Verwirrung um teuren Lift im Wiler Rathaus

Fast eine Million Franken für einen neuen Lift im Rathaus? Dieser Preis gibt zu reden.

Gianni Amstutz
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Der alte Lift hat ausgedient. Er soll durch einen behindertengerechten ersetzt werden.

Der alte Lift hat ausgedient. Er soll durch einen behindertengerechten ersetzt werden.

Bild: Gianni Amstutz

Im Wiler Rathaus soll ein neuer Lift gebaut werden. Das teilte die Stadt kürzlich mit. Ein Auftrag zur Ausarbeitung des Projekts sei an die Firma Finger Architekten Sia, St.Gallen, für pauschal 81637 Franken vergeben worden. Bei Arthur Marthy löste diese Summe Stirnrunzeln aus. Das Honorar mache schliesslich nur rund zehn Prozent der Gesamtsumme aus. Ein Lift für 800'000 Franken? Das schien ihm nicht plausibel. In einem Leserbrief fordert er den Stadtrat deshalb auf, Transparenz herzustellen .

Tatsächlich rechnet die Stadt sogar mit Gesamtkosten von rund 900'000 Franken, wie Renato Tamburlini, Leiter Hochbau, auf Anfrage bestätigt. Es gehe dabei aber nicht nur um einen neuen Lift, sondern um «eine barrierefreie Zugänglichkeit aller Geschosse im Rathaus an der Marktgasse 58 bis 62».

In vereinfachender Weise habe sich dafür die Bezeichnung «Ersatz Personenlift» für die umfassende Aufgabenstellung eingebürgert, sagt Tamburlini. «Das wird dem Umfang und Anspruch der Projektentwicklung nicht gerecht.»

Filigranarbeit erforderlich

Renato Tamburlini erklärt, wieso es sich beim Einbau des rollstuhlgerechten Lifts und der Überwindung der Niveaudifferenz im Erdgeschoss um keinen Standardauftrag handelt – und die Kosten entsprechend höher ausfallen.

«Der Eingriff in die historische Bausubstanz wird eine Filigranarbeit unter laufendem Betrieb.»

Der Aufzug gelange zudem an einen neuen Standort an der Schnittstelle der beiden Gebäude Marktgasse 58 und 60 und werde den bestehenden kleinen Aufzug ersetzen. Dessen Ersatz erfordere zusätzlich eine Anpassung des Treppenhauses im Haus Marktgasse 58. Die fachliche Eignung für den Umgang mit einer historischen Substanz wurde mit der kantonalen Denkmalpflege abgesprochen.

Parlament hat das letzte Wort

Die Erarbeitung des Projekts geht auf einen Antrag der SP in der Budgetdebatte 2018 zurück. Dieser wurde damals von der Mehrheit des Parlaments unterstützt. Das Parlament wird nun das letzte Wort haben. Sobald das Projekt fertig erarbeitet ist, wird ihm ein Kreditantrag vorgelegt. Gemäss Renato Tamburlini soll dies im zweiten Semester dieses Jahres geschehen.