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Visionäre Kunst vor dem Bau

PANZANO/WIL. Am Wochenende enthüllte das Wiler Kunstnetzwerk «Ohm41» in einer symbolträchtigen Zeremonie in einem Weindorf im Chianti eine Skulptur. Der Wiler Bär aus Bronze steht für Kunst am Bau – bevor der Bau steht.
Michael Hug
Der Wiler Bär steht auf einem Platz im Chianti, Kunst am Bau vor dem Bau versinnbildlichend. (Bild: Michael Hug)

Der Wiler Bär steht auf einem Platz im Chianti, Kunst am Bau vor dem Bau versinnbildlichend. (Bild: Michael Hug)

«Wenn der Prophet im eigenen Land nichts gilt, muss er halt das Land verlassen», so die einhellige Meinung der zehn Protagonisten der Gruppe «Ohm41». Nach zähen Verhandlungen mit der Behörde der Gemeinde Greve im Chianti, zu der das Weindorf Panzano gehört, konnte der Gemeindeammann (Sindaco) für die Zeremonie vom letzten Wochenende gewonnen werden. Die Verhandlungen im Vorfeld geführt hatte der aus Italien stammende Errico Mirto, seit vier Jahren Mitglied des Kunstnetzwerks. Mirtos Verhandlungsgeschick war es auch zu verdanken, dass die Gruppe im Ratssaal von Greve vom Sindaco Alberto Bencistà persönlich empfangen wurde.

«Ohm41»-Vize-Co-Präsident Markus Eugster trug dabei das Anliegen des Netzwerks vor: «Wir wissen von den Plänen der neuen Schnellzugsverbindung zwischen Florenz und Siena. Und wir wissen auch, dass in Panzano ein grossartiger Bahnhof entstehen wird.» Bencistà zeigte sich im ersten Moment irritiert, doch die Idee sei so neu nicht, denn bis 1938 hat es bereits eine solche Bahnlinie gegeben: «Sie wurde mit einer kohlebefeuerten Dampflokomotive betrieben, und die Passagiere waren bei der Ankunft in Siena jeweils schwarz vor Russ.» Doch Bencistà schränkte ein, dass die neue Bahn keineswegs wie geplant durch einen Tunnel unter der Gemeinde durchgeführt werden dürfe. «Und wenn sie über der Erde gebaut wird, muss sie unbedingt langsam fahren, damit man auch etwas von der schönen Gegend sieht.»

«CittàSlow» zertifiziert

Bencistà wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Gemeinde Greve im Chianti seit mehreren Jahren vom Programm «CittàSlow» zertifiziert sei. «Mit diesem Programm besinnen wir uns auf bodenständige Werte, wir bremsen die Entwicklung und setzen auf Ökologie und Nachhaltigkeit. Eine Schnellbahn passt da nicht hinein.» Es war eine deutliche Aussage an das Konsortium Svit Transit AG (Svizzera-Italia), welche das Trassee durch die Toscana plant und dessen Vertreter am Treffen anwesend waren. Franz Zuber, Präsident der Svit: «Wir lassen uns nicht entmutigen und werden die Meinung der Bevölkerung einholen.» Ein klarer Affront gegen den Gemeindeammann. Trotzdem erschien er an der nachmittäglichen Übergabezeremonie.

Denn erst da ging es um das eigentliche Anliegen von «Ohm41»: Kunst am Bau, bevor der Bau steht. Markus Eugster: «In Wil hat man eine Sportanlage erstellt und erst nach dem Bau über Kunst am Bau nachgedacht. Hier beim Bahnhof von Panzano machen wir das im Einvernehmen mit der Standortgemeinde genau umgekehrt.» In der Tat zeigte sich Bencistà bereit, die zwei Meter hohe Stele mit dem Wiler Bären aus Bronze auf dem Dorfplatz von Panzano aufstellen zu lassen. Er liess den Platz sperren und erschien zur Übergabe in Polizeibegleitung. Auch der Dorfpfarrer war anwesend und segnete die Skulptur, nicht aber ohne vorab ein paar Worte zu verlieren: «Gott und Künstler können Menschen dazu bringen, über visionäre Projekte nachzudenken. Dieses Projekt kann Nachbarn verbinden und dazu bringen, miteinander zu sprechen.»

St. Galler-Bratwürste-Schmaus

Anschliessend verteilte «Ohm41» mitgebrachte und vor Ort gegrillte St. Galler Bratwürste an die Bevölkerung, die noch bis in die späten Abendstunden über die Pläne der Svit Transit AG und die Aktion diskutierte.

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