Verwunderung, aber auch Akzeptanz

Selbstversuch mit der Hanfzigarette

Yves Weibel
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Für die einen ist sie ein Genuss, für andere ein Ärgernis: die neue CBD-Zigarette. (Bild: Ursula Ammann)

Für die einen ist sie ein Genuss, für andere ein Ärgernis: die neue CBD-Zigarette. (Bild: Ursula Ammann)

Seit kurzem können die sogenannten CBD-Zigaretten gekauft werden. Der Boom um das legale Hanferzeugnis ist riesig. In Wil gibt es frühestens ab dem 24. Juli wieder welche zu kaufen. «Schweizweit ist das Produkt ausverkauft», teilt eine Coop-Mitarbeiterin mit. «Es ist unglaublich, wie schnell die Zigaretten vergriffen waren.» Die Wiler Zeitung wollte wissen, wie die Leute in der Stadt auf die Zigaretten reagieren. Ein Selbstversuch.

«Hanfzigarette oder kifft hier wer?»

Die erste Zigarette wird am Wiler Bahnhof angezündet. Schon nach kurzer Zeit drehen sich die ersten Passanten um. Verdutzte Blicke werden geerntet. Generell ist das Interesse aber eher gering. Das bedeutet aber nicht, dass der ungewöhnliche Geruch, der verbreitet wird, keine Reaktionen auslösen würde. Nach den ersten Zügen nähert sich ein junger Herr, der freundlich fragt, ob er ein wenig Gras abkaufen könne. Verwundert über die Antwort, dass dies CBD-Zigaretten seien, wünscht er einen schönen Tag und geht seines Weges.

Weiter geht die Reise in ein Café. Als die Frage gestellt wird, ob es in Ordnung sei, auf der Terrasse die Glimmstängel zu konsumieren, fragt die Angestellte überrascht nach, was genau das Anliegen sei. Nach der Erklärung ist die Verwunderung noch kein bisschen kleiner geworden. Es folgt die Bitte, den Versuch in anderen Restaurants weiterzuführen. «Ist das Ganze ein Aprilscherz?», fragt die Angestellte bei der Verabschiedung. Wie üblich im Gastgewerbe sind alle trotz Verwunderung zu jedem Zeitpunkt des Gesprächs ausserordentlich freundlich.

Ab geht es in die nächste Kneipe. Wieder ist zu fragen, ob das Rauchen einer Hanfzigarette ein Problem darstelle. Und wieder herrscht Ungläubigkeit. Es wird aber erlaubt. Interessiert fragen die Sitznachbarn: «Sind das diese Hanfzigaretten oder kifft hier wer?» Natürlich wird zu verstehen gegeben, dass alles in legalem Rahmen passiert. Einige Gäste rümpfen die Nase, sagen jedoch nichts. Eine jüngere Frau meint: «Ich als Nichtraucherin mag den Geschmack von Hanf persönlich mehr als jenen des Tabaks.» In weiteren Cafés ist das Rauchen ebenfalls erlaubt. Vielfach herrscht aber auch Ratlosigkeit, da es keine klare Regelung gibt.

Trotzdem droht der Verlust des Führerscheins

Der Konsum der neuen CBD-Produkte ist kaum geregelt. So appelliert auch Gian Andrea Rezzoli, Mediensprecher der Kantonspolizei St. Gallen, an die Rücksichtnahme der Konsumenten. Des Weiteren muss, wer CBD konsumiert, vermehrt mit Kontrollen rechnen. Rezzoli sagt: «Da das legale vom illegalen Marihuana weder vom Visuellen noch vom Geruch unterscheidbar ist, muss damit gerechnet werden, dass man als Konsument kontrolliert wird.» Die Kapo Thurgau erklärt es in einer schriftlichen Stellungnahme wie folgt: «Der Hanf sieht gleich aus, riecht gleich und beim Verrauchen ist der Geschmack auch gleich. Die Kantonspolizei Thurgau führt deswegen aber nicht mehr Kontrollen durch.» Die beiden Polizeistellen raten ferner davon ab, nach dem Konsum ein Fahrzeug zu lenken. Der Führerausweis kann entzogen werden. Dies deshalb, weil das Produkt stark beruhigend und einschläfernd wirkt und so die Fahrfähigkeit beeinträchtigen kann. Ebenfalls sollten die Produkte nicht ins Ausland mitgeführt werden.

Yves Weibel

yves.weibel@wilerzeitung.ch