Vier Nationalitäten, eine Sprache

Coverbands gibt es viele. The Hands Revival aber sind unvergleichlich: Ein Frontmann, der in Ex-Jugoslawien einen Top-Ten-Hit landete, ein israelischer Bassist, eine bulgarische Pianistin, ein slowakischer Gitarrist und ein Schweizer Schlagzeuger.

Mario Fuchs
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Zuzwil/Uzwil. Der Parkplatz vor dem Update Fitness in Uzwil ist voll. Montagabend scheint eine beliebte Trainingszeit zu sein. Die Strassenlaterne wirft einen orangen Lichtkegel auf den nassen Asphalt. Aus dem Untergrund erklingt ein unverwechselbares Riff: «Da da dada, da da dada»: «Whatever you want, whatever you like» – die markige Rockerstimme, die aus dem Lichtschacht in den Regen hinaus schallt, gehört René Strohmeier, Bandleader von The Hands Revival.

Später bei einer Tasse Kaffee wird der Zuzwiler sagen: «Wir spielen, was die Leute wollen, guten alten Rock und Rock'n'Roll.» Whatever you want – was immer du willst: Ein Welthit der britischen Kultrocker Status Quo als Bandmotto. Das ist keine schlechte Ausgangslage.

Die zündende Songidee

Strohmeier, Gründer und Frontmann der fünfköpfigen Truppe, ist, man glaubt es kaum, der einzige in der Band, der keinen musikalischen Studienabschluss vorweisen kann.

Dies erstaunt deshalb, weil der 59-Jährige das schaffte, wovon viele Musiker eine ganze Karriere lang vergeblich träumen. 1992 werden in Züberwangen The Hands gegründet. Vier Männer, darunter René Strohmeier, bringen ihre gemeinsame Begeisterung für den Rock'n'Roll auf die Bühnen der Schweiz und des grenznahen Auslands. Der grosse Durchbruch bleibt vorerst aus. Doch dies ändert sich, als 1999 im Balkan der Krieg tobt. René Strohmeier, gelernter Carrosseriespengler, betreut zu dieser Zeit in Zuzwil Asylsuchende.

In der Freizeit tüftelt er im eigenen Tonstudio in Züberwangen an neuen Melodien.

Als er von einem kroatischen Künstler Besuch erhält, um dessen Album zu produzieren, kommt ihm eines Sonntagmorgens plötzlich die richtige Songidee zur richtigen Zeit. «Das war unglaublich, die Musik sprudelte einfach aus mir heraus», erinnert sich Strohmeier.

Er komponierte einen Rocksong im Stile der Dire Straits, eine Arbeitskollegin schrieb, Bezug nehmend auf das Geschehen im Osten, den Text zur Melodie – «The Fighter» war geboren.

Das Stück fand den Weg auf eine Demo-CD und in den Koffer des kroatischen Künstlers. Der Mühen Lohn: Chart-Einstieg direkt auf Platz zwei im damaligen Jugoslawien. Das Stück hält sich drei Monate in den Top Ten und wird in Südamerika, Australien und halb Europa im Radio gespielt. Allein in der Schweiz gehen 10 000 Exemplare über den Ladentisch.

«Reich wird man davon nicht», winkt Strohmeier ab, «aber es ist ein wahnsinnig gutes Gefühl, so etwas einmal zu erleben.»

Tod und Wiederbelebung

The Hands waren gefragter denn je, traten Abend für Abend auf. 2005, bedingt durch Umzüge von Bandmitgliedern, lösen sie sich allerdings fast auf. Eine Neubesetzung bringt keinen Erfolg, musikalische Differenzen geben der Gruppe zwei Jahre später den definitiven Todesstoss.

Doch ein alter Rocker wie René Strohmeier gibt nicht so schnell auf. «Ich wollte weitermachen und kontaktierte meine ehemaligen Mitmusiker.» Eva Tanner aus Bronschhofen, gebürtige Bulgarin und klassische Geigerin, war 13 Jahre lang auf Tour durch Europa und kam 2000 in die Schweiz. Bohouš Kurhajec aus Eschlikon ist ebenfalls gelernter Violinist, seit dem Alter von sieben Jahren jedoch begeisterter Gitarrist. Bei einem Auftritt im Oberuzwiler «Rossbode» lernte der gebürtige Kroate seine heutige Frau kennen.

Hannes Rütter (Schlagzeug) und Itay Abuhay (Bass) komplettierten die Band. Obwohl neu hinzugekommen, müssen sich die beiden in puncto Originalität nicht verstecken: Der Zürcher Rütter kommt dank eigenem Heissluftballon regelmässig hoch hinaus und dem Israeli Abuhay gelang dies 2007, als er in seiner Heimat der «Band des Jahres» angehörte. Bunter geht's kaum mehr – die wiederbelebten «Hands» könnten glatt für einen Integrations-Werbespot herhalten.

Mit den Sauterelles in Winti

Die verschiedenen Sprachen seien, so sagt Bohouš Kurhajec, überhaupt kein Problem: «Die Musik ist eine höhere Sprache. Da braucht es nicht mehr viel Worte.» Was es braucht, sind Auftritte. Den ersten Höhepunkt im neuen Abschnitt der Bandgeschichte wird der Samstag, 16. Oktober, markieren. Dann stehen The Hands Revival an den Winterthurer Oldie Nights vor und nach den legendären Sauterelles von Toni Vescoli auf der Bühne.

Weitere Auftritte seien in Planung und Anfragen «herzlich willkommen», meinen die Musiker augenzwinkernd.

Die Winterthurer Oldie Nights finden vom 15. bis 17. Oktober im Kirchgemeindehaus an der Liebestrasse statt (Tickets unter 079 747 22 42). Kontakt zur Band unter www.thehandsrevival.ch.