Verein Spielgruppe Obere Mühle im Umbruch: 110 Spielgruppenplätze in Wil gefährdet

Der Verein Spielgruppe Obere Mühle steht vor einer ungewissen Zukunft.

Gianni Amstutz
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Wie es für die Spielgruppe Obere Mühle weitergeht, ist offen.

Wie es für die Spielgruppe Obere Mühle weitergeht, ist offen.

Bild: Gianni Amstutz

Dem Verein Spielgruppe Obere Mühle geht es auf den ersten Blick blendend. Aus dem losen Zusammenschluss einiger Mütter im Jahr 1976 ist eine Spielgruppe mit acht Mitarbeiterinnen entstanden, die 110 Kinder an den zwei Standorten Obere Mühle und Lindenhof betreuen. Und doch sind sprichwörtliche Sorgenfalten bei der Vereinspräsidentin Ursula Möck Zuber zu erkennen.

Denn auf der anderen Seite der Medaille stehen Spielgruppenleiterinnen, die verantwortungsvolle und wichtige Arbeit für wenig Lohn verrichten, ehrenamtliche Arbeit für den Verein im Hintergrund durch einen kleinen Vorstand und gesellschaftliche Forderungen nach immer mehr Professionalisierung. Die Präsidentin sagt:

«Viele sind nicht bereit, für diese gehobenen Ansprