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Glosse

Stadt Wil will den nächsten Usain Bolt - und setzt dafür auf spezielle Trainingsmethode

Das Lichtsignal beim Schwanenkreisel in Wil hat wohl schon manchen Fussgänger zur Verzweiflung gebracht. Auf dreisekündige Grünphasen, folgt minutenlanges Warten. Im Seitenblick, der wöchentlichen Glosse der «Wiler Zeitung», werden die möglichen Gründe dafür erläutert.
Gianni Amstutz
Beim Lichtsignal zwischen Hotel Schwanen und Dosenbach (Fussgängerstreifen oben) sind athletische Eigenschaften gefragt, will man es bei grün über die Strasse schaffen. (Bild: SK)

Beim Lichtsignal zwischen Hotel Schwanen und Dosenbach (Fussgängerstreifen oben) sind athletische Eigenschaften gefragt, will man es bei grün über die Strasse schaffen. (Bild: SK)

Gianni Amstutz

Gianni Amstutz

Wie viel der Staat in das Private eingreifen soll, ist eine fortlaufende politische Debatte. Wo ist Selbstverantwortung das richtige Mittel und wo soll der Staat erzieherisch tätig werden? Dieses Abwägen lässt sich im Feld der Gesundheit besonders gut erkennen. Die höheren Zigarettenpreise etwa sollen zu einer tieferen Quote an Rauchern führen. Auch wenn man sich durch den Konsum von Tabak primär selbst schadet, greift der Staat hier zur Förderung der allgemeinen Gesundheit ein.

Das totalitäre Regime in George Orwells «1984» geht dabei noch einen Schritt weiter. Über Teleschirme wird die Bevölkerung zur körperlichen Ertüchtigung gemahnt. Auch in realen Diktaturen spielte dies eine wichtige Rolle.

Den gleichen Weg in dieser Hinsicht scheint nun auch die Stadt Wil zu beschreiten. Diesen Eindruck könnte zumindest gewinnen, wer regelmässig den Fussgängerstreifen beim Lichtsignal am Schwanenkreisel überquert. Dem Stadtrat ist offensichtlich viel an der Gesundheit der Bevölkerung gelegen. Das Mittel der Wahl, um die Bürger fit zu halten: Sie sollen auf dem Weg zum Bahnhof beim Schwanenkreisel zu kurzen Vollsprints motiviert werden. Anders ist die Einstellung der Lichtsignale nicht zu erklären.

Wer es rechtzeitig über die Strasse schaffen will – und das heisst bei besagtem Lichtsignal bei orange, denn bei grün das gegenüberliegende Trottoir zu erreichen, ist ein Ding der Unmöglichkeit – muss über die Fähigkeiten eines Usain Bolts verfügen, seines Zeichens Weltrekordhalter über 100 Meter. Eine Verzögerung beim Start kann sich hier niemand erlauben. Ebenso wenig ein zu frühes Losrennen, will man nicht riskieren, überfahren zu werden. Bei grün gilt es, die Schnellkraft zu aktivieren und explosionsartig loszulaufen. Wer schon ein paar Jahre mehr auf dem Buckel hat, ist aber chancenlos.

Damit sich dabei niemand eine Zerrung holt, hat die Stadt ebenfalls Vorkehrungen getroffen. Denn auf jede dreisekündige Grünphase folgen mindestens zwei Minuten, in denen die Ampel rot anzeigt. Genug Zeit also, sich für den bevorstehenden Sprint aufzuwärmen.

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