Versteigerung mit Überraschung: Biorender geht an Hunziker

MÜNCHWILEN. Mit Spannung wurde die Versteigerung der konkursiten Hinterthurgauer Biogasproduzentin Biorender AG erwartet. Das Versteigerungslokal im Konkursamt Frauenfeld füllte sich gestern nachmittag bis auf den letzten Platz. Es mussten sogar Stühle nachgereicht werden.

Hans Suter
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Nach den ersten 90 000 Franken werden die 110 Tausendernoten des zweiten Geldumschlags ausgezählt. Resultat: Genau 200 000 Franken wie vom Konkursamt als Anzahlung gefordert. Hunziker erhält den Zuschlag. (Bilder: Hans Suter)

Nach den ersten 90 000 Franken werden die 110 Tausendernoten des zweiten Geldumschlags ausgezählt. Resultat: Genau 200 000 Franken wie vom Konkursamt als Anzahlung gefordert. Hunziker erhält den Zuschlag. (Bilder: Hans Suter)

MÜNCHWILEN. Mit Spannung wurde die Versteigerung der konkursiten Hinterthurgauer Biogasproduzentin Biorender AG erwartet. Das Versteigerungslokal im Konkursamt Frauenfeld füllte sich gestern nachmittag bis auf den letzten Platz. Es mussten sogar Stühle nachgereicht werden. Im Publikum sassen einige bekannte Gesichter. Darunter der Herisauer Unternehmer Jakob Bösch, der die Anlage gegenwärtig in Miete betreibt, die ehemaligen Biorender-Verwaltungsräte Andreas Widmer und Jacques Hunziker, aber auch der Geschäftsführer der TMF Extraktionswerk AG in Bazenheid, Harald Lüling, und Daniel Meili, Nachfolger von Andreas Widmer im Wiler Stadtrat.

Auf 4 Mio. Franken geschätzt

Die konkursamtliche Schätzung der Gebäude und Anlagen mit Zugehör sowie 6472 Quadratmeter Land beläuft sich auf 4 Mio. Franken. Darauf lasten indes alleine Bankschulden in der Höhe von 19 Mio. Franken. Und es gibt nur eine Einnahme: 1000 Franken Monatsmiete von der Jakob Bösch AG in Herisau, welche die Anlagen mit einem befristeten Vertrag bis Ende September diesen Jahres betreiben darf. So wurden dem auf Lebensmittel-Recycling spezialisierten Unternehmen die grössten Chancen eingeräumt, an der Versteigerung den Zuschlag zu erhalten. Doch es kam anders.

Überraschender Ausgang

Die Jakob Bösch AG gab ein erstes Gebot von 1,5 Mio. Franken ab. Darauf herrschte Ruhe im Saal. Jacques Hunziker, dessen Familie in den heutigen Biorender-Gebäuden bis zur BSE-Krise Fleisch- und Lebensmittelabfälle zu Suppe für die Schweinefütterung verarbeitete, wurde unruhig. Sein Kopf schweifte kurz nach links zu Andreas Widmer, dann hob er die Hand und sagte: «1,6 Millionen.» Ein Raunen ging durch den Saal. Sogleich von Bösch 1,7 Mio. Franken, Hunziker erhöhte auf 2,0 Mio. So ging es weiter, bis die konkursamtliche Schätzung von 4 Mio. Franken erreicht war. Bösch bot 4,1, Hunziker 4,5 Mio. Franken. Bösch erhöhte auf 4,6 Mio. Franken, dann kam es zur Entscheidung: Jacques Hunziker nannte im 16. Gebot 5 Mio. Franken. Dann wurde es still im Saal. Konkursverwalter Jürg Wacker blickte ungläubig in den Saal, doch folgte kein Gebot mehr. «5 Millionen Franken zum ersten, zum zweiten – und zum dritten.» Jacques Hunziker erhielt zur Überraschung vieler den Zuschlag. Damit dieser jedoch gültig ist, musste er sogleich eine Anzahlung von 200 000 Franken in bar, mittels Bankcheck oder Bankzahlung leisten.

Zwei Couverts voller Geld

Jacques Hunziker begab sich an den Tisch des Konkursverwalters, es wurden Formalitäten an die Hand genommen und einige Worte gewechselt. Dann ging Hunziker zurück an seinen Platz. War die Versteigerung geplatzt? Nein, er ging zu Andreas Widmer, der ihm einen Briefumschlag mit Geld überreichte – 90 000 Franken ergab die Auszählung. Dann holte er ein zweites Couvert bei Widmer mit weiteren 110 000 Franken. Der Zuschlag ist gültig, vorausgesetzt, Hunziker bezahlt die restlichen 4,8 Mio. Franken bis zum 8. April.

Zukunft ungewiss

Hunziker liess gestern vieles offen über die Zukunft der Biogasanlage, die Geldgeber, Gasabnehmer und eine mögliche Zusammenarbeit mit Bösch.

Andreas Widmer (sitzend) gibt Hunziker den Geldumschlag.

Andreas Widmer (sitzend) gibt Hunziker den Geldumschlag.