Vetter kauft vorbelastetes Land

Das Bauunternehmen aus Lommis erwirbt an der Konstanzerstrasse das Grundstück, das mit massiven Blöcken aus Sichtbeton hätte überbaut werden sollen. Anwohner verhinderten das Bauprojekt. Die Ed. Vetter AG wird auf sie zugehen.

Philipp Haag
Drucken
Teilen
Die Ed. Vetter AG erwirbt über die Filzfabrik Immobilien AG die unterhalb der Häuserzeile liegenden 4500 Quadratmeter Bauland. (Bild: Philipp Haag)

Die Ed. Vetter AG erwirbt über die Filzfabrik Immobilien AG die unterhalb der Häuserzeile liegenden 4500 Quadratmeter Bauland. (Bild: Philipp Haag)

WIL. In satt blühendem Grün zeigt sich die Wiese hinter der Konstanzerstrasse in Wil. Dass die Grasfläche vorläufig grün bleibt, dafür sorgten zwei Anwohnerparteien, als sie sich beharrlich gegen eine Überbauung mit massiven Sichtbeton-Blöcken wehrten. Das Land trägt eine Geschichte, ist durch einen jahrelangen Rechtsstreit vorbelastet. Nun hat die Baufirma Ed. Vetter AG aus Lommis über die Filzfabrik Immobilien AG in Wil die 4500 Quadratmeter Bauland erworben. Das Grundstück liegt an zentraler Lage nahe der Altstadt und erstreckt sich zur Oberen Weierwise hin.

«Ich bin überzeugt, dass an diesem Standort ein passendes Projekt realisiert werden kann», sagt Urs Vetter, in der Geschäftsleitung des Unternehmens für den Bereich Immobilien zuständig. Er weiss vom Ortsbildschutz, welcher letztlich das geplante Bauprojekt blockierte. Auch kennt Vetter die Vorgeschichte mit den Einsprachen. Er ist sich der heiklen Ausgangslage bewusst. Zum ehemaligen Bauvorhaben und den Vorgängen möchte Vetter sich nicht näher äussern. Die gleichen Fehler, wenn überhaupt von solchen gesprochen werden kann, möchte er aber nicht machen. «Wir werden von Anfang an auf die Stadt und die Anwohner zugehen», sagt er. Ebenfalls werde er wegen des geschützten Ortsbildes bereits zu Beginn der Planung das Gespräch mit der kantonalen Denkmalpflege suchen.

Im Kontakt mit den Anwohnern

Wie die Bauten aussehen werden, dazu hat Vetter noch keine Vorstellung. Ihm schwebt ein Projekt vor, das weniger klobig und durchlässiger daherkommt als dasjenige, welches vorgesehen war. Als erstes erarbeitet das Unternehmen nun einen Gestaltungsplan. Gegen den Gestaltungsplan gibt es die Möglichkeit von Rechtsmittel. Die Anwohner können Einsprache erheben. Um Einsprachen zu verhindern, soll der Gestaltungsplan im Kontakt mit den Anstössern erarbeitet werden. Vetter ist der Auffassung, gemeinsam mit den Nachbarn des Grundstücks eine gute Lösung finden zu können. «Wir machen nun Schritt um Schritt», sagt er. Bis gebaut wird, dauert es noch eine Weile. Der Bauunternehmer rechnet mit mindestens fünf Jahren, bis die Gebäude erstellt werden.

Einstehen für Gleichbehandlung

Dass sich ihr Widerstand nicht grundsätzlich gegen das Bebauen des Landes richtet, haben die Einsprecher beim verhinderten Projekt stets betont. Ihnen geht es darum, wie die Bauten ausgestaltet sind. Sie stehen für Gleichbehandlung ein. Sie erwarten, dass die Anforderungen, welche der Ortsbildschutz an Bauten richtet, eingehalten werden müssen, wie dies von den anderen Liegenschaftenbesitzern im betreffenden Abschnitt der Strasse ebenfalls verlangt wurde. Weil das geschützte Ortsbild, respektive die Vorschriften, ihrer Ansicht nach bei den vier Sichtbeton-Wohnblöcken in frappanter Weise verletzt wurde, reichten das Ehepaar Tobler und Manuela Schönenberger Einsprache gegen den vom Stadtrat genehmigten Gestaltungsplan «Obere Weierwise» ein. Die Stadtregierung wies die Einsprachen ab, worauf die beiden Parteien den Entscheid ans kantonale Baudepartement weiterzogen. Der Kanton wies das Geschäft wegen formaler Mängel an die Stadt zurück, welche, gestützt auf zwei Gutachten, ihren Entscheid revidierte, die Einsprachen guthiess und den Gestaltungsplan abwies.

Teure Beharrlichkeit

Die beiden Gutachten waren zum Schluss gekommen, die geplanten Bauten passen sich nur ungenügend in die Ortsbildschutzzone ein. Die Einsprecher verhinderten mit ihrer Beharrlichkeit zwar einen unpassenden Bau, blieben aber auf einer Rechnung von 60 000 Franken sitzen.