Vom Bahnhof ins Postbüro

Die Tourist Info ist bald in der Altstadt an der Marktgasse 62 zu finden. Eröffnet wird sie frühestens zu Jahresbeginn 2017. Eine Studie empfiehlt dem Wiler Stadtrat, künftig 400 Stellenprozente dem Tourismus zu widmen. Vorerst wird aber reduziert.

Simon Dudle
Merken
Drucken
Teilen

Es sind unruhige Wochen. Nach internen Unstimmigkeiten im Verein Wil Tourismus, welche Personalkündigungen sowie den Rücktritt von Präsident Ruedi Schär zur Folge hatten, ist nun eine Studie der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Chur publik. Diese wurde vom Stadtrat in Auftrag gegeben und hatte auch die Frage zu klären, ob der Verein Wil Tourismus noch eine Daseinsberechtigung hat. Im vergleichbaren Rorschach wurde ein solcher Verein 2009 aufgehoben. Die Ersteller der Studie kommen zum Schluss, dass es Wil Tourismus auch künftig geben soll. Eine Verschmelzung wird nicht empfohlen, weil Wil eine kreative Organisation brauche und Verwaltungsstrukturen hemmend sein könnten.

In der Studie wird diese Kreativität vermehrt gefordert. Bisher sei zu wenig in Projektarbeit investiert worden. Die zwei vom Verein angestellten Personen, die sich 170 Stellenprozente teilen, hätten wegen der langen Öffnungszeiten der Tourist Info am Bahnhofplatz zu wenig Zeit gehabt, sich um innovative Projekte zu kümmern. Darum schlagen die Macher der Studie vor, künftig eine Aufteilung vorzunehmen. Die Hälfte der Zeit soll in die Administration verwendet werden, die andere Hälfte für die Projektentwicklung.

Öffnungszeiten halten sich an den Schalter der Stadt

Zur Verfügung stehen ab Januar allerdings nur noch 100 Stellenprozente. Nachdem den beiden Personen gekündigt worden ist, wird in den nächsten Wochen die Ausschreibung der Stelle erfolgen – und zwar durch die Stadt Wil. Diese stellt die Tourismusverantwortlichen künftig direkt an. Aktuell werden sie noch vom Verein Wil Tourismus bezahlt, der zu einem guten Teil von der Stadt Wil finanziert ist. «Ob es eine einzelne Vollzeitstelle oder zwei Stellen mit jeweils einem Teilpensum gibt, ist noch nicht abschliessend festgelegt und wird auch von den eingehenden Bewerbungen abhängen», sagt Stefan Hauser, Kommunikationsbeauftragter der Stadt Wil.

Die Tourist Info wird, wie schon lange vermutet, definitiv vom Stadtsaal beim Bahnhof in die Altstadt verlegt. Gemäss Studie mache das Sinn, weil sich heute viele Leute schon vor der Reise mit dem Zielort befassen und darum nicht am Bahnhof eine Infostelle brauchen. Zudem sei die Altstadt gut erreichbar, auch mit dem öffentlichen Verkehr. Vorerst werden Räume in einem Nebengebäude des Rathauses als Infostelle dienen, welche bis vor wenigen Tagen dem stadtinternen Postdienst vorbehalten waren. Mit der Aufgabe der Postfiliale Oberstadt werden jene Räume aber frei. Wann der Umzug erfolgt, ist noch offen. «Vorgesehen ist, per Anfang 2017 eine touristische Informationsstelle an der Marktgasse 62 zu betreiben. Die Vorbereitungsarbeiten sind im Gange. Ob eine Eröffnung per 1. Januar 2017 möglich ist, hängt auch von der Besetzung dieser Position ab», sagt Hauser. Auch noch nicht geklärt sind die Öffnungszeiten. «Grundsätzlich wird sich der Betrieb der neuen Informationsstelle mit Ausnahme des Samstags an den Schalterzeiten der Stadtverwaltung orientieren», sagt Hauser.

Stadt und Hof sollen Trägerschaft bilden

Ab dem Jahr 2018 oder 2019 liegt die Heimat des Tourist Office – geht es nach der Studie – dann im Hof zu Wil und die Trägerschaft der neuen Organisationsstruktur soll aus Stadt Wil und dem Hof bestehen. In der Studie der HTW wird vorgeschlagen, dass dann 400 Stellenprozente zur Verfügung stehen sollen und das Team von einem Hofherrn oder einer Hofdame geführt wird. Aus der Sicht Hausers lässt sich noch nicht abschätzen, ob dies auch aus städtischer Optik ein realistisches Pensum ist, da zuerst die genauen Aufgaben und Organisation eines solchen Teams definiert werden müssen. Zum Standort Hof sagt der Kommunikationsbeauftragte: «Eine enge Verzahnung zwischen der Stadt und der Stiftung Hof zu Wil macht im touristischen Bereich Sinn. Dies betrifft auch eine Informationsstelle. Wie genau diese Zusammenarbeit und vor allem auch die örtliche Ansiedlung aussehen könnten, ist noch nicht festgelegt. Das hängt auch vom derzeit noch nicht gänzlich fixierten neuen Nutzungskonzept für den Hof zu Wil ab.» Konkret geht es um die bevorstehende dritte Umbauetappe des Hofs.