Verschwindet das «Wiler Gold»?

Der Grundeigentümer des Rebberges in Bronschhofen demonstriert, dass es ihm ernst ist mit seiner Drohung, Rebstöcke zu entfernen. Die Rebbergfreunde werfen dem Gemeinderat vor, er unternehme nichts zur Rettung der Reben.

Albert Büchi
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bronschhofen. Die vom Gemeinderat beabsichtigte Teileinzonung des heutigen Rebberges lasse in Bronschhofen keine Ruhe einkehren, schreiben die Rebbergfreunde in einer Mitteilung: «Demnächst stehen verschiedene Einspracheverhandlungen an. Es ist fraglich, ob der Gemeinderat die Einsprecher zum Rückzug ihrer Rechtsmittel motivieren kann.» Sie befürchteten die Einstellung der Kelterung des beliebten Apéro-Weines «Wiler Gold».

Neue Nahrung fanden die Unstimmigkeiten im Vorgehen des Grundeigentümers, der am Dienstag das Entfernen eines Teils der Rebstöcke anordnete. Damit wolle er wohl demonstrieren, dass er seinen früher geäusserten Drohungen Taten folgen lasse, vermuten die Rebbergfreunde um Jürg Grämiger. Der Eigentümer bestätigt auf Anfrage der Wiler Zeitung, er habe drei kurze Reihen Rebstöcke entfernen lassen, was er den Ortsbürgern vorgängig angekündigt habe. «Grundsätzlich kann ich auf meinem Grundstück machen, was ich will», erklärt er.

Alles mit rechten Dingen

Weiter führt er aus, er habe bei der Gemeinde ein Begehren gestellt um Einzonung von etwa 1300 Quadratmetern zwecks Bau eines Hauses. Dabei habe er kein Recht gebrochen. Zudem habe er den Ortsbürgern Wil, welche den Rebberg bewirtschaften, 6000 Quadratmeter Land weiter oben zum Landwirtschaftspreis verkauft. Der durch die Umzonung entstehende Bestockungswegfall werde somit um das Fünffache kompensiert.

Das Gelände sei vom Kanton als für den Rebbau geeignet befunden worden: «Es ist alles schriftlich geregelt, abgesprochen und rechtens.»

Gemeinderatsschreiber Patrik Seiler hält fest, die Gemeinde Bronschhofen wolle den Rebberg erhalten. Es treffe zu, dass die Ortsbürger in höherer Lage des fraglichen Grundstückes Land übernommen hätten, das für den Anbau von Wein genutzt werden könne.

Ortsgemeinde ist zufrieden

«Wir können niemanden zwingen, Reben zu pflanzen. Mit dem Eigentümer haben wir einen Kompromiss gefunden. Das Anliegen der Rebbergfreunde ist nachvollziehbar. Aber die neue Lage ist ja grösser. Den einzigen Vorwurf, den man machen kann, ist dass nicht mehr alle Reben am bisherigen Ort wachsen», sagt Seiler. Der Mitteilung der Ortsgemeinde Wil (Wiler Zeitung vom 17. Mai) ist zu entnehmen, dass diese mit dem Erwerb der neuen Rebbaufläche scheinbar zufrieden ist.

Ältestes Kulturgut

Während in Wil ein vollständiger Schutz des Rebberges vorgesehen sei, behaupte die Gemeinde Bronschhofen, ein Erhalt der Reben im Gebiet Burgstall sei einzig mittels einer Teileinzonung von zwei Grundstücken in die Bauzone W2 möglich, wirft Jürg Grämiger dem Gemeinderat vor. Entgegen den Voten und Abstimmungen im Ortsplanungsforum, welches mit dem Ziel einer breiten Abstützung in der Bevölkerung ins Leben gerufen worden sei, kapituliere ein mutloser Gemeinderat vor dem Grundeigentümer, schreiben die Rebbergfreunde.

Der Bronschhofer Rebberg umfasse heute gut 35 Aren Blauburgundertrauben und knapp 20 Aren Regenttrauben. Der ortsbürgerliche Rebberg in Wil weise 85 Aren mit rund 4000 Rebstöcken auf. «Zusammen wachsen auf 140 Aren Reben. Einer der produzierten Weine heisst <Wiler Gold>, ein Blanc de Pinot Noir», schildern die Rebbergfreunde. Sie glauben, dass die vorgesehene Einzonung eines der ältesten Kulturgüter der Gemeinde Bronschhofen gefährde.

«Die Produktion des beliebten Apéro-Weines <Wiler Gold> müsste weichen. Der Rebberg, auch wenn er theoretisch erweitert werden könnte, würde neu hinter der Überbauung <verschwinden>», wird befürchtet. Dem widerspricht Daniel Ehrat mit dem Hinweis, dass die Anbaufläche durch den erwähnten Verkauf an die Ortsgemeinde Wil ja vergrössert werde und sich über dem geplanten Haus befinde.

Schutz für das «Wiler Gold»

Die Gruppe um Jürg Grämiger fordert, dass der Gemeinderat Bronschhofen ernst mache mit dem Schutz des letzten dorfeigenen Rebberges und der einmaligen Landschaft mit Trotte und Naturschutzgebiet. «Die Rebbergfreunde möchten auch in Zukunft gerne ein Gläschen <Wiler Gold> geniessen. Diese goldenen Schätze aus der Schatzkammer Natur verdienen unseren umfassenden Schutz. Dafür setzen wir uns ein», schliesst die Pressemitteilung.