Virtuelles Treffen mit Uzwils Gemeindepräsident: Neue Lösung für den Bushalt Oberberg und keine Chance für Fernwärme

Politischer Diskurs vom heimischen Sofa aus: Corona verändert auch die Kommunikation zwischen Behörden und Bevölkerung. Gestern lud Uzwils Gemeindepräsident Lucas Keel zum virtuellen Meeting, um zu eruieren, was den Uzwilerinnen und Uzwilern unter den Nägeln brennt.

Andrea Häusler
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Nachdem die Wiedereröffnung des Bahnhofs Algetshausen kein Thema mehr ist, erhält das hängige Projekt «Bushalt Henau-Oberberg» wieder höhere Priorität.

Nachdem die Wiedereröffnung des Bahnhofs Algetshausen kein Thema mehr ist, erhält das hängige Projekt «Bushalt Henau-Oberberg» wieder höhere Priorität.

Bild: PD (Algetshausen, 6. Juni 2020)

Es bedarf einiger wortloser Momente, bis das Eis gebrochen und die virtuelle Fragerunde mit Lucas Keel, lanciert ist. Ohne thematische Leitplanken frei von der Leber weg preiszugeben, wo der Schuh drückt, ist ungewohnt.

Doch genau dies zu eruieren, ist das Ziel des Zoom-Meetings. Es soll dem Gemeinderat jenen «Echo-Raum» ersetzen, den üblicherweise – also ohne Corona – die politischen Parteien mit ihren Diskussionsveranstaltungen zu den Gemeindegeschäften liefern. Wie beurteilt die Bevölkerung die Ideen? Was ging vergessen, wo läuft etwas falsch?

Dauerbrenner glimmen verhalten

Es ist Montagabend, 18.30 Uhr, eine knappe Woche vor der Bürgerversammlung. Zwölf Personen haben sich eingeloggt, geben sich zunächst zurückhaltend, abwartend. Dabei lieferte Uzwil aktuell Gesprächsstoff zuhauf. Das veranschlagte Budgetdefizit von fast einer Million Franken etwa, das umstrittene Farbkonzept für die Uzehalle oder wenigstens der Sanierungsfall Augartenkreuzung.

32'000 Franken Druckkosten für die Sichtbarkeit

Die medialen Dauerbrenner bewegen offenbar weniger als gedacht. Stattdessen wird gefragt, ob denn ein gedruckter, flächendeckend verteilter Geschäftsbericht – immerhin mit Ausgaben von 96'000 Franken budgetiert – tatsächlich noch zeitgemäss sei.

Für Lucas Keel ist das illustrierte Heft eine Chance, die Gemeinde sichtbar zu machen. «Auch wenn die Texte ungelesen bleiben, muss es für die Entsorgung zweimal jährlich behändigt werden», witzelt er und relativiert sogleich: «Nicht der Druck und der Versand machen den grössten Aufwand aus, sondern das Sammeln und Aufarbeiten der Daten. Einen Bericht müssen wir ohnehin machen.» Allein den Druck und Versand eines Berichts mit Fotos beziffert er mit rund 32'000 Franken.

Finanzpolitische Befürchtungen

Sparen ist tatsächlich angesagt. Die Zahlen zeigen dies, die Skepsis eines Bürgers tut dies auch: «Das Eigenkapital von 10 Millionen Franken zu halten und mit der Verschuldung – angesichts des Investitionsvolumens – bis zum Ende der Finanzplanperiode unter der 30-Millionen-Franken-Marke zu bleiben, sei eine enorme Herausforderung, wird festgestellt.

Lucas Keel bestätigt dies, bleibt aber dennoch zuversichtlich. «Erfahrungsgemäss dauert die Realisierung von Grossprojekten länger als geplant - die Erweiterung der Schulanlage Herrenhof ist so ein Beispiel.» Wobei jenes Bauvorhaben bereits teilweise vorfinanziert sei. Keel verhehlt aber nicht:

«Viel Platz für eine Steuerfussentwicklung nach unten gibt es nicht.»

Höhere Betreuungsbeiträge: Arbeitgeber ins Boot holen

Fünf Millionen Franken pro Jahr verteilt der Kanton St.Gallen ab 2021 zur Senkung der Drittbetreuungskosten der Eltern an die Gemeinden. Wie Uzwil das Geld einsetzen will, wird laut Keel im Dezember entschieden.

Angedacht sei einerseits eine Erhöhung der Fremdbetreuungsbeiträge auch für Eltern mit höheren Einkommen. Anderseits sollen die Arbeitgeber ins Boot geholt werden. ««Das Konzept sieht vor, dass Unternehmen ebenfalls Beiträge leisten sollen. Schliesslich reden sie ja von Fachkräftemangel. Als Anreiz subventioniert die Gemeinde die Hälfte des Arbeitgeberbeitrags. Wobei die Gesamtsumme auf 5000 begrenzt werden soll.»  

Bushaltestelle Oberberg: Neue Lösung

Gegen den Neubau der Bushaltestelle Henau-Oberberg sind noch immer Verfahren hängig. «Wir sind dabei, eine alternative Lösung zu erarbeiten», beantwortet Lucas Keel eine entsprechende Frage.

Was einen möglichen weiteren Ausbau des Erdgasnetzes anbelangt, äussert er sich zurückhaltend, aber überzeugt, dass es diese Energie – einen ausreichenden Biogasanteil vorausgesetzt – noch lange geben wird. Auch in Kombination mit Blockheizkraftwerken. Die Nutzung von Fernwärme habe man geprüft, jedoch festgestellt, dass man mit den Stromtarifen nicht konkurrenzfähig wäre.

Uzwil in zehn und mehr Jahren

Auch Uzwil muss die Ortsplanung revidieren. Innere Verdichtung, lautet das Zauberwort. Lucas Keel spricht von «innerer Entwicklung», von einer Balance zwischen bebautem und freiem Raum und einem frühen Einbezug der Bevölkerung. Entwicklungspotenzial sieht er vor allem im Gebiet um den Bahnhof, wo auch die Erschliessung mit Velos, die Fusswege und das Parkplatzregime unter die Lupe genommen werden müssten.

Die Zeit schreitet voran, die Fragen werden weniger, die sprachlosen Pausen länger. Die Teilnehmenden haben ihren Wissensdurst gestillt, Keels Hunger dagegen meldet sich erst. Um Punkt halb sieben Uhr verabschiedet er sich von Bildschirm und Mikrofon: zum Nachtessen.