Vertiefter Blick in die Kirche

Die Frauengemeinschaft Niederuzwil-Uzwil hat zur Besichtigung der Christkönigskirche eingeladen. Hanna Seiler und Radislav Piljic führten die Frauen durch die Kirche und wiesen auf Besonderheiten des Bauwerks hin.

Kathrin Meier-Gross
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NIEDERUZWIL. Dass es sich lohnt, einmal einen genaueren Blick auf die Architektur, die schönen Fenster oder die Glocken der katholischen Kirche zu werfen, erlebten auch die Frauen, die sich von der Henauer Pfarreileiterin Hanna Seiler das Gotteshaus zeigen liessen.

Eintritt in die Empfindungswelt

Der Rundgang begann beim Christophorus-Brunnen, der anno dazumal von Uzwiler Automobilisten gestiftet worden war. Es werde erzählt, dass der ehemalige Pfarrer Georg Schmucki frühmorgens oft ein Bad im Brunnen genommen habe, verriet Hanna Seiler schmunzelnd. Während sie die Frauen vor den Haupteingang führte, machte sie auf die dunklen Schwellen aufmerksam. Die quadratisch angeordneten Steine sollen die Himmelsrichtungen andeuten, aus denen die Menschen kommen. Wer den Vorraum der Kirche durchschreitet, tritt in eine andere Welt ein. Ruhe und warmes Licht in allen Farbtönen umfingen an diesem sonnigen Dienstagnachmittag die Besucherinnen. «Der Kirchenraum ist die Brücke von der alltäglichen Welt in die Empfindungswelt», hielt Hanna Seiler fest.

Moderne Gestaltung

Der dreischiffige Aufbau der Christkönigskirche entspricht der traditionellen Art frühchristlicher Basiliken. Auf dem langgezogenen Weg zum Altar wird mit Jurasteinen die seelische Verfassung vom Chaos bis zur Harmonie dargestellt. Wer den Blick vom Boden nach vorne richtet, wird vom farbenfrohen Altarbild gefangen genommen. Die moderne Gestaltung habe anfänglich Skepsis hervorgerufen. Einige Kirchbürger hätten die Christusfigur, die früher zu sehen war, vermisst, erwähnte Hanna Seiler. Für das Christkönigsfest Ende November würden die von Karl Fürer gemalten Farbtafeln heruntergezogen und dann komme das alte Bild zum Vorschein. Die Regenbogenfarben, die wunderbar mit den farbigen Fensterbildern harmonieren, seien als Zeichen für den Bund zwischen Gott und den Menschen zu verstehen und als Verbundenheit zwischen Natur und Mensch. Gemäss Hanna Seiler wurde der Farbgebung in der Kirche besondere Bedeutung beigemessen. Das moderne Marienbild im Seitenaltar sei anfänglich auch nicht überall auf Wohlwollen gestossen. Es zeige die Urmutter als die Trägerin des Lebens, die den ganzen Kosmos umfasse.

Die fünf Glocken

Die Kirchenführerin erlaubte den Besucherinnen einen Blick in den Tabernakel, öffnete den Schrank mit den priesterlichen Gewändern, stellte die Heiligenfiguren vor und zeigte ihnen die Turmkapelle, wo Meditationen, Andachten und Abdankungen im kleinen Kreis stattfinden. Beeindruckend war auch die Orgel mit ihren 2878 Holz- und Metallpfeifen. Das Instrument hat 3 Manuale und 41 Register. Für die Besichtigung des Turms übergab Hanna Seiler die kleine Gesellschaft an Messmer Radislav Piljic. Dieser ermöglichte es den Damen, einen furchterregenden Blick vom Dachboden in die Kirche hinunter zu werfen. Aus der Henauer Kirche in den Turm verbannt worden ist eine Marienfigur, die nach früherem Empfinden als zu körperbetont, sprich erotisch, dargestellt sei. Oben im Turm liess der Glockenschlag die Damen zusammenzucken. Die fünf Glocken wiegen zwischen 900 und 5000 Kilogramm. Älteren Uzwilern dürfte der Glockenaufzug vom 12. Mai 1934 unvergesslich in Erinnerung geblieben sein.

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