Virus bremst die Narrenfreiheit: Fasnachtskomitees in der Region sagen Umzüge und Guggenmusik-Konzerte ab

Die Prognosen für die regionale Fasnacht 2021 sind düster: Zwei der drei grossen Umzüge im Grossraum Wil sind bereits abgesagt: Jene von Sirnach und Wil. In Lenggenwil lässt man sich mit der Entscheidungsfindung noch etwas Zeit.

Andrea Häusler
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Am Boden: Die Fasnacht 2021 dürfte nicht mehr zu retten sein. Die meisten Veranstalter der Region haben ihre närrischen Anlässe bereits abgesagt.

Am Boden: Die Fasnacht 2021 dürfte nicht mehr zu retten sein. Die meisten Veranstalter der Region haben ihre närrischen Anlässe bereits abgesagt.

Archivbild: PD

Keine Muschelfee und jetzt auch keine Märchenfigur, die am Fasnachtssonntag auf dem Wiler Bleicheplatz in Flammen aufgeht. Nachdem der Vorstand der Sirnacher Fasnacht den Entscheid über den coronabedingten Verzicht auf die geplanten Fasnachtsaktivitäten bereits am Dienstag kommuniziert hatte, doppelt nun die Fasnachtsgesellschaft Wil (FGW) nach. Sowohl der Gümpelimittwoch vom 10.Februar mit der Inauguration des Prinzenpaars, als auch der Kindermaskenball vom Schmutzigen Donnerstag, der Hofnarrenball und das grosse Wiler Monsterkonzert auf dem Hofplatz fallen den pandemiebedingten Schutzbestimmungen zum Opfer. Ebenfalls aus der Agenda 2021 gestrichen ist der grosse Fasnachtsumzug, der am 14.Februar durch Wil gezogen wäre.

Unklar ist einzig noch, ober der Fasnachtsgottesdienst durchgeführt werden kann. Ein entsprechender Entscheid stehe noch aus, heisst es in der entsprechenden Mitteilung des FGW-Neunerrats.

Februar ohne schräge Töne

Die Einschränkungen, welche die Massnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus bringen, haben sich auch auf den Fasnachtsfahrplan der Guggenmusiken ausgewirkt. Besonders hart trifft dies die Rossrüter Guggenmusik Rossbolle, welche mit dem Anlass «Sattel fescht» einen erstmaligen Event geplant hatte. Dieser soll nun auf 2022 nachgeholt werden.

Die «Bärehöhli», welche jeweils in der Fastnachtswoche von den Wiler Bäretatze organisiert wird sowie das «Schnäggäloch» der Schnäggägugger Bronschhofen sind ebenfalls aus dem Programm gestrichen.

Lenggenwil hat noch nicht entschieden

«43. Fasnachtsumzug, 7.Februar 2021, 14:03 Uhr»: Die Ankündigung auf der Website der Lenggenwiler Fasnacht hält die Hoffnung lebendig. Tatsächlich hat das Komitee unter der Leitung von Severin Löhrer noch nicht definitiv über die Durchführung der Fasnacht 2021 entschieden. Die Planung sieht nebst dem Umzug, der jeweils um die 70 Gruppen umfasst und rund 15000 Zuschauende anzieht, den Clownball am 5.Februar sowie den traditionellen Lenggiball am 6.Februar vor. Löhrer sagt allerdings:

Severin Löhrer, Präsident des Fasnachtskomitees Lenggenwi

Severin Löhrer, Präsident des Fasnachtskomitees Lenggenwi

«Wirklich zuversichtlich
sind wir nicht.»

Die Schutzkonzepte seien eine riesige Herausforderung. Ausserdem wolle man die vielen Helferinnen und Helfer keinesfalls dem Risiko einer Quarantäne aussetzen. Gleichzeitig stehe man aber nicht unter Zeitdruck, könne also getrost die weiteren bundesrätlichen Entscheide abwarten. Ob und in welcher Form die Lenggenwiler Fasnacht 2021 stattfindet, will das Komitee Mitte November kommunizieren.

