Vier Chancen auf eine Medaille

Rollstuhlsportlerin Sandra Graf hat an den Paralympics in London vier Chancen auf einen Podestplatz. Die Marathondritte von Peking startet erstmals mit dem Handbike.

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ROLLSTUHLSPORT. Sandra Graf ist dreifache Wiler Sportlerin, in erster Linie aber stammt sie aus dem Appenzellerland, aus Gais. Die Gemeinde Gais ist an ihren rund 3100 Einwohnern gemessen zwar relativ klein, aber dank Sandra Graf und Michael Albasini gehört sie sportlich zu den eidgenössischen Hochburgen. Nur wenige Schweizer Städte waren mit zwei Athleten an den Weltspielen in London vertreten. Zudem handelt es sich nicht um die vielzitierten «Olympia-Touristen», sondern um zwei Medaillenkandidaten. Albasini musste seine Chance zwar einem stürzenden Kollegen opfern. «Jetzt soll Sandra aufs Podest fahren», zeigt sich der Zweirad- mit der Dreiradspezialistin solidarisch. Sandra Graf reiste gestern Mittwoch rechtzeitig zur Eröffnungsfeier nach London. Die Handbike-Rennen beginnen erst am 5. September, und der Marathon bildet am 9. September den Abschluss der Spiele. Am 2. September bestreitet die 43jährige Appenzellerin zum «Warmfahren» die 5000-m-Konkurrenz im ausverkauften Olympiastadion. Ergibt vier Starts in zwei Sportarten.

Nur sechste wegen Defekt

Bei vier Rennen mit Favoritenstatus müsste es irgendwo irgendwann mit (mindestens) einer Medaille klappen. «Theoretisch ja, aber…», lautet die Antwort. Graf weiss, wie schnell sich die Ausgangslage ändern kann. 2004 in Athen startete sie als 5000- m-Weltrekordhalterin, war auf Titelkurs und wurde durch einen Materialdefekt auf Rang sechs zurückgeworfen. 2008 wurde die zweifache Mutter in London erneut unverschuldet in einen Sturz verwickelt. – Aus der Traum trotz Bestform.

Mit dem Handbike

Erstmals startet Sandra Graf in London mit dem immer beliebter werdenden Handbike an den Spielen für Sportler mit Handicap. Als mehrfache Vizeweltmeisterin sollte sie auf dem Motorsport-Rundkurs in Brands Hatch doch in die Top 3 fahren. «Möglich ist vieles. Trainiert habe ich gut, die Vorbereitung stimmt, und ich traue mir auch einiges zu.»

Nach den Paralympics dürfte die Bahn-Karriere von Sandra Graf zu Ende sein. «Ich werde mich im Rollstuhl auf die City-Marathons und die Handbike-Rennen konzentrieren. Der Aufwand, weiterhin alle Disziplinen zu trainieren, ist zu gross.» Vom Prestige und den künftigen Engagements her wäre eine Marathon-Medaille besonders hoch einzustufen. Die Strecke ist identisch mit jener an den Olympischen Spielen. Und weniger Zuschauer werden es auch nicht sein. (uhu.)

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