Vom Altersheim zur Musikschule

Alte Wiler Häuser (11): Das Haus Sonnenhof beim Alterszentrum Sonnenhof. 1874 im Auftrag von Ulrich Fischer erbaut, wurde es 1894 zur Augenklinik und ab 1922 als Altersheim genutzt. Ab 1986 zog die Musikschule Wil ein.

Manuel Kunz
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Im Haus Sonnenhof sind die Böden zum Teil etwas schief. (Bild: mak.)

Im Haus Sonnenhof sind die Böden zum Teil etwas schief. (Bild: mak.)

Im Jahre 1874 wurde das Haus Sonnenhof im Auftrag von Ulrich Fischer erbaut. Dieser besass bis 1879 auch das Restaurant Eintracht an der Wylenstrasse. 1877 betrieb Blasius Senn im «Sonnenhof» eine Schmalfabrikation, welche 1894 von der Augenklinik des Dr. med. Albert Senn abgelöst wurde. Ab 1921 eröffnete die Ortsbürgergemeinde das «Pfrundhaus Sonnenhof». Mit dem Neubau des Alterszentrums Sonnenhof am 4. August 1986 wurde das Altersheim der Ortsbürger aufgehoben, kurz darauf übernahm es die Musikschule. Das Gebäude wurde dreigeschossig und siebenachsig errichtet. Besonders auffällig sind die Sichtquaderwerke an beiden Seiten und im 1. Obergeschoss die drei mittleren Fenster mit ihren Giebelkrönungen. Das Dachgeschoss wird von einem Pilaster, gefolgt von einem Zahnschnittfries aus Holz abgeschlossen.

Friedliche Hausbesetzung

Die Übernahme 1986 war indes nicht ganz so harmlos wie beschrieben. Als das Altersheim ausgezogen war, so der Musiklehrer Hanspeter Schneider, fasste die Musikschule das Haus Sonnenhof als neuen Standort ins Auge. Dies war aber nicht ganz einfach. «Als wir eintrafen, waren die Feuerlöscher bereits ausgeräumt worden. Das Haus sollte abgebrochen werden. So gingen wir einfach rein.» Mit Unterstützung der Denkmalpflege und des damaligen Musikschulpräsidenten, Ruedi Stiefel, durften sie das Haus schliesslich nutzen. Die Gemeinde half zudem mit einer kleinen Aussensanierung, über die auch abgestimmt wurde.

«Fixer Ort mit Licht»

«Früher arbeiteten wir in der Oberstufe Lindenhof. Daher schätzen wir dieses Haus als Arbeitsort.» Dies vor allem deshalb, weil die Keller dort so dunkel gewesen seien. Mit den Lampen hätten sie «Ganztagesbeleuchtung» gehabt, so der Musiklehrer René Jung. Schon wenn sie die Türe geöffnet hätten, wäre sofort ein Duft nach asiatischer Küche von der Mensa oben hereingeweht. Zuerst hätten sie in verschiedenen Schulhäusern unterrichtet, angefangen beim Alleeschulhaus. «Als wir hier ankamen, war es eine komplette Bruchbude. Nichts gestrichen oder intakt, doch für uns war es ein Quantensprung! Endlich ein fixer Ort mit Licht.» Das Anstreichen der Wände hätten dann, so Jung, kurzerhand die Kinder mit Neocolor-Farbstiften übernommen. «Sie kamen nie mehr so gerne in die Stunde wie damals. Wir wussten ja, dass die Wände irgendwann gestrichen werden mussten.» Hanspeter Schneider kann sich diesen Worten nur anschliessen. «Es ist ein Haus, das wir für unsere Bedürfnisse sehr gut nutzen können, auch wenn es technisch nicht einwandfrei ist.» So hätten sie grosse Probleme, die Klaviere so zu stellen, dass sie funktionierten, weil kein einziger Boden gerade sei. «Dies tut aber dem Wohlbefinden, hier zu arbeiten, keinen Abbruch. Im Gegenteil, es gibt dem Haus eine gewisse Originalität.»

Wo nicht anders vermerkt, wurde als Quelle das Wiler Stadtlexikon Wil Net (www.wilnet.ch) herangezogen.

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