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Vielstrophiges Musikjahr in Wil

Die breitgefächerte Musiklandschaft in der Äbtestadt in Wil zeichnet sich durch eine ausgewogene Balance von Tradition und Innovation aus. Im 2019 wird den Musikfreunden ein reichhaltiges Melodienmenu offeriert.
Adrian Zeller
Unter anderem geht im August das «Classic Openair» über die Bühne. (Bild: Benjamin Manser)

Unter anderem geht im August das «Classic Openair» über die Bühne. (Bild: Benjamin Manser)

Jazz gilt bei vielen Musikliebhabern als schwer zugängliche Richtung. So war es ein gewisses Wagnis, als das Ostschweizer Jazz Kollektiv OJK am 29. August 2018 zu einer Jazz Jam Session in das Dachgeschoss im Hof zu Wil lud. Würden mehr als einige wenige Kenner im Publikum sitzen? Bei einer Jam Session spielen Gastmusiker mit einer bewährten Formation zusammen.

Die Ausschreibung erzeugte eine überraschend breite Resonanz, ein beachtliches Publikum aus allen Generationen fand sich ein. Und verschiedene spielfreudige Gitarristen, Schlagzeuger und auch Sängerinnen wagten sich im Wechsel auf die Bühne, um mit den gestandenen Musikern vor Publikum aufzutreten. Dieser Überraschungserfolg ermutigte die Initianten um den Wiler Trompeter Lukas Häne für 2019 gleich vier weitere Jam Sessions am 28. März, 27. Juni. 29. August, 31. Oktober (im Gare de Lion) anzukünden.

Chorklänge in den Altstadtgassen

Ein Wagnis bezüglich Wetter gehen die Veranstalter von «Vocalaltstadt» ein. Diese Wortspielerei steht für einen Auftritt von sechs Chören unterschiedlicher Stilrichtungen an verschiedenen Orten in der Wiler Altstadt. Wie die Veranstalter versichern, könne man mit einem Alternativprogramm ungünstiger Witterung begegnen. Das erstmalig durchgeführte Musikereignis findet Mitte Mai wie auch Mitte September statt. Initiiert wurde es von einem OK um den Präsidenten der Altstadtvereinigung Simon Lumpert.

Erfahrungsgemäss zieht auch ein Musikgrossereignis auf dem Hofplatz viele Gäste an. Im August startet das «Classic Open Air» unter neuem Namen, bisher hiess es «Verdiana». Gesangssolisten, das Sinfonische Orchester Wil, der Chor zu St. Nikolaus und der Männerchor Concordia führen zwischen dem 16. und dem 24. August Werke von Giacomo Puccini auf.

Die Freunde der klassischen Kammermusik kommen auch an den regelmässig stattfindenden Baronenhauskonzerten auf ihre Rechnung. Und auch die Kirchenkonzerte unter den Zyklustitel «Toccata Wil» zählen zu den Traditionen der Musikstadt Wil, wie auch die «Sommer-Serenaden» des Vereins Wil Tourismus und die Kathi-Musicals.

In diesem Jahr feiert zudem der Kammerchor Wil sein sechzigjähriges musikalisches Wirken. Dazu wird am 16. November in Wil das Jubiläumskonzert «Magnificat!» mit Solosopran und Orchester aufgeführt. Es werden unter anderem Werke von Felix Mendelsohn, Baldesare Galuppi und Arvo Pärt zu hören sein. Zuvor macht noch ein anderes Musikereignis von sich reden: Kein Sommer in Wil ohne Open Air Rock am Weier (14.–15. Juni 2019). Alljährlich lockt der umsichtig organisierte Grossanlass Musikfreunde aus sämtlichen Generationen auf die Wiese hinter dem Stadtweier.

Rock- und Blueskonzerte als Sittenzerfall

Angesichts der friedlichen Atmosphäre scheint es kaum mehr vorstellbar, dass die Anfänge des Open Airs auf Rock- und Blueskonzerte unter freiem Himmel vor 40 Jahren in der Altstadt zurückgehen, die heftige Kontroversen auslösten. In kämpferisch formulierten Leserbriefen wurde zu Bürgerwehren gegen den drohenden Sittenzerfall durch derartige Musikanlässe aufgerufen. In den Ohren der damals Protestierenden muss diese Art von Musik wie eine Art krude «Guggenmusig» geklungen haben.

Genau diese Art von Klängen lockt traditionell viel Publikum auf den Hofplatz, nämlich dann, wenn das Monster-Guggenkonzert auf dem Programm steht (2. März 2019). Alles andere als ausgelassen geht es am offenen Adventssingen auf dem Goldenen Boden zu. Heuer wird es zum fünften Mal durchgeführt (15. Dezember 2019).

Die Generationenkonflikte entzündeten sich nicht nur an den ersten Wiler Open Airs, sie fanden in jener Zeit auch Nahrung in der Forderung nach einem Zentrum für Alternativkultur. Eine Gruppe von jungen Kreativen, die sich «Kulturlöwen» nannten, hatte die ehemaligen Stallungen der Brauerei «Löwenbräu» beim Bleichplatz dazu auserkoren. Doch eine entsprechende Einigung mit der Stadt kam nicht zustande.

Videokünstler Renato Müller fand schliesslich hinter dem Silo ein Magazin einer Baufirma, das sich als Zentrum für Alternativkultur eignen würde. So entstand der Gare de Lion, der sich mittlerweile zu einem Aushängeschild der Wiler Musiklandschaft entwickelt hat, ähnlich den Stadttambouren, ohne deren regelmässige Auftritte die Äbtestadt kaum vorstellbar ist.

Mix von Grossanlässen und Nischenauftritten

Nicht nur die Balance zwischen Tradition und Innovation ist kennzeichnend für anhaltende Lebendigkeit der Wiler Musikkultur, auch der Mix zwischen Grossanlässen und Nischenauftritten trägt zum Nährboden bei. Zu nennen sind etwa die Bandauftritte im kleineren Rahmen, wie beispielsweise in den Gastlokalen Gino`s Kunstkafe sowie in der «Café Bar la Moka». Ob das alljährliche Beizenfestival Rock am Freitag fortgesetzt wird, hängt davon ab, ob sich ein neues Organisationsteam findet.

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