Thurgauer Veterinäramt ermittelt gegen Biogasanlage Bima: Der VR-Präsident weiss von nichts

Dem Hinterthurgauer Unternehmen Bima Energie AG droht Ungemach. Seit einiger Zeit ermittelt das Thurgauer Veterinäramt gegen die Biogasproduzentin. Über den Gründen liegt ein Mantel des Schweigens.

Hans Suter
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Biogas aus Münchwilen: In den ehemaligen Räumen der gescheiterten Biorender AG produziert inzwischen die Bima Energie AG. (Bild: Hans Suter)

Biogas aus Münchwilen: In den ehemaligen Räumen der gescheiterten Biorender AG produziert inzwischen die Bima Energie AG. (Bild: Hans Suter)

«Ich weiss nichts von einem Verfahren», sagt Marcel Kraus. Das erstaunt. Der erfolgreiche Zürcher Metzgereiunternehmer ist schliesslich Verwaltungsratspräsident der Bima Energie AG. Als Chef der strategischen Ebene des Unternehmens müsste er eigentlich von der Unternehmensleitung über die relevanten Vorgänge auf der operativen Ebene in Kenntnis gesetzt werden. Diese absurd anmutende Situation scheint nur zwei Schlüsse zuzulassen: Entweder versucht Marcel Kraus, die Dinge kleinzureden – oder er weiss tatsächlich nicht, was im Betrieb abläuft.

Wie dem auch sei, das kantonale Veterinäramt bestätigt die Ermittlungen. Nähere Auskünfte erteilt es indes nicht, da es sich um ein laufendes Verfahren handelt. Nur so viel:

«Es wird noch länger dauern.»

Hört man sich im Umfeld der Bima Energie AG um, wird es etwas gesprächiger. Allerdings will niemand seinen Namen in der Zeitung lesen. Demnach soll bei der Bima ohne Bewilligung sogenanntes K1-Material verwendet worden sein. Stimmt das, würde dies die Ermittlungen des Veterinäramtes erklären. Und möglicherweise auch den Umstand, dass die Produktionsanlage im vergangenen Jahr während dreier Monate stillgestanden hatte.

Sicherheit von Tier und Mensch im Vordergrund

Das Geschäftsmodell der Bima Energie AG basiert auf dem Fermentieren sogenannter tierischen Nebenprodukte (TNP), um daraus Biogas zu gewinnen und zu vermarkten. Unter TNP subsumiert der Gesetzgeber Tierkörper und alle von Tieren stammenden Erzeugnisse, die nicht zum menschlichen Verzehr geeignet sind oder nicht als Lebensmittel verwendet werden (dürfen). Ihre wertvollen Inhaltsstoffe können aber verwertet werden.

Bei der Entsorgung und Wiederverwertung von TNP wird der Sicherheit von Tier und Mensch grösste Bedeutung beigemessen – dies insbesondere seit dem Auftreten von BSE, dem sogenannten Rinderwahnsinn. Deshalb werden die TNP in die drei Risikokategorien K1 bis K3 eingeteilt. K1-Material (Kopf, Hirn, Rückenmark)ist hinsichtlich der BSE-Problematik von Bedeutung und darf nur zu Brennstoffen verarbeitet und unter Nutzung der dabei frei werdenden Energie verbrannt werden: K1-Mehle gelangen in die Zementöfen, aus K1-Fetten wird Biodiesel gewonnen. K2- und K3-Material kann zu Biogas verarbeitet werden. Laut einem Insider bezieht die Bima Energie AG ihre TNP vor allem von kleinen Metzgereien. Dort erfolge die Trennung nicht so genau wie bei grossen Betrieben.

Drei illegal importierte Welpen eingeschläfert

Das St. Galler Veterinäramt hat drei illegal importierte Hundewelpen wegen Tollwut-Gefahr eingeschläfert. Der Händler soll zahlreiche weitere Welpen aus Serbien in die Schweiz geschmuggelt haben.