Vishna trainiert im «Trümmerfeld»

Japan kann immer und überall sein und die Suche nach Verschütteten ist meist ein Wettlauf mit dem Tod. Katastrophensuchhunde müssen deshalb intensiv ausgebildet werden. Vergangene Woche trainierte die Redog-Gruppe Ostschweiz in Bütschwil – mit dabei war auch eine Flawilerin.

Michael Hug
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Resultat vieler geduldiger Übungen: Barbara Fritsches (rechts) Labrador Vishna meistert das Hindernis ohne Zögern oder Fehltritt. (Bild: mhu.)

Resultat vieler geduldiger Übungen: Barbara Fritsches (rechts) Labrador Vishna meistert das Hindernis ohne Zögern oder Fehltritt. (Bild: mhu.)

Bütschwil/Flawil. Vishna rennt nach rechts, hält inne, spurtet in die Mitte, rennt nach links, nach hinten – ganz so wie Barbara Fritsche es will. Die Flawilerin steht 20 Meter von ihrem Hund entfernt, dirigiert Vishna mit Hand- und Rufzeichen von Punkt zu Punkt. «Das muss ein Suchhund beherrschen», sagt Übungsleiterin Heidi Bünzli, «denn in einem Trümmerfeld kommt der Hund entgegen seines Führers fast überall hin.» Der Suchhund muss die Anweisungen seines Führenden verstehen, auch aus der Distanz, und dieser muss die Zeichen klar und bestimmt geben. Im Übungsgelände des Zivilschutzes bei der ARA Bütschwil sieht das alles ganz einfach aus.

Wenig öffentliches Interesse

Hunde und ihre Führerinnen und Führer arbeiten die meiste Zeit unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Ihre Arbeit weckt erst dann das öffentliche Interesse, wenn eine Katastrophe zu bewältigen ist. Wenn Suchteams Erfolge zeigen, kommt die grosse Presse. «Bis ein Team aber in den Einsatz kommt, muss es meistens jahrelang warten», sagt Erwin Zuberbühler, Präsident von Redog Ostschweiz (siehe Kasten). «Ein Schweizer Einsatz erfolgt immer im Verband mit anderen Rettungsorganisationen, also Piloten, Ärzten und Sanitätern. Eine solche Delegation besteht aus rund 100 Personen.» Im Einsatz stehen dabei üblicherweise neun Hundeteams, erklärt Zuberbühler weiter. Bei zwölf Regionalgruppen in der Schweiz trifft es somit den einzelnen Hund vielleicht einmal in seinem Leben für einen Ernstfalleinsatz. Vielleicht aber auch gar nie, meint Zuberbühler lapidar.

Keine Katastrophen wünschen

«Klar ist der Katastropheneinsatz unser Ziel, darauf arbeiten wir hin, aber wir wünschen uns jetzt nicht möglichst oft eine Katastrophe.» Auf den Ernstfall hinarbeiten heisst zweimal wöchentlich trainieren. Dabei wechselt die Gruppe öfters die Trainingsplätze, damit die Hunde stets wieder neue Situationen antreffen. Zuberbühler: «Wir unterhalten Trainingsanlagen in Bütschwil, Bernhardzell, Goldach, Thal, Weiningen, Bürglen und Beringen.» Die Ausbildung eins Katastrophensuchhundes dauert drei bis fünf Jahre und beginnt im Welpenalter: «Die Rasse spielt dabei keine Rolle, die Grösse auch nicht. Nur sollte der Hund etwa nicht so gross sein wie eine Dogge oder so klein wie ein Zwergpinscher.»

Fitness ist wichtig

Fitness ist wichtig, sagt Zuberbühler weiter, sowohl beim Hund wie bei seinem Führenden. «Er oder sie muss auch wetterfest sein und ausserdem sofort abkömmlich, wenn es wirklich einmal in den Einsatz geht!» Hund und Führer oder Führerin sind ein Team, das heisst, so Zuberbühler, dass man Hunde nicht einfach tauschen kann: «Einen Suchhund zu halten ist ein intensives Hobby, es duldet keine Nachlässigkeiten. Aber trotzdem geschieht alles freiwillig und ehrenamtlich, selbst bei einem Einsatz gäbe es keinen Lohn.» Ein Suchhundeteam muss einige Prüfungen bestehen, bis es einsatzbereit ist. Danach trainiere das Team weiter und alle drei Jahre müsse es zur Bestätigungsprüfung antreten.

Es macht Spass

Barbara Fritsche ist zufrieden mit ihrem noch jungen Labrador Vishna. Die beiden haben die Such- und Geschicklichkeitsübungen gut absolviert. Beide sind erst vor Kurzem in die Redog-Gruppe Ostschweiz eingetreten. Fritsche hat dabei erfahren, wie extrem viel Zeit die Arbeit mit dem Hund braucht. Sie weiss nun auch, dass selbst einfachste Verhaltensregeln im Ernsteinsatz über Leben und Tod eines Verschütteten entscheiden können, und dass dabei die Umgebungsbedingungen um ein Vielfaches garstiger sein können als auf dem Übungsplatz. In Zwei Wochen will das Fritsche-Team eine erste wichtige Prüfung bestehen: «Ich bin zuversichtlich, es ist für uns beide das erste Mal.» Jetzt muss sie nur noch darauf achten, dass sie ihre innere Ruhe behält. Denn der Hund würde das sofort spüren und selbst unruhig werden, meint Fritsche.

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