Vernissage von Johanna Schneider in der Galerie am Gleis in Uzwil: Bunte Kunst mit digitalen Codes

Die Galerie am Gleis zeigt eine Retrospektive von Johanna Schneiders Werken.

Kathrin Meier-Gross
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Von links: Anja Nützi, Johanna Schneider und Simone Egloff vor «Augen-Bildern», die sich aus Kleinstbildern zusammensetzen.

Von links: Anja Nützi, Johanna Schneider und Simone Egloff vor «Augen-Bildern», die sich aus Kleinstbildern zusammensetzen.

Bild: km

«Sind Sie Johanna?» Eigentlich ist die Frage überflüssig. Die zierliche Frau mit den lilafarbenen Haaren strahlt so viel Energie und Charisma aus, dass niemand sonst der bereits Anwesenden die Erschafferin der farbenfrohen Bilder und Skulpturen sein kann, die bis am 16.Februar in Uzwil gezeigt werden. Als erfahrene Ausstellerin, die ihre Werke an diversen Kunstmessen in Europa, Amerika und Asien präsentiert hat, zeigt sie kurz vor der Laudatio keinerlei Nervosität und erzählt aus ihrem Leben.

Früh verwitwet führte sie als zweifache Mutter vorerst das familieneigene Transportunternehmen Schneider in St.Gallen weiter. Nach Weiterbildungen arbeitete sie bei verschiedenen internationalen Unternehmen in Führungspositionen. Schon damals hatte sie sich Gedanken darüber gemacht, was sie nach der aktiven Berufsphase machen wolle. Also begann sie Malkurse zu belegen. Während zehn Jahren besuchte sie in Belgien Kunstunterricht und experimentierte mit verschiedenen Techniken. Ihr Leben teilt Johanna in zwei Phasen ein: die Familien- und Berufsphase, sowie die Jahre, die sie der Kunst widmet.

Eindrücke aus Reisen künstlerisch verarbeiten

Geprägt ist ihre Existenz auch von der Leidenschaft am Reisen. «Kulturen begegnen, Kulturen verstehen, Kulturen verbinden.» Die Eindrücke, die sie auf ihren Reisen in die entlegensten Winkel dieser Erde erhalten hat, verarbeitet sie in ihrem St.Galler Atelier. Zu ihrem runden Geburtstag ist nun ein Buch mit dem Titel «25 aus 80» erschienen. 25 Jahre voller kreativer Ideen. «Ich habe noch viele Pläne und bin offen für Neues», lacht die Künstlerin.

Die Bedeutung von «Code und Sinnlichkeit»

Das frisch gedruckte Buch, das an der Vernissage hätte vorgestellt werden sollen, hat es nicht rechtzeitig nach Uzwil geschafft. Dafür hat Johanna eine Rohfassung mitgebracht, in der die Stationen ihres Lebens und ihr künstlerischer Werdegang aufgeführt sind.

Anja Nützi, die Leiterin der Galerie, erläutert den Namen «Code und Sinnlichkeit» der aktuellen Ausstellung. Code stehe für die Auseinandersetzung mit der digitalen Welt. Im Wort Sinnlichkeit stecke auch die Suche nach dem Sinn. Johanna Schneider spiele mit den Reduktionsmöglichkeiten der digitalen Welt: 1,0; Yes, No; weiss, schwarz.

Dann wieder verarbeite sie die gesammelten Fotografien und Bilder zu farbenfrohen Mosaiken, vergleichbar mit Andy Warhol`s Pop-Art. Ein Porträt von Marilyn Monroe beispielsweise setzt sich zusammen aus einer Unmenge an Kleinstbildern von Frauenkörpern. Ausgestellt werden auch abstrakte Malereien und Skulpturen aus verschiedensten Materialien. Musikalisch umrahmt wird die Vernissage von MiMic. Das sind Michelle Falk und Milena Hofmann, welche mit Querflöte und keltischer Harfe wunderbare Melodien spielen.

«Besuchen sie die Ausstellung ein weiteres Mal. Dann wird auch das erwartete Buch aufliegen», sagt Anja Nützi und fügt an: «Die Galerie ist seit Anfang Jahr ein eigenständiger Verein. Wir sind am neuen Standort sichtbarer geworden.»

Zum Galerieteam gehören Simone Egloff, welche die Ausstellungen organisiert und Nadine Dintheer, verantwortlich für die Events und Kurse. Weitere Frauen helfen bei den Vernissagen und sind während der Öffnungszeiten anwesend.