Virtueller Rundgang durch Mühle

Am Samstag hat die Firma Bühler AG zum Tag der Berufsbildung eingeladen. Im Rahmen des Jubiläums «100 Jahre Bühler Berufsbildung» standen die geschichtliche Entwicklung sowie Pläne und Innovationen der Zukunft im Mittelpunkt.

Christine Gregorin
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Schellenschmied Peter Preisig aus Herisau entführte vermeintlich in längst vergangene Zeiten. (Bild: Christine Gregorin)

Schellenschmied Peter Preisig aus Herisau entführte vermeintlich in längst vergangene Zeiten. (Bild: Christine Gregorin)

UZWIL. «Der Tradition sowie im besonderen auch der Leistung der wegbereitenden Familie Bühler Respekt zollen, die Zukunft auf diesem starken Fundament kontinuierlich ausbauen und dabei die vorausschauende Vision weiterhin beibehalten», antwortete Andreas Bischof, Leiter Berufsbildung, auf die Frage nach den Kernpunkten der Präsentation in der Uzehalle.

Die Berufsbildung hat bei der Firma Bühler AG einen hohen Stellenwert und seit 100 Jahren Tradition. Aktuell werden 600 Lernende weltweit ausgebildet, davon die Hälfte in der Schweiz. Begonnen hat die Erfolgsgeschichte 1915 mit gerade mal acht Lernenden. Als einer der ersten Betriebe in der Schweiz hat der Uzwiler Konzern damals duale Ausbildungen angeboten. Über 7500 Lehrabgänger haben inzwischen den Abschluss geschafft. Bühler prägt die duale Berufsbildung in der Schweiz, aber auch im internationalen Umfeld aktiv mit und hat das Erfolgsmodell in viele Länder exportiert.

Nicht nur virtuell an der Spitze

Neben einer überaus praxisnahen Vorstellung der insgesamt zehn von der Bühler AG angebotenen EFZ-Berufe wurden am Samstag vier zukunftweisende Innovationen aufgezeigt. Speziell die imaginäre Ebene scheint eine Vorreiterrolle zu übernehmen. Risikominimierung, ein geringerer Verbrauch von Rohstoffen und Materialien sowie wegfallendes Anreisen heissen die markantesten Vorteile.

So wussten am Tag der Berufsbildung vor allem die dreidimensionalen Welten zu beeindrucken. Der fiktive Rundgang durch das Modell einer tatsächlich im Bau befindlichen oder soeben fertiggestellten Mühle gestattet dem angehenden Konstrukteur, oder auch potenzieller Kundschaft, einen Einblick in mögliche Grössenverhältnisse – und dadurch selbstverständlich auch, deren Vorstellungsvermögen gezielt zu schulen oder auf die Sprünge zu helfen. Am Stand der Anlagen- und Apparatebauer konnte das virtuelle Schweissen geübt werden, ganz ohne Hitzeentwicklung, Funkenwurf oder Blendeffekt. Und zwei lernende Automatiker erklärten dank ihres Tablets das System «Automation Unlimited 1.0»: Mit entsprechenden elektronischen Schaltungen und unter Einsatz von Kameras kann eine Anlage fernab des eigenen Standorts überwacht, ausgeschaltet, in Betrieb gesetzt und je nach Störung sogar repariert werden. Die Neuerungen dienen sowohl während der Rekrutierungsphase als auch später im Zuge der Ausbildung zur Steigerung der Attraktivität involvierter Berufe.

Grenzenloses Klassenzimmer

Auch die «Class Unlimited 2.0», das grenzenlose Klassenzimmer, basiert auf dem weltweiten Datenaustausch. Seit 2008 können Lernende im letzten Lehrjahr zwei bis sechs Monate in einer ausländischen Niederlassung verbringen. Heute stehen dafür China, Indien, Brasilien, England, Südafrika und die USA zur Auswahl.

Der Schulunterricht erfolgt dank elektronischer Verbindung gemeinsam mit ihren Klassenkameraden in Uzwil. Ab dem kommenden Schuljahr steht dazu in Uzwil ein völlig neu eingerichtetes sowie konzipiertes Schulzimmer zu Verfügung.