Serie

Vier Sitze sind das Minimalziel der CVP im Wahlkreis Wil

Die CVP Wil-Untertoggenburg will die Wählerstärke von heute 20 auf 23 Prozent steigern.

Andrea Häusler
Hören
Drucken
Teilen

Die CVP des Kantons St.Gallen hat bei den nationalen Wahlen im Herbst 2,2 Prozent Wähleranteil dazu gewonnen, doch das Minus von drei Sitzen schweizweit lässt sich nicht schönreden. Bezogen auf den Kanton St.Gallen war es, trotz Wählergewinn, einer von bisher dreien. Deshalb sagt der Präsident der Regionalpartei Wil-Untertoggenburg, Bruno Cozzio: «In unserem Wahlkreis haben wir den ‹Turnaround› geschafft.» Ein untrügliches Zeichen dafür sei die Tatsache, dass die CVP ihren Wähleranteil regional um 3,1 Prozent habe steigern können.

Bruno Cozzio während der Februarsession des Kantonsrats.

Bruno Cozzio während der Februarsession des Kantonsrats.

Bild: Regina Kühne

Der Positivtrend beflügelt und weckt hinsichtlich der Kantonsratswahlen Begehrlichkeiten. «Vor vier Jahren hatten wir eine Wählerstärke von 20 Prozent. Diese möchten wir übertreffen», sagt Cozzio und spricht von einem angestrebten Wähleranteil von 23 Prozent. Ein Plus von drei Prozent dürfte jedoch kaum ausreichen, um das erklärte Minimalziel, das Halten der vier bisherigen Sitze im Kantonsparlament, zu übertreffen. Dessen ist sich der Kreisparteipräsident und Vizepräsident des Kantonsrats bewusst:

«Ein fünfter Sitz ist sehr schwer zu gewinnen, aber man muss die Ziele hochstecken, um überhaupt etwas zu erreichen.»

Die Kreispartei tritt mit zwei Listen und 25 Kandidierenden an, wobei der Frauenanteil mit sieben Kandidatinnen 28 Prozent beträgt. Beide Listen, die Haupt- wie die Newcomer-Liste, sind mit «CVP – die Mitte» bezeichnet. Seine Partei verstehe sich nach wie vor als Brücke auf dem Weg zu pragmatischen, umsetzbaren Lösungen, sagt Bruno Cozzio. Der Diskussion um den vom Präsidenten der CVP Schweiz neu lancierten Reformvorschlag, künftig auf das «Christlich» in der Parteibezeichnung zu verzichten, könne und müsse man sich stellen, sagt Cozzio. «Ob ‹C› oder nicht – wichtig sind die Werte, die dahinterstecken: ein anständiger Umgang mit politisch Andersdenkenden etwa oder der Verzicht auf Angriffe und Schlagwörter.» Dass man die Partei deswegen weniger wahrnehme, nehme man in Kauf.

Schrittweises Vorgehen statt Populismus

Nicht andersdenkend, sondern im politischen Mainstream positioniert sich die regionale CVP in der Klimafrage. Wobei Bruno Cozzio klar macht: «Populismus bringt gar nichts. Wir brauchen Lösungen, die umsetzbar und von möglichst vielen mitgetragen werden. Das setze ein Tempo voraus, mit dem die Bevölkerung Schritt halten könne.

Gerade bei der erneuerbaren Energie sei es – mit einem Mix aus Energieträgern – möglich, die Wertschöpfung in den Regionen zu halten: «Einheimische Wind- und Wasserkraft zu nutzen ist sinnvoller als sich mit Fotovoltaikanlagen in der Wüste vom Ausland abhängig zu machen.»

Fahrgemeinschaften im Maut-System

Ökologisch im weiteren Sinn ist aus seiner Sicht auch die Konzentration des regionalen Entwicklungspotenzials an einem Ort wie Wil-West. Unter der Voraussetzung allerdings, dass die Verkehrsflüsse geschickt geführt und die Erschliessung mit dem öffentlichen Verkehr sichergestellt sind. Denn Cozzio ist überzeugt: «Die Strasseninfrastruktur ist zunehmend weniger in der Lage, den Individualverkehr zu bewältigen. Insbesondere auf den Autobahnen.» Hier sähe er eine mögliche Lösung in einer Bevorzugung von Fahrgemeinschaften im Maut-System.

Generell stünde der Ostschweiz mehr Selbstbewusstsein hinsichtlich ihrer Lage zu: «Wir sind mitten in Europa. Nicht zufällig hat Aldi seine Schweizer Betriebszentrale hier gebaut. «Ressourcenschonend – als weltweit einziger zweistöckiger Aldi-Bau.»

Standortbezogen konzentrierter wurde man heute auch die Ostschweizer Spitallandschaft planen. Nachträgliche Korrekturen seien nun unumgänglich, sagt Bruno Cozzio, dessen favorisiertes Szenario nach wie vor eine interkantonale Lösung ist. «Bietet sich eine solche an, muss die Chance genutzt werden – ungeachtet der zeitlichen Verzögerungen.»

Beruf- und Familie: Prozess ist sehr schnell

Positiv beurteilt Cozzio die regionale Entwicklung im Bereich der Berufsbildung, die bewusst auf eine stärkere Vernetzung von Theorie und Praxis abziele. Nur müsse die Führung der Berufsschulen wieder auf die regionale Stufe zurück: «Der Kanton ist in der Pflicht, solche Bestrebungen dezidiert zu unterstützen.»

Die CVP sieht sich selbst als Familienpartei. Die Bemühungen um eine Vereinbarkeit von Beruf und Familie beurteilt Bruno Cozzio im Grundsatz positiv: «Die Gesellschaft entwickelt sich, und dem gilt es Rechnung zu tragen.» Nur gebe es verschiedene Formen von Entwicklung: «Das gegenwärtige Tempo ist sehr schnell.» Auch hier gelte: mit den Menschen für die Menschen.

Alle Parteiporträts im Überblick