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Interview

«Viele Leute haben Angst vor Altersheimen»

Der Thurvita-Kommunikationsverantwortliche Mario Aldrovandi geht in Pension. Der
64-Jährige blickt auf eine emotionale Zeit zurück.
Interview: Nicola Ryser
«Es war einfach nur unglaublich schön»: Fast fünf Jahre lang kommunizierte Mario Aldrovandi für die Thurvita. Bild: PD

«Es war einfach nur unglaublich schön»: Fast fünf Jahre lang kommunizierte Mario Aldrovandi für die Thurvita. Bild: PD

Sie haben als Kommuni- kationsleiter der Thurvita lange mit Pensionierten zu tun gehabt. Jetzt sind Sie selbst pensioniert. Wie ist dieses Gefühl?

Mario Aldrovandi: Es fühlt sich sehr gut an. Zwar gehe ich schon ein Jahr früher als üblich in Pension, aber dieser Entschluss war so mit meiner Freundin abgesprochen. Auch sie hat ihre Berufslaufbahn beendet.

Sie haben 30 Jahre lang als Journalist gearbeitet, wechselten 2015 aber in die Unternehmenskommunikation der Thurvita. Warum?

Über Bekannte habe ich erfahren, dass die Thurvita einen Kommunikationsverantwortlichen suchte. Ich stellte mich vor und präsentierte meine Idee, die Kommunikation mit Hilfe des Internets und bewegter Bilder zu verstärken. Damit habe ich sie wohl überzeugt, mich zu engagieren.

War der neue Job für Sie als Journalist damals eine grosse Umstellung?

Nein. Egal ob man als Journalist oder für ein Unternehmen arbeitet, man muss immer ehrlich, transparent und fair miteinander umgehen. Man darf die andere Seite nicht für blöd verkaufen und sollte das kommunizieren, was wahr ist, und dies auf eine interessante Weise.

Nun haben Sie fast fünf Jahre lang so kommuniziert. Ihr Fazit zu dieser Zeit?

Es war einfach nur unglaublich wertvoll und unglaublich schön.

Sie dürfen das gerne weiter ausführen.

Mit «unglaublich wertvoll» meine ich, dass der Job eine enorme Vielfalt besass. Ich erhielt Einblicke in alle Abteilungen der Thurvita, also in die Pflege, Hotellerie und Reinigung, in die verschiedenen und die sehr wichtige Spitex. Jede war eine eigene Welt, in die ich eintauchen durfte. Ich konnte Videos drehen oder Fotos machen, Pressemitteilungen und Geschäftsberichte verfassen und Werbemittel gestalten. Es war ein thematisch wie auch inhaltlich dynamischer Job.

Und was war «unglaublich schön»?

Ich arbeitete eng mit Menschen zusammen, hatte täglich andere Begegnungen. Einerseits ist da die nahe und wichtige Zusammenarbeit mit dem Team aus allen Abteilungen, welche die Kommunikation gegen aussen erleichtert. Anderseits traf ich auf Menschen, die in diesen Alterszentren wohnen. Da ging mir das eine oder andere aber auch ans Herz.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Im Alterszentrum Sonnenhof gibt es eine Wand, auf der Fotos von kürzlich Verstorbenen hängen und darunter Sätze stehen wie: «Sie ist friedlich eingeschlafen.» Und dann gab es halt immer wieder Tage, da hing plötzlich ein neues Foto an der Wand von jemanden, den man erst vor kurzem noch gesehen hatte. Das geht einem nahe. Und gleichzeitig spürt man diese Nähe zum Tod. In solchen Momenten war ich denn auch mehr Mensch als Kommunikator.

Zur Person

Vor seiner Anstellung bei der Thurvita AG arbeitete Mario Aldrovandi als Journalist unter anderem für Radio 24, RTL/Pro Sieben Schweiz, das Ostschweizer Fernsehen (TVO) sowie das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF).

Gab es für sie als Mediensprecher auch schwierige Situationen?

Nein, ich hatte eigentlich grosses Glück. Es ereigneten sich keine schlimmen Fälle, die ich gegen aussen kommunizieren musste, beispielsweise dass eine Pflegefachkraft einen Bewohner plagte oder eine Salmonellenvergiftung in einem Heim ausbrach. Solche Dinge gab es bei uns nicht. Natürlich weil man vorbeugt, aber ganz gefeit ist man ja trotzdem nie. Deshalb bin ich sehr dankbar dafür, denn auf das Thema Altersheim reagieren die Menschen immer sehr sensibel.

Inwiefern?

Jeder wird älter. Und viele Leute haben Angst vor Altersheimen. Sie befürchten, dass sie, einmal dort angekommen, nicht mehr Herr oder Frau der eigenen Lage sein können. Schliesslich will jeder so lange wie möglich eigenständig und in den eigenen vier Wänden leben. Ich jedoch finde ein Leben im Altersheim nicht schlimm. Wenn man sieht, wie die vielen alten Menschen noch gut unterwegs sind, dann macht das richtig Freude. Und es ist oft auch lustig, zum Beispiel beim wöchentlichen Jasstreff am Donnerstagnachmittag. In einem Altersheim kommen Menschen mit vielen verschiedenen Lebenserfahrungen zusammen.

Ist es deshalb wichtig, dass eine Institution wie die Thurvita ihre Themen nach aussen kommuniziert?

Sehr wichtig. Da hat die Thurvita seit ihrer Gründung vor sechs Jahren zugelegt. Sie macht heute die verschiedenen Websites für die Kunden, die Mitarbeitenden, oder für «Chez Grand Maman», organisiert öffentliche Veranstaltungen wie «Thurvita im Gespräch» oder Jubiläumsveranstaltungen. Wie es nun aber mit der Kommunikation weitergeht, liegt nicht mehr in meinen Händen.

Wer wird Ihre Nachfolge antreten?

Ab dem 5. August wird Arianna Maineri Luterbacher als neue Kommunikationsverantwortliche beginnen. Sie hat in den letzten Jahren für die katholische Kirche im Kanton Zürich und Kanton Thurgau kommuniziert. Eine sehr kompetente Wahl.

Und was passiert mit Mario Aldrovandi?

Der wird in Südfrankreich und Rapperswil-Jona sein Leben geniessen.

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