Interview

Vereint in die Zukunft: Der Zusammenschluss der Feuerwehren der Region Uzwil ist auf Kurs

Fünf Feuerwehren streben gemeinsam eine regionale Verbundlösung an. Das neue Gefüge tritt als Verein auf. Ein Gespräch mit Vorstandspräsident Simon Thalmann und Projektleiter Guido Kriech.

Philipp Stutz
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Die Gemeinden der Region sind überzeugt: Um die Feuerwehren erfolgreich in die Zukunft zu führen, braucht es eine Verbundlösung. (Bild: PD)

Die Gemeinden der Region sind überzeugt: Um die Feuerwehren erfolgreich in die Zukunft zu führen, braucht es eine Verbundlösung. (Bild: PD)

Die Gemeinderäte von Oberbüren, Oberuzwil, Niederhelfenschwil, Uzwil und Zuzwil sagen «Ja» zur Regionalisierung ihrer Feuerwehren. Am 1. Januar 2020 nimmt der neue Verbund unter dem Namen «Feuerwehr Region Uzwil» seine Tätigkeit auf. Die Vorstandsmitglieder sind bestimmt und arbeiten bereits an der Umsetzung. Der neue Geschäftsführer/Kommandant ist gewählt. Durch den gemeinsamen Weg entsteht in der Region Uzwil eine Verbundlösung, deren Grösse etwa den Sicherheitsverbünden von Wil oder Gossau entspricht. Grund genug, um Rückschau über dieses anspruchsvolle Projekt zu halten und einen Blick in die Zukunft zu werfen.

Von wem kam der Anstoss zum Zusammenschluss?

Guido Kriech: Projektauslöser waren im August 2016 die damaligen Feuerwehrkommandanten selbst, welche den Antrag an die Gemeinderäte stellten, einen Verbund zu prüfen. Dies entspricht einer optimalen Ausgangslage für ein solches Projekt, da eben der Antrag von der Basis selbst kam.

Was geschieht mit den Kommandanten der fünf Gemeinden?

Simon Thalmann: Bis Ende 2019 bleiben alle Kommandanten in der Verantwortung. Mit der neuen Feuerwehr werden in den Gemeinden Ortsmodule gebildet, welche den Ersteinsatz weiterhin bestreiten werden. Diesen stehen neue Chefs vor, welche zum Kommando der neuen Feuerwehr gehören werden. Schön ist, dass sich gemäss heutigem Kenntnisstand neben zwei neuen drei bisherige Kommandanten weiterhin als Modulchefs engagieren.

Vorstandspräsident Simon Thalmann (links) und Projektleiter Guido Kriech. (Bild: stu)

Vorstandspräsident Simon Thalmann (links) und Projektleiter Guido Kriech. (Bild: stu)

Werden mit der Neuausrichtung Angehörige der Feuerwehr aus dem Dienst entlassen?

Kriech: Die neue Feuerwehr wird über einen Minimalbestand von 220 Angehörigen der Feuerwehren (AdF) verfügen. Dies entspricht einer Reduktion von heute um rund 60 AdF. Wichtig aber ist, dass der Ersteinsatz pro Einsatzelement weiterhin gewährleistet ist. Es werden keine AdF entlassen. Die Reduktion wird über natürliche Fluktuation und altersbedingte Rücktritte geschehen. Wie in anderen Bereichen auch, geschieht dies in einer Übergangsphase.

Bleiben die Depots erhalten? Wie werden sie materialmässig bestückt?

Thalmann: Wir sind in der glücklichen Lage, dass sich alle Depots in einem Top-Zustand befinden. Ebenso die Geräte. Es müssen also keine neuen Geräte beschafft werden. Eine kleine Umverteilung aufgrund der zugewiesenen Kompetenzen kann möglich sein. Für den Ersteinsatz (Brand, technische Hilfeleistung, Unwetter) verfügen alle über das notwendige Material. Für die Strassenrettung und Chemie-/Ölwehr beispielsweise sind Uzwil und Oberuzwil Kompetenzstandorte. Ebenso befindet sich der Hubretter weiterhin in Uzwil.

Fliessen für die Fusion Gelder aus einem kantonalen Fonds im Bereich des Feuerschutzes?

Thalmann: Mittlerweile ist diese Frage obsolet. Der Entwurf für ein neues Feuerschutzgesetz wurde vom Kantonsrat abgelehnt. Wir wissen nicht genau, wann die Regierung ein neues Gesetz vorlegt und ob dieses dann Beiträge für Zusammenschlüsse vorsehen wird.

Sind finanzielle Mittel seitens der Gebäudeversicherung zu erwarten?

Kriech: Für das Fusionsprojekt selbst gibt es keine Kostenbeiträge. Es gelten die üblichen Beiträge an die Beschaffung von Fahrzeugen und Geräten. Gemäss dem Handbuch Feuerwehrfahrzeuge entscheidet die Verwaltungskommission der Gebäudeversicherungsanstalt über den Beitrag aus dem Feuerschutzfonds.

In welcher Höhe bewegen sich die Projektkosten?

Thalmann: Budgetiert waren für vier Jahre Kosten in der Höhe von 150000 Franken (2017 bis 2020). Diese Mittel sollen für Fachexperten/Projektleitung, Initialkosten und interne Kosten der einzelnen Gemeinden verwendet werden.

Sind Einsprachen gegen das Reglement eingegangen?

Kriech: Nachdem alle Gemeinderäte den Statuten und der Leistungsvereinbarung zugestimmt haben, lag das Reglement vom 14. Januar bis 22. Februar 2019 öffentlich auf. Dagegen wurde das Referendum nicht ergriffen.

Kommen in Zukunft weitere Gemeinden zum Sicherheitsverbund hinzu?

Thalmann: Im Moment zeigt keine weitere Gemeinde Interesse an dem Verbund. Dieser ist aber so gestaltet, dass zu einem späteren Zeitpunkt durchaus eine Möglichkeit besteht. Die Türen bleiben offen.

Welche Aufgaben stehen noch an, um einen Start am 1. Januar 2020 zu garantieren?

Thalmann: Die Wahl der weiteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Geschäftsstelle, die Verabschiedung der Personal- und Dienstreglemente, der Leistungsbezug von Finanzen und IT von der Gemeinde Uzwil, das neue Corporate-Identity-Konzept, die Beschaffung von einheitlichen Tenüs für den Start, die Gründungsversammlung des neuen Vereins im Oktober. Es gibt noch einiges zu tun.

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