Flawiler «Chratzbörschte»: Verleihung findet statt

Wer dieses Jahr irgendwann irgendwo in ein Fettnäpfchen getreten ist und insgeheim hoffte, die Chratzbörschte-Verleihung würde im kommenden Jahr ausfallen, muss weiter zittern. Der Flawiler Narrenrat sagt zwar die Beizenfasnacht ab und verzichtet auf die Durchführung des Umzugs, hält aber an der Verleihung der«Chratzbörschte» fest. Jedoch werde diese in einer anderen Form stattfinden. Eines ist für Narrenratspräsident Sandro Fischer aber bereits klar:

«Es wird definitiv keine Übergabe vor Publikum durchgeführt.»
Sandro Fischer, Präsident Narrenrat Flawil.

Sandro Fischer, Präsident Narrenrat Flawil.

Stattdessen werde die Verleihung via Livestream übertragen. Wobei die Details noch nicht klar seien. Ebenfalls erscheinen wird die gleichnamige Fasnachtszeitung. Detaillierte Informationen stellt er für den 11.11., 11.11 Uhr, in Aussicht.

Keine Fasnacht in Uzwil und Oberuzwil

Fischer bedauert den Entscheid ausserordentlich. Insbesondere auch deshalb, weil auch Kinder davon betroffen seien. Er betont jedoch: «Wir hatten schlicht keine andere Wahl.»

Ähnlich sah dies wohl auch der Vorstand des Verkehrsvereins Uzwil und Oberuzwil. Dieser hatte die Kinderfasnacht in der Uzwiler Zentrumsüberbauung sowie den Guggenanlass auf dem Raiffeisenplatz bereits Ende September abgesagt.

Wattwil verpasst Jubiläums-Fasnacht

Ebenfalls aus den Agenden gestrichen sind die Fasnachtsveranstaltungen in Wattwil. «Die Konfetti, die Besen, die Scheese und Häxähüsli bleiben an diesem Wochenende eingelagert», heisst es auf der Website der Chrummbachhäxe. Für die Veranstalter ist das besonders bitter, weil die Hämelfasnacht 2021 und der dazugehörige Nachtumzug Ende Januar ein Jubiläumsanlass gewesen wäre. Der höhere Aufwand wegen der Schutzkonzepte gepaart mit dem Defizitrisiko aufgrund eines möglichen kurzfristigen Veranstaltungsverbots durch die Behörden hätten dem Ok aber keine Wahl gelassen.

In Mosnang hatte man lange gehofft, wenigsten eine «Fasnacht light» organisieren zu können. Dann folgte die Ernüchterung. Das Fakomo, die IG Mosliger Fasnacht und die Guggemusig Moslig haben inzwischen entschieden, die viertägige Fasnacht abzusagen. Denn mit dem geltenden Tanzverbot, der Masken- und Sitzpflicht sowie der Beschränkung auf 100er-Sektoren wäre ein echtes Fasnachtserlebnis nicht möglich gewesen, heisst es in der Begründung.

Bütschwil wartet weiterhin ab

Anders in der Nachbargemeinde Bütschwil. Das Fasnachtskomitee unter der Leitung von Christoph Ziegler hofft und bangt weiterhin. «Am 18.November ist eine neuerliche Sitzung anberaumt. Dann wird definitiv entschieden», hiess es auf Anfrage.

Die Fasnacht 2021 droht, leise und farblos zu werden. Um gleichwohl ein bisschen gute Laune in die dunkle Jahreszeit zu bringen, suchen die meisten Fasnachtskomitees nach Möglichkeiten, trotz Corona, den einen oder anderen optischen oder akustischen Alternativevent anzubieten. Über konkrete Ideen mag sich jedoch noch niemand auslassen. Dafür bleibt ja auch noch ein Vierteljahr Zeit.