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VOGELSTIMMENEXKURSION: Kuckuck, Kuckuck, ruft's immer seltener aus dem Wald

Andrea Häusler
Christina Lutz (rechts) mit ihrer «Mittwochs-Gruppe». (Bild: Andrea Häusler)

Christina Lutz (rechts) mit ihrer «Mittwochs-Gruppe». (Bild: Andrea Häusler)

Der Wind hat sich wie auf Kommando gelegt. «Gottseidank», sagt Feldornithologin Christina Lutz. Je lauter die Umgebung sei, desto schwieriger gestalte sich die Einordnung der Vogelstimmen. Sie spricht aus Erfahrung. Seit drei Jahren führt die Vogelkundlerin des Natur- und Vogelschutzvereins Flawil öffentliche Morgen- oder eben Abendexkursionen durch. Zumal der Vogelschutz nach wie vor die ideale Plattform darstelle, um den Menschen die Natur näher zu bringen. Noch bis und mit übermorgen Sonntag geht es, jeweils um 19 Uhr, in den Landbergwald oberhalb Flawils.

Lautstarkes, heiseres Krächzen empfängt die fünfköpfige Teilnehmergruppe beim Kindergartenwaldhaus. Graureiher hätten in den Tannenwipfeln vier Nester errichtet und seien bereits am Brüten, weiss Christina Lutz. «Sie dislozierten hierher, nachdem 2015 im Girenmoos zahlreiche Bäume gefallen waren». In der Umgebung seien aktuell um die zwölf Nester auszumachen, sagt sie. Irgendwo im Geäst schimpft eine Amsel. Für Diskussionsstoff sorgt aber der Rabe, der eben auf einem blattlosen Ast gelandet ist. Gegen 100 fänden hier jeweils zusammen, sagt eine Hobby-Vogelkundlerin aus Flawil. Dann machen Geschichten die Runde: über Raben, die Lämmern die Augen auspickten oder Hennen ausweideten.

Es geht quer durch das Unterholz, über Wurzeln, Tannzapfen und Brombeerranken. «Was ist das für ein Vogel?», fragt jemand. Schweigen. Noch einmal dringt ein heller, schriller Ton durchs Gehölz. «Das ist ein Hund», lacht Christina Lutz, die soeben die zarte, hohe Stimme eines Sommergoldhähnchens vernommen hat und zur Ruhe mahnt. Sechs Augenpaare wandern von Wipfel zu Wipfel. Vergeblich. Der Vogel scheint zum Greifen nah, bleibt aber gleichwohl unsichtbar. «Judit, Judit ...». Die Stimme klingt vertraut. Es ruft die Kohlmeise. «Meisenarten haben wir viele hier: Sumpf-, Blau-, Kohl-, Tannen- und Haubenmeisen», erklärt Christina Lutz, an deren geschultes Ohr bereits eine andere Vogelstimme gedrungen ist: die einer Mönchgrasmücke. Sie und ihre Artgenossen werden die Gruppe mit ihrem Gesang ein Stück des Weges begleiten. Wie der Zilpzalp, ein kleiner, unscheinbarer Vogel, der sich später durch die Feldstecher beobachten lassen wird. Der Wald lichtet sich. Die Luft riecht nach frisch gemähtem Gras. Ein Eichelhäher fliegt krächzend über das Jungholz. Die Aufmerksamkeit der Gruppe gilt jedoch bereits dem Ruf einer Ringeltaube und dem Rotmilan, der im Licht der sinkenden Sonne lautlos seine Kreise zieht. Die Greifvögel überwinterten zunehmend in der Schweiz, bildeten dabei Schlafgemeinschaften, sagt Christina Lutz und ergänzt: «In der Schweiz wächst die Population – in Deutschland nimmt sie ab.» In Flawils Wäldern sinkt vor allem der Kuckucksbestand. Der Insektizide in der Landwirtschaft wegen, meint Christina Lutz. «Es gibt immer weniger Schmetterlingsraupen, die Hauptnahrung des Kuckucks.»

Die Rauchschwalben fliegen tief und aus dem Wald dringt der rauhe, eintönige Regenruf des Buchfinks. Tatsächlich sind inzwischen Wolken aufgezogen, hat der Wind wieder Fahrt aufgenommen. Es ist Zeit, die Natur sich selbst zu überlassen.

Andrea Häusler

andrea.haeusler@wilerzeitung.ch

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