«Vo wo chunnsch du?»: Wil setzt ein Zeichen gegen Rassismus

Eine aktuelle Plakatkampagne will das Thema Rassismus und Diskriminierung enttabuisieren und die Menschen sensibilisieren.

Hans Suter
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Wo Menschen sich begegnen: eine der vier Plakatstellen in der Wiler Allee zwischen Bahnhofplatz und Schwanenkreisel.

Wo Menschen sich begegnen: eine der vier Plakatstellen in der Wiler Allee zwischen Bahnhofplatz und Schwanenkreisel.

Bild: Hans Suter

«Vo wo chunnsch Du?» – «Vo Wil.» – «I mein ... ursprünglich?» An acht Plakatstellen in der Stadt Wil sind derzeit solche und ähnliche Dialoge zu lesen. Vier stehen in der Allee und weitere vier an sogenannten Kulturstellen: Bahnhof, Ochsner Sport, Fussgängerzone, Altstadt-Treppe Kirchplatz. Hinzu kommen allfällige Plakatstellen bei Organisationen, die von der Stadtverwaltung Plakate erhalten haben. Doch was hat es mit diesen Plakaten auf sich?

Wil beteiligt sich an kantonaler Kampagne

«Es handelt sich um eine Kampagne, die das Kompetenzzentrum Integration und Gleichstellung des Kantons St.Gallen aus aktuellem Anlass (Anti-Rassismus-Demonstrationen) lanciert hat», klärt Cristina Roduner auf. Wie die Mitarbeiterin der Fachstelle Kommunikation der Stadt Wil weiter erläutert, reiht sich die Plakatkampagne analog zu den bisherigen Kampagnen im Rahmen der «Aktionstage gegen Rassismus» ein. Die bisher letzte fand im März dieses Jahres statt. Erstmalig wurde sie im 2019 durchgeführt, ebenfalls jeweils unter Beteiligung der Stadt Wil.

Zum Nachdenken und Reflektieren anregen

Der gewaltsame Tod von George Floyd löste eine grosse Protestwelle in den USA aus. Auch in Europa und der Schweiz kam es zu zahlreichen Solidaritätskundgebungen. Seither wird das Thema Rassismus breit diskutiert, ist auf der kantonalen Website nachzulesen. Dass auch in der Schweiz und im Kanton St.Gallen Rassismus vorkommt, gilt als unbestritten. Doch wie äussert sich dieser und welches sind seine Erscheinungsformen? Mit der Plakatkampagne gegen Rassismus soll die breite Bevölkerung genau auf diese Thematik sensibilisiert werden. Zudem soll ein konstruktiver Dialog initiiert werden, bei dem sich Betroffene sowie Nichtbetroffene über das Thema Rassismus, aber auch über die Frage «Wer ist Schweizerin beziehungsweise wer ist Schweizer?» austauschen können. Cristina Roduner sagt:

«Diskriminierung und Rassismus sind selten offensichtlich, laut, aggressiv
oder gar gewalttätig.»

Häufig drücke sich das in subtilen Formen aus: mit geringschätzigen Blicken, abwertenden Worten oder beiläufigen Bemerkungen. Ziel der Kampagne sei es, die breite Bevölkerung zu sensibilisieren, das Thema zu enttabuisieren, zum Reflektieren von Denkmuster anzuregen und dem Thema Aufmerksamkeit zu geben. Die Kampagne dauert noch bis zum 6.August.

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