Virtuelles Benefizkonzert im Gare de Lion soll Spendenanreiz schaffen

Die verschärften Massnahmen zur Coronapandemie bringen in Wil Eventveranstalter in Existenznöte. Der EG Club stellt seinen Betrieb ein, das Kulturzentrum Gare de Lion hat finanzielle Sorgen.

Adrian Zeller
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Ein Konzert via Livestream – musikalische Unterhaltung in Zeiten der Pandemie.

Ein Konzert via Livestream – musikalische Unterhaltung in Zeiten der Pandemie.

Bild: Adrian Zeller

Am 8. September dieses Jahres erfolgte die erste Hiobsbotschaft: Der EG Club an der St. Gallerstrasse stellte seinen Betrieb ein. Da die entsprechende Liegenschaft, eine ehemalige Autowerkstatt, ohnehin wegen eines Neubauprojektes weichen muss, war das Ende des EG Clubs programmiert, aber es kam weit früher als gedacht.

Die Coronakrise habe den EG-Eventkalender bereits ab Mitte März zum Stillstand gebracht, schreiben die drei Betreiber in einer Medienmitteilung.

Der EG Club in Wil hat seinen Betrieb eingestellt. Grund dafür war auch die Coronakrise.

Der EG Club in Wil hat seinen Betrieb eingestellt. Grund dafür war auch die Coronakrise.

Bild: Picasa
«Wir hofften alle darauf, nach der Sommerpause wieder zur Normalität zurück zu kehren.»

Es waren «Closings-Partys» geplant, die das feierliche Ende der Partys in der angestammten EG-Liegenschaft einläuten sollten. Daraus wurde nichts.

Die aktuelle Situation lasse leider auch für die kommenden Monate keine bessere Perspektive zu, heisst es in der Stellungnahme weiter: «Es scheint ein weiter Leidensweg anzustehen, welcher alle Eventveranstalter stark beschäftigt. Durch die Ungewissheit sind nur noch kurzfristige Planungen möglich.» Es tue den EG-Partyveranstaltern im Herzen weh, dass sie die Abschlusspartys nicht mehr durchführen könnten, schreiben sie.

Keine Weihnachts- und Silvesterpartys im Gare de Lion

Rund einen Monat später zog auch der Gare de Lion die Notbremse und sagte sämtliche Veranstaltungen bis Ende Jahr ab. Das von der Kantonsregierung erlassene Tanzverbot dreht dem «Kulturbahnhof» den Geldhahn zu.

Mit Partys werden Einkünfte erwirtschaftet, die mithelfen, kaum rentable Konzerte und Lesungen zu finanzieren. «Speziell die Weihnachts- und die Silvesterparty bringen uns alljährlich gute Einnahmen», erläutert Mike Sarbach, Mitglied der Betriebsleitung. Damit wird heuer nichts. An Weihnachten und an Silvester bleibt es im Eventlokal hinter dem Silo still.

Die Coronakrise hat auch das Kulturzentrum Gare de Lion getroffen.

Die Coronakrise hat auch das Kulturzentrum Gare de Lion getroffen.

Bild: Adrian Zeller

Bereits der Lockdown im Frühjahr hatte dem Gare de Lion einen Einnahmenverlust von rund Fr. 60'000.– beschert. Die erneuten behördlich verordneten Einschränkungen vergrössern den Fehlbetrag in der Kasse so sehr, dass nur noch die vorübergehende Stilllegung des Betriebes übrig blieb.

Zwar hatte das Kulturlokal mit einer Sommerbar einen kleinen Gewinn erwirtschaftet, doch dieser konnte den Fehlbetrag nicht wettmachen. Die monatlichen Grundkosten bewegen sich auch nach einem Sparprogramm im hohen vierstelligen Bereich. Es müssen Auslagen für Versicherungsprämien, Strom, Reinigung, Löhne und Sozialabgaben für Teilzeit-Mitarbeitende und weiteres mehr gedeckt werden.

Die zuständige St. Galler Regierungsrätin Laura Bucher hat den Kulturschaffenden im Kanton Unterstützungsgelder zugesichert. Ob diese dem Gare de Lion genügend aus dem finanziellen Engpass helfen werden, wird sich weisen.

Solidaritätsaktion: Virtuelles Benefizkonzert

Bereits ist eine Solidaritätsaktion angelaufen, die der Gare-Crew helfen soll, in finanziell schwierigen Zeiten leichter über die Runden zu kommen. Dazu wird am kommenden Freitag, 30. Oktober, ab 20 Uhr im Gare de Lion ein Benefizkonzert veranstaltet.

Um das Übertragungsrisiko möglichst gering zu halten, sind lediglich die Musiker und die Veranstaltungstechniker vor Ort. Das Publikum kann das Konzert per Livestream im Internet mitverfolgen. So ist der Anlass auch nicht gefährdet, sollte der Bundesrat heute Mittwoch weitergehende Einschränkungen verfügen.

Jazz Jam Session live mitverfolgen:

Lukas Häne, Trompeter aus Wil und Initiant der Jazz Jam Session.

Lukas Häne, Trompeter aus Wil und Initiant der Jazz Jam Session.

Bild: Adrian Zeller

Initiant dieses Unterstützungsanlasses ist der Wiler Trompeter Lukas Häne. Er organisiert seit August 2018 immer wieder Jazz Jam Sessions in der Zwischennutzung Hof bzw. im Gare de Lion. Basis dafür ist das Ostschweizer Jazz Kollektiv (OJK). Dieses Netzwerk von rund 400 Musikern organisiert an verschiedenen Orten in der Ostschweiz mehrmals jährlich Konzerte, bei der sich auch Musiker aus dem Publikum beteiligen können.

«Die OJK Jazz Jam Session Ende Oktober war bereits seit einem Jahr geplant, und da Video- und Tonaufnahme ohnehin schon vorbereitet waren, lag die Entscheidung nahe, den Event ausschliesslich live im Internet zu übertragen», erzählt Lukas Häne. Bereits vor einem Jahr trafen sich die Jazzfreunde zu einem Konzert im «Kulturbahnhof».

Zugleich wurde der Jazzevent kurzfristig zu einem Spendenanlass modifiziert. Häne ist überzeugt:

«Die Bevölkerung und besonders die Jugend der Stadt und der Region Wil brauchen dieses Zeichen der Hoffnung und der Zuversicht, dass nach einem schwierigen Winter wieder der Frühling kommt und ausgiebig gefeiert, gesungen und getanzt werden darf.»

Hinweis: Über den Link www.garedelion.ch kann gespendet werden.