Vogelexkursion in Wiler Altstadt: Auch der Alpensegler fühlt sich hier heimisch

Am Samstagmorgen lud die Altstadtvereinigung in Zusammenarbeit mit der Naturgruppe Salix zu einer Exkursion ein. Das Thema war die Vogelwelt rund um die Altstadt. Dort hat sich eine seltene Vogelart angesiedelt.

Adrian Zeller
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Mit dem Fernrohr lassen sich die Vögel gut beobachten. (Bild: Simon Lumpert)

Mit dem Fernrohr lassen sich die Vögel gut beobachten. (Bild: Simon Lumpert)

Der Stundenschlag der Kirche St. Nikolaus war soeben verklungen, als Simon Lumpert um sechs Uhr morgens rund zwei Dutzend Interessierte auf dem Hofplatz begrüsste. Zusammen mit der Naturgruppe Salix hatte die Altstadtvereinigung, die Lumpert präsidiert, zu einer Exkursion unter dem Titel «Vogelfrei» in und um die Altstadt eingeladen.

Bereits vor einem Jahr stand der Rundgang im Angebot. Die unerwartet grosse Resonanz überraschte die Veranstalter. Damit die Gruppe nicht zu gross wurde, musste ein Teil der Interessierten auf die zweite Exkursion vertröstet werden. Man habe für die erneute Durchführung kaum Werbung gemacht, erklärte Lumpert, andernfalls hätte die Zahl der Interessierten die für den Anlass zweckmässige Grösse überschritten. Da das Interesse beim Publikum für Naturthemen sehr gross sei, fasse man weitere Events ins Auge. Seit Herbst 2016 will der Vorstand der Altstadtvereinigung mit thematisch unterschiedlichen Veranstaltungen weniger offensichtliche Aspekte des historischen Stadtkerns präsentieren.

Der Start der Exkursion wurde absichtlich früh am Morgen festgelegt, weil viele Vögel bei Tagesanbruch besonders aktiv sind. Zudem hält sich der Verkehrslärm noch in Grenzen, das Zwitschern ist besser hörbar.

Stadtweier lockt Alpensegler an

Der zweistündige Rundgang wurde von Remo Wenger, einem promovierten Biologen aus Maugwil, angeführt. Er stellte die verschiedenen Vögel, die auf den Dächern, in den Büschen und auf den Wiesen zu sehen und zu hören waren, mit ihren Lebensgewohnheiten kenntnisreich vor. Auf seinem Tablet konnte er zudem Darstellungen der jeweiligen Vogelart präsentieren. Es standen auch zwei Fernrohre zur genaueren Betrachtung zur Verfügung. Zu erkennen waren unter anderem Tauben, Bachstelzen, Spatzen, Rotkehlchen, Kohlmeise, Buchfink, Distelfink, Star, Wacholderdrossel sowie Graureiher. Auch die Kolonie von Alpenseglern unter dem Vordach des Hofs wurde zum Thema. Ihr Körper und ihre Flügelspannweite sind etwas grösser als die der bekannteren Mauersegler. Alpensegler haben sich perfekt an eine Lebensweise in der Luft angepasst. Mit dem Stadtweier und seinem Umgelände finden sie gute Lebensbedingungen, daher habe sie sich in Wil dauerhaft angesiedelt. Sie gelten als seltene Vogelart, die selten in Städten anzutreffen ist.

Schwierigkeiten, Nahrung zu finden

Remo Wenger ging unter anderem auch auf sich allgemein verschlechternden Lebensbedingungen für Vögel ein, die die Populationen reduzieren. Als Gründe erwähnte unter anderem die intensiven landwirtschaftlichen Aktivitäten auf relativ kleinem Raum, die ihrerseits zu einer Abnahme der Insektenmenge und –vielfalt führen. Insbesondere Vogelarten, die auf eine bestimmte Art von Futter spezialisiert sind, können so kaum mehr genügend Nahrung finden. Immerhin benötigen die Vögel laut dem Experten pro Tag rund einen Drittel ihres eigenen Körpergewichts an Nahrung.