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Vom Hornisten zum Dirigenten

Das letzte Saisonkonzert des Konzertzyklus Uzwil brachte eine besonderes Erlebnis: Mirco Capra, Musiklehrer an der Musikschule Uzwil, dirigierte sein Diplomkonzert. Das Publikum war begeistert.
Carola Nadler
Dirigent Mirco Capra führt den Solisten Hubert Renner durch Mozarts Es-Dur-Hornkonzert. (Bild: Carola Nadler)

Dirigent Mirco Capra führt den Solisten Hubert Renner durch Mozarts Es-Dur-Hornkonzert. (Bild: Carola Nadler)

NIEDERUZWIL. Ohne Musik kann Mirco Capra nicht leben. Es gab da zwar eine Krise, erzählt der Italiener: Während seiner Pubertät rief sein Musiklehrer zu Hause an, seine Leistung würde nachlassen. Der Lehrer gab der Mutter den Rat, ihren Sohn einzuschliessen und zu horchen, ob er auch übt. «Ohne Schwitzen kein Erfolg», sagt der gebürtige Italiener und ist heute dankbar für diese Lektion.

Als Hornist hatte er bereits fast alle Sinfonien und Opern gespielt, als ihm das Leben einen bösen Streich spielt: Eine Zahnbehandlung führte zur Beschädigung eines Gesichtsnervs. Er musste die Profikarriere beenden. Nach langen Kämpfen finanzierte die IV Mirco Capra die Ausbildung zum Dirigenten, die er nun mit einem Diplomkonzert am Sonntagnachmittag abschloss. Film- und Tonaufnahmen werden später von einer Fachjury beurteilt.

Einen starken Charakter haben

«Ein Dirigent muss einen starken Charakter haben», sagt Capra. Seine Tätigkeit als Hornist in Orchestern habe ihn dafür vorbereitet: «Ein Hornist muss starke Nerven haben, denn es ist ein sehr schwieriges Instrument. Man hört jeden Ton.» Starke Nerven brauchte er auch für die Vorbereitung des Konzertes. Mit der Planung des Projektes hatte er vor einem Jahr begonnen, die heisse Phase lief jedoch in den letzten drei Wochen. «Ich habe nicht mehr in die Partituren schauen können, ich war nur am Telefonieren, Mailen, Flyer-Erstellen», erzählt Capra. Vier Tage vor der ersten Probe habe er noch keinen Cello-Stimmführer gehabt. Aber das Ad-hoc-Orchester, das sich aus Profimusikern verschiedener Orchester zusammensetzte, sei enorm motiviert und engagiert, schwärmt Capra. Das sei der Vorteil einer Ad-hoc-Besetzung: Die Mitglieder entscheiden sich freiwillig für dieses Projekt, wogegen ein Profiorchester wie eine Jukebox funktionieren müsse.

Intensität und Klarheit

«Ein Dirigent muss alles über ein Werk wissen, er muss eine Vision haben – und er muss seine Musiker an dieses Ziel führen können», sagt Capra weiter. Dass ihm dies in der intensiven Probewoche gelungen ist, bewies das Konzert in der evangelischen Kirche in Niederuzwil eindrücklich. Tschaikowskis C-Dur-Serenade war von einer ungewöhnlichen Intensität geprägt, die trotz der Dichte eine Klarheit bewahren konnte, die jenseits aller spätromantischen Schwülstigkeit lag. Mozarts Es-Dur-Hornkonzert mit dem berühmten Allegro-Satz zeigte das aussergewöhnliche Fingerspitzengefühl Capras: Als Hornist bestens mit jedem kleinsten Detail dieses Werkes vertraut, führte er den Solisten Hubert Renner durch dieses Werk wie ein jahrelang vertrauter Partner. Wunderbar balancierte er die verschiedenen Klangfarben der Orchestergruppen und die Dynamik aus und spielte liebevoll mit der grossartigen Akustik der Kirche.

Beethovens zweite Sinfonie mag zwar noch in der Tradition der Klassik komponiert sein, ist aber mit überraschenden Kontrasten durchsetzt, die den Weg in die romantische Ära bahnen. Wo diese Sinfonie früher eher flach interpretiert wurde, folgte Capra namhaften Dirigenten der jüngsten Zeit und gestaltete diese Kontraste recht scharf, was das Werk zu einem energiegeladenen Erlebnis werden liess: Beethoven konnte nahezu gespürt werden.

Musik soll umarmen

Das Publikum zeigte sich mehr als begeistert und bewies damit, dass Capra sein Ziel erreicht hat: Musik soll umarmen. Dass Capra Musik zum Leben braucht, zeigte sich auch in seinem authentischen Auftritt: Seine scherzhafte Kommunikation per Gesten mit dem Hornsolisten, die wenigen Takte aus dem Beethoven-Scherzo als Zugabe – und zuletzt der Wurf des Blumenstrausses zu seiner Frau im Publikum.

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