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Viel Anerkennung, aber wenig Ertrag: Das ist die Geschichte eines Oberuzwiler Industriepioniers

Isaak Gröbli erfand die Schifflistickmaschine. Doch konnte er nicht ernten, was er gesät hatte.
Philipp Stutz

Die Tafel mit der Inschrift «Geburtshaus von Isaak Gröbli» an der Bahnhofstrasse 27 und sein Grab auf dem evangelischen Friedhof sind vielen Oberuzwilern bekannt. Gröbli war Erfinder der Schifflistickmaschine und wurde 1822 als Sohn eines Lehrers in Oberuzwil geboren. Aufgewachsen mit zwei Schwestern in bescheidenen Verhältnissen war es dem jungen Gröbli nicht möglich, weiterführende Schulen zu besuchen.

Mit elf Jahren setzte ihn der Vater erstmals an den Webstuhl. Später lernte er das anspruchsvolle Weben von Jacquardmustern an speziellen Webstühlen. 1867 hatte Gröbli seine Schiffli stickmaschine an der Weltausstellung in Paris vorgestellt. Ab 1880 eroberte sie den Markt.

Die technischen Verfahren effizienter gestalten

Wenn auch seine technischen Meisterleistungen schon zu Lebzeiten durch belastendes konjunkturelles Auf und Ab gemindert wurden und später die moderne Textilindustrie mit ihren Technologien seine Erfindungen und Entwicklungen immer mehr vergessen liess, darf Isaak Gröbli doch als grosser Pionier gewürdigt werden. Sein hartnäckig verfolgtes Ziel – die Steigerung der Effizienz technischer Verfahren – hat er zunächst an Webstühlen, dann vor allem an Stickereimaschinen erreicht. Als in Uzwil die erste Nähmaschine auftauchte, hatte er die Idee, die Techniken des Nähens und Stickens zu verbinden. Und hat damit die Industrialisierung erst möglich gemacht.

Isaak Gröbli entwickelte bei Benninger in Uzwil einen Prototypen, um Interessenten für sein System zu gewinnen. 1864 fand dann die Maschinenfabrik J.J.Rieter in Winterthur Interesse an der Erfindung und sicherte ihre Mitbeteiligung an der Weiterentwicklung zu. Ab 1868 kamen die ersten Maschinen zum Einsatz. Der Durchbruch gelang allerdings erst Anfang der 1870er-Jahre. 1875 wurden die ersten Maschinen ins Ausland nach Glasgow geliefert, 1876 dann nach New York. Bis 1880 konnte Rieter über 200 Schifflistickmaschinen absetzen. Sie legten den Grundstein zur vollständigen Mechanisierung der Stickerei.

Arbeitsgeschwindigkeit deutlich erhöht

Der Vorteil der mit zwei Fäden arbeitenden Schifflistickmaschine liegt darin, dass deutlich längere Fäden als beim Handstickverfahren eingesetzt werden können. Muss bei der Handstickmaschine der Faden nach jedem Stich vollständig durch den Stoff gezogen werden, ist dies bei der Schifflistickmaschine nicht mehr notwendig, was die Arbeitsgeschwindigkeit deutlich erhöht. Durch die im Schiffchen sitzenden, verhältnismässig grossen Spulen kann daneben auch länger ohne Pause gestickt werden.

Im Alter von 64 Jahren richtete Isaak Gröbli in Gossau nochmals ein eigenes Stickereigeschäft ein. Diese Branche war aber damals bereits dem Niedergang geweiht, und so fehlten ihm die Mittel, leistungsfähigere Maschinen zu kaufen. 31 Jahre lebte Gröbli in Gossau, verstarb 1917 und wurde dort auf dem Friedhof bestattet. Seit 1958 steht auf dem nach ihm benannten Platz in Gossau – heute ein Kreisel – ein Gedenkstein aus Granit.

IHK hat Gröblis Grab restauriert

Das Kaufmännische Directorium St.Gallen anerkannte die Verdienste des Verstorbenen und widmete ihm ein Grabmal mit der Inschrift «Der Staub dem Staube. Die Seele dem Herrn! Isaak Gröbli, 1822–1917. Dem Andenken des Erfinders der Schifflistickmaschine in Dankbarkeit gewidmet vom Kaufmännischen Directorium St.Gallen». Das Grab wurde nach Aufhebung auf den evangelischen Friedhof in Oberuzwil disloziert und vor acht Jahren durch die Handelskammer St.Gallen-Appenzell (IHK) auf Initiative von dessen ehemaligem Direktor Kurt Weigelt restauriert.

Ein Platz ist nach seinem Namen benannt

Die Gemeinde Uzwil würdigte die Stickereindustrie ebenfalls. Und hat ihren Platz vor dem neuen Gemeindehaus als Stickereiplatz bezeichnet. Ab 1882 produzierte dort eine Schifflistickerei Illusionen aus Fäden. Stickereien waren en vogue. Um 1910 war die Stickereiproduktion mit 18 Prozent der grösste Betriebszweig der Schweizer Wirtschaft. Mehr als 50 Prozent der Weltproduktion kam aus der Ostschweiz. Isaak Gröbli wirkte in Uzwil einige Zeit als Betriebsleiter. Dieser Standort zeige exemplarisch Uzwils Entwicklung von der Bauerngemeinde zum Industriestandort. Und verkörpere Aufstieg und Niedergang der Stickereiindustrie, hält der Uzwiler Gemeinderat fest.

Obschon Gröbli im In- und Ausland viel Anerkennung erhalten hat, musste er in seinem langen Leben manche Enttäuschungen verwinden. Wie viele Erfinder hat Gröbli nicht ernten können, was er gesät hatte. Die Patente und Gewinnrechte hatten sich seine Financiers gesichert. Doch nahm Gröbli als interessierter Mitbürger bis ins hohe Alter Anteil am politischen und kulturellen Leben und durfte schliesslich im Kreise seiner Angehörigen auf ein erfülltes Leben zurückblicken.

Quelle

«Isaak Gröbli – der berühmteste Oberuzwiler». «Drei Dörfer – eine Gemeinde, 1803 bis 2003», herausgegeben von der Politischen Gemeinde Oberuzwil. Autor: Karl Beisbardt.

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