Volkstümlich und weihevoll

Einen ganz besonderen musikalisch-kirchlichen Akzent setzten am Karfreitag fünf Chöre, indem sie gemeinsam die Liturgie in der Flawiler Kirche St. Laurentius mit der «Toggenburger Passion» von Peter Roth gestalteten.

Christof Lampart
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flawil. Das Gotteshaus war bis auf den letzten Platz belegt. Schon alleine dieser äussere Rahmen zeigte, dass die aufführenden Kirchenchöre aus Degersheim, Wolfertswil und Flawil sowie der Frauenchor Flawil und der Männerchor Eintracht Flawil mit der «Toggenburger Passion» des Unterwasserer Komponisten, Musikers und Chorleiters Peter Roth (*1944) eine besonders gute Wahl getroffen hatten.

Ausgewogen und klar

Denn das Stück geht einem mit seinen volkstümlichen Melodien und einprägsamen Texten zu Herzen, vor allem, wenn es so überzeugend aufgeführt wird, wie es am Karfreitag in der katholischen Kirche St. Laurentius unter der Gesamtleitung von Walter Romer der Fall war. Begleitet wurden die vereinigten Vokalensembles von einem Ad-hoc-Blas- und Saiteninstrumenten-Orchester, bei dem am Hackbrett der Komponist Peter Roth höchstpersönlich mitspielte. Der Projektchor sang ausgewogen und klar.

Die Textverständlichkeit war sehr gut, und auch die zuweilen schwierigen harmonischen Wechsel meisterte der Chor bravourös. Dem standen die Solisten in nichts nach. In der Höhe sicher präsentierte sich die Sopranistin Monika Mutter. Und der warme Alt Miranda Stähelis bildete einen ebenso angenehmen wie wirkungsvollen Kontrast zum profunden Bass von Christoph Hess.

Kreuzigung beim Speer

Peter Roths «Toggenburger Passion» basiert auf den Bildern des Wattwiler Kunstmalers Willy Fries (1907 bis 1980), welcher während des Zweiten Weltkrieges die Leidensgeschichte Jesus in die Umgebung des oberen Toggenburgs hineinverpflanzte: der Einzug am Palmsonntag in Hemberg, die Verurteilung vor der Kirche Wattwil, die Geisselung in der Sakristei und die Kreuzigung in einem Hochmoor am Fusse des Speers.

Diese Verbindung von biblisch-liturgischen Fakten und volkstümlichem Ambiente entfaltete auch in Flawil ihre Wirkung. Obertonreiche Naturklänge aus dem Toggenburg wurden verwoben mit den klassischen Harmonien und trugen somit das Passionsgeschehen musikalisch weit über das übliche Ende einer Passionsmusik, den Tod Jesu am Kreuz, hinaus.

Auf Du und Du mit Jesus

Hier wurde Jesus nicht nur als Erlöser der Menschheit, sondern als Mensch unter Menschen geschildert. Hier vereinigten sich eingängige klassische Melodien mit lüpfigen Hackbrettklängen, und Rhythmusmuster aus der Alpstein-Tanzmusik ergänzten die nach barocker Tradition aufgebaute Komposition. Da wurde die Szene im Garten Gethsemane mit Naturjodeln unterlegt, und in den Chören der Landfrauen und -männer waren Rhythmen und Klänge zu hören, die man selten in einer Kirche hört: Schottisch, Polka und Mazurka.

Hier traf das Volk Gottes den Gottessohn also sozusagen auf gleicher Ebene, verkehrte mit ihm auf Du und Du. Diese gefühlte Nähe von Gott und Mensch, die sich während des Vortrages wie eine wohltuende Welle im Kirchenraum ausbreitete, dürfte ein Grund dafür sein, dass das Werk heute nicht nur bekannt, sondern populärer denn je ist.

Würde diese Komposition in den nächsten Jahren nicht nur im Alpenraum grosse Bekanntheit erlangen, so dürfte dies im Grunde genommen niemanden verwundern, der die «Toggenburger Passion» kennt. Die Qualität dazu hätte das Werk auf jeden Fall.

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