folgte, wo er fünf Jahre spielte.

Nach einem einjährigen Abstecher in die höchste französische Liga kehrte er nach Deutschland zurück und spielte für den Club Post SV Mülhausen, mit dem er in die 1. Bundesliga aufstieg. Bei den Thüringern blieb Burgis – bis er nach Wil wechselte.

Hartes Leben als Profi: selten ein freies Wochenende, alles durchgeplant wie im Militär

Dass er seine Profikarriere beendet hat, bedauert Burgis nicht. Im Gegenteil: Das Leben als Tischtennisprofi sei hart. Damals trainierte er zweimal am Tag, heute noch zweimal pro Woche.

In seiner zehnjährigen Profikarriere verbrachte er den Grossteil seines Lebens in der Halle. Es gab Phasen, da hatte er ein halbes Jahr kein freies Wochenende. «Es war alles durchgeplant – wie im Militär. Ich habe vieles verpasst», sagt Burgis, der seit drei Monaten in Zürich wohnt und so nicht mehr extra für die Spiele in die Schweiz fliegen muss.

Druck in Deutschland war besonders gross

Auch der permanente Druck hat ihn gestört. In Deutschland hatte er ihn besonders stark wahrgenommen. In dieser Hinsicht sei es in der Schweiz viel angenehmer.

Am meisten ärgert sich Burgis über die Anerkennung des Tischtennis-Spitzensports. Profis könnten bei einem Turniersieg maximal 15000 Franken verdienen. Er sagt:

«Im Tennis oder im Fussball wäre eine solche Siegprämie geradezu lächerlich.»

Er will lettischer Verbandspräsident werden

Trotz dieser Erfahrungen möchte Burgis dem Spitzensport etwas zurückgeben. Mehr noch: «Mein grosses Ziel ist es, Präsident des lettischen Tischtennisverbands zu werden.» Er ist sich bewusst, dass dies nicht einfach wird. «Hierbei geht es letztlich um Politik.»

Noch ist ein solches Szenario Zukunftsmusik. Vorerst will Burgis mit seinem Freund Hotz die Erfolgsgeschichte mit dem TTC Wil fortsetzen – idealerweise mit dem vierten Titel.

Auch Elia Schmid bleibt beim TTC Wil

Genauso wie Matiss Burgis hat auch Elia Schmid, zweifacher Schweizer Einzel-Meister, den Vertrag mit dem Tischtennisclub Wil um ein weiteres Jahr verlängert. «Mir gefällt der familiäre Umgang im Verein», begründet Burgis seinen Entscheid und ergänzt: «Der TTC Wil ist der beste Club, für den ich je gespielt habe.» Damit meint er weniger die individuelle Klasse der Spieler, sondern die Hallen-Infrastruktur und die Unterstützung durch die Anhänger und Vereinsmitglieder. (tm)

Rio-Star Muttenz im Halbfinal favorisiert

Am Wochenende trifft der TTC Wil im NLA-Halbfinal mit Rio-Star Muttenz auf einen harten Brocken. Der mehrfache Schweizer Meister hat die Qualifikation gewonnen. Auch die Saisonbilanz spricht mit einem Sieg und einem Unentschieden für die Basler. Das Halbfinal-Hinspiel findet am Samstag um 15 Uhr in Muttenz statt, das Rückspiel am Sonntag um
14 Uhr in der Wiler Lindenhofhalle. Bei je einem Sieg käme es am 26. Mai zu einem Entscheidungsspiel in Muttenz. (tm)

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