«Viele Braunauer gehen in Polen einkaufen»

Einige Orte der Region Wil gibt es auch im Ausland – oder zumindest Gemeinden mit dem gleichen Namen. Kamila Slezáková arbeitet für die tschechische Stadt Broumov – zu Deutsch: Braunau. Es liegt unweit der Grenze zu Polen. Dort ist nicht nur das kulturelle Angebot gross, sondern es wird das Bier Opat gebraut.

Samuel Koch
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Kamila Slezáková Mitarbeiterin der Stadtverwaltung in Braunau (Bild: pd)

Kamila Slezáková Mitarbeiterin der Stadtverwaltung in Braunau (Bild: pd)

Frau Slezáková, kennen Sie Braunau im Thurgau?

Kamila Slezáková: Nein, nur das österreichische Braunau am Inn. Ich habe aber einen Bekannten, der das Braunau in der Schweiz und sogar eines in Chile kennt, das von tschechischen Auswanderern gegründet wurde.

Braunau liegt unweit der polnischen Grenze. Herrscht so etwas wie ein Einkaufstourismus?

Slezáková: Ja, viele kaufen in Polen ein, weil für uns die polnische Währung günstig ist und viele Leute sparen wollen. Auch die Sehenswürdigkeiten sind Ziele für Einheimische.

Welche Sehenswürdigkeiten sind in Braunau berühmt?

Slezáková: Das Dominante ist das Benediktinerkloster, welches zu den nationalen Kulturdenkmälern gehört. Es handelt sich um einen imposanten Gesamtkomplex von Gebäuden. Die Touristen besichtigen vor allem die interessanten Räume wie das Interieur der Adalbertkirche oder das Refektorium, wo eine Kopie des Turiner Leichentuchs ausgestellt wird. Weltweit gibt es das noch etwa 40mal, jedoch ist diese das mitteleuropäische Unikat. Und natürlich die Klosterbibliothek, die zu den selten erhaltenen Klosterbibliotheken in Tschechien gehört.

Wurde in Broumov während des Zweiten Weltkriegs viel zerstört?

Slezáková: Nein, aber die damalige Sowjetunion besetzte unsere Stadt zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Die meist deutschsprechenden Braunauer flohen, weil es in den Nachkriegswochen zu Plünderungen, Ermordungen und Inbesitznahmen von Häusern und Grundstücken kam. Dies hatte nicht nur einen Wechsel der Bevölkerung zur Folge, sondern auch die Etablierung der tschechischen Sprache.

Beschreiben Sie die Mentalität der Bewohner von Braunau.

Slezáková: Es gibt nichts Typisches. Unsere Stadt ist klein und die Leute hier sind mit dem Leben zufrieden. Vielleicht sollten sie neugieriger gegenüber anderen Städten sein und nicht nur in Braunau bleiben.

Was kann Ihre Stadt den Touristen bieten?

Slezáková: Alles mögliche. Touristen haben die besten Möglichkeiten, unterhalten zu werden. Ob Bowling, Schwimmbad oder Schiesshalle – Braunau bietet fast für alle etwas. In der Bierbrauerei können die Touristen das einheimische Bier Opat kosten und das Museum besuchen.

Was ist das Highlight in Braunau?

Slezáková: Jedes Jahr im September findet «Svatováclavské slavnosti» – das Fest von St. Václav statt. Das Fest dauert drei Tage. Ein grosser Markt, Ausstellungen, Konzerte und Theater locken viele Touristen an. Ausserdem wird jedes Jahr das Festival «Malé letní divadlení» und ein Kinderfest organisiert.

Wer ist die berühmteste Persönlichkeit in Braunau?

Slezáková: Aktuell ist es Uršula Kluková, eine Schauspielerin. Josef von Schroll war auch sehr wichtig, weil er 1856 die Textilfabrik Veba gründete.

Gibt es eine kulinarische Spezialität in Braunau?

Slezáková: Ja, wir haben das Bier Opat, welches hier seit 1348 gebraut wird.