Videotelefonie einfach gemacht: Toggenburger Coronainnovation erleichtert Alterszentren die Reservation von Besucherräumen und Tablets 

Corona macht erfinderisch: Der Toggenburger Marius Brändle entwickelte eine Reservationsplattform für Heime mit einem ehemaligen Studienkollegen. Erste Kunden und Interessenten sind bereits gefunden. 

Dinah Hauser
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Die Besuchseinschränkungen in Coronazeiten fordern viele Seniorenzentren heraus. Abhilfe soll eine Reservationsplattform schaffen, die den administrativen Aufwand verringert. Das Bild zeigt Solino-Leiter Markus Brändle beim Erklären der Videotelefonie.

Die Besuchseinschränkungen in Coronazeiten fordern viele Seniorenzentren heraus. Abhilfe soll eine Reservationsplattform schaffen, die den administrativen Aufwand verringert. Das Bild zeigt Solino-Leiter Markus Brändle beim Erklären der Videotelefonie.

Bild:PD

Lelio – der Gesprächige. Der griechische Name ist Programm. Marius Brändle hat mit seinem Ex-Kommilitonen Adrian Bawidamann eine Plattform erstellt, welche Seniorenzentren ermöglicht, Reservationen für Besuche und Videotelefonate automatisch zu verarbeiten. Damit soll der administrative Aufwand der Seniorenzentren verringert werden.

Der studierte Wirtschaftsinformatiker wurde zu Beginn des Corona-Lockdowns von seinem Vater Markus Brändle um Unterstützung gebeten. Dieser hat als Leiter des Seniorenzentrums Solino in Bütschwil nach einer Lösung gesucht, wie sich Angehörige und Senioren trotz Hygienemassnahmen treffen konnten. «Anfangs ging es vor allem um das Einrichten der Geräte zur Videotelefonie», sagt Sohn Marius Brändle. Dafür nutzte er seine Freizeit.

Einer für den Code, einer für die Bedürfnisse

Dem 28-Jährigen war der erste funktionierende Lösungsansatz jedoch zu komplex:

«Es war zu viel Aufwand für alle Beteiligten.»
Marius Brändle, Entwickler von «Lelio»

Marius Brändle, Entwickler von «Lelio»

Bild: PD

Auch weil die Nachfrage so gross war, dass die Geräte im Dauereinsatz standen. Das Personal nahm Reservationen entgegen und stellte sicher, dass die Tablets zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren. Ende März, nach der zweiten Woche im Lockdown, kontaktierte Marius Brändle deshalb seinen ehemaligen Studienkollegen Adrian Bawidaman. «Ich wusste, dass er interessiert ist an solchen Projekten. Zudem hat er viel Erfahrung, was das Programmieren anbelangt.» Dass der 24-Jährige seine eigene Informatikfirma AB-IT GmbH leitet, half zusätzlich. Während Brändle den Kontakt zu Seniorenzentren suchte und deren Bedürfnisse eruierte, gestaltete Bawidamann eine Website und kümmerte sich um den Programmcode.

So ist eine Plattform entstanden, mit der die Besucher über eine Website ihre Terminreservation vornehmen können. Für das Ausfüllen des Onlineformulars ist zwar ein wenig technisches Verständnis erforderlich, es besteht aber weiterhin die Möglichkeit das Seniorenzentrum direkt anzurufen, etwa für Personen, die über keinen Internetanschluss verfügen.

Adrian Bawidamann, Entwickler von «Lelio»

Adrian Bawidamann, Entwickler von «Lelio»

Bild: PD

Dass das Programm trotzdem eine grosse Zeitersparnis bietet, erklärt Brändle am Beispiel des Solino: «Bei zirka 15 telefonischen Reservationen pro Tag bedeutet dies einen administrativen Aufwand von ein bis zwei Stunden.» Mit der Plattform Lelio hingegen definiert die Institution einmalig Besuchszeiten, die dann gebucht werden können. Diese werden wiederum automatisch in die Reservationsübersicht übertragen. Zudem sei es nun möglich, mit nur zwei Klicks die Videotelefonie zum gebuchten Zeitpunkt zu starten.

Mehr Reservationen für Räume statt Geräte

Seit dem 11.Mai gibt es im Solino in Bütschwil Möglichkeiten des direkten Kontakts im Besucherraum oder im Wintergarten unter Einhaltung der Hygieneregeln. Auch diese Reservationen laufen über «Lelio». Marius Brändle stellt fest:

«Die Angehörigen schätzen den direkten Kontakt mehr. Innert kurzer Zeit waren die Besuchszeiten für knapp zwei Wochen ausgebucht.»

So würden derzeit mehr Räume statt Geräte für Videotelefonie reserviert.

Die jungen Entwickler testen die Videotelefonie. Mit ihrer Reservationsplattform lässt sich ein Telefonat mit zwei Klicks starten.

Die jungen Entwickler testen die Videotelefonie. Mit ihrer Reservationsplattform lässt sich ein Telefonat mit zwei Klicks starten.

Bild: PD

Was aus dem Projekt nach Corona wird? Obwohl Marius Brändle und Adrian Bawidamann in ihren Berufen verankert sind, soll «Lelio»weiter bestehen bleiben. «Immerhin haben wir knapp 300 Stunden mit einigen Nachtschichten investiert.» Marius Brändle betont, dass es nie in erster Linie darum ging, Profit aus der Idee zu schlagen. Ihr Programm bieten sie derzeit anderen Institutionen in der Deutschschweiz an. Um allerdings weitere Ideen und Anpassungen zu implementieren, braucht es finanzielle Mittel, weshalb das Angebot auch ein Preisschild hat. «Neue Kunden konnten wir bereits gewinnen und weitere Interessenten haben sich gemeldet», sagt Marius Brändle.