Verlockend viel Eigenkapital: Niederhelfenschwil will sich aber nicht in Versuchung führen lassen

980'000 Franken besser als erwartet: Die Rechnung 2019 der politischen Gemeinde Niederhelfenschwil schliesst mit 200'000 Franken Defizit.

Hans Suter
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Trotz Defizit von 200000 Franken haben sie Grund zur Freude: Finanzchef Markus Schlegel (links), Gemeindepräsident Simon Thalmann (Mitte) und Gemeindeschreiber Marvin Flückiger.

Trotz Defizit von 200000 Franken haben sie Grund zur Freude: Finanzchef Markus Schlegel (links), Gemeindepräsident Simon Thalmann (Mitte) und Gemeindeschreiber Marvin Flückiger.

Bild: Hans Suter

Niederhelfenschwil ist eine der wenigen politischen Gemeinden im Kanton St.Gallen, die ihre Jahresrechnung 2019 mit einem Aufwandüberschuss abschliessen: konkret mit einem Defizit von 203'672 Franken. Dass Gemeindepräsident Simon Thalmann und Finanzchef Markus Schlegel trotzdem mehr als zufrieden sind, hat seinen Grund: Budgetiert war ein Defizit von 118'5934 Franken. Die Gründe für die Besserstellung um knapp eine Million Franken sind laut Thalmann vielgestaltig. Als Hauptpunkte nennt er Einsparungen in der Allgemeinen Verwaltung (30'000.-), tiefere Sozialhilfe- (130'000.-) und Schulkosten (380'000.-), ein tieferer Aufwand beim Verkehr und Strassenunterhalt (255'000.-) sowie höhere Steuereinnahmen (200'000.-).

«Der Aufwandüberschuss wird vollumfänglich aus dem Eigenkapital gedeckt», erläuterte der Gemeindepräsident gestern an einer Medienorientierung. Dieses vermehrte sich auf wundersame Weise von 5,58 Millionen auf 11,28 Millionen Franken (das Defizit von 2019 bereits berücksichtigt).

Verführungen von Anfang an widerstehen

Dass dies verlockend viel Eigenkapital ist, sind sich Thalmann und Schlegel mehr als bewusst. Den Grund für diese plötzliche Vermehrung können sie aber erklären: «Im Zusammenhang mit der Einführung des neuen Rechnungsmodells RMSG musste die Gemeinde Niederhelfenschwil das vorhandene Finanzvermögen aufwerten.» Laut Markus Schlegel machen alleine die Spezialfinanzierungen rund 3,5 Millionen Franken aus, die neu dem Eigenkapital zugerechnet werden. Die Behörden wollten sich denn auch nicht davon verführen lassen. Schliesslich hat Niederhelfenschwil durch die buchhalterische Anpassung nicht mehr Geld als vorher. Ein Blick auf die Investitionsplanung zeigt zudem, dass in den Jahren 2020 bis 2024 jährliche Investitionen von rund zwei Millionen Franken anstehen.

Das Elektrizitätswerk schliesst mit 93'000 statt 103'000 Franken Defizit ab. Der Fehlbetrag wird aus der mit 400'000 Franken geäufneten Ausgleichsreserve gedeckt. Das Eigenkapital des EW beläuft sich auf 975'000 Franken.

Im Budget 2020 rechnen die Behörden bei einem Aufwand von 16 Millionen und einem Ertrag von 15 Millionen Franken mit einem Aufwandüberschuss von einer Million Franken. Thalmann schliesst nicht aus, dass das Defizit aufgrund nicht budgetierbarer Besserstellungen tiefer ausfallen könnte. Das EW geht von einem Defizit von 115'000 Franken aus.

Steuerfuss bleibt bei 114 Prozent

«Wir sind weiterhin überzeugt, dass unsere Eigenkapitalreserven mittelfristig vollauf genügen und so unsere Aufwandüberschüsse und auch unseren tiefen Steuerfuss von 114 Prozent tragen und decken können», sagte Thalmann. Der Grundsteuersatz von 0,4 Promille wird ebenfalls belassen. «Tendenziell kann davon ausgegangen werden, dass dieser tiefe Steuersatz auch in den kommenden Jahren und trotz der angedachten sowie geplanten Investitionen gehalten werden kann.» Ein Prozent der einfachen Steuer beträgt rund 60'000 Franken.

Lernschwimmbecken soll im November an die Urne

Im laufenden Jahr werden in Niederhelfenschwil mehrere Ereignisse beschäftigen. Bereits im November soll über den Kredit für die Sanierung des Lernschwimmbeckens Sproochbrugg in Zuckenriet abgestimmt werden. Laut Gemeindeschreiber Marvin Flückiger muss das Detailprojekt intern bis zum 1. Juli vorliegen, um diesen Zeitplan einhalten zu können. Ebenfalls vorangetrieben werden die Ortsplanung und die Sanierung des Lenggenwiler Dorfbachs.

Sieben Behördenmitglieder treten nicht mehr an

Bei den Kommunalwahlen im September treten sieben Behördenmitglieder nicht wieder an: Gemeindepräsident Simon Thalmann, zwei Gemeinderatsmitglieder, Primarschulpräsidentin Gabriela Arn, ein Schulrat und zwei GPK-Mitglieder.

Die Bürgerversammlung findet am 25. März, um 20 Uhr in der Aula Sproochbrugg in Zuckenriet statt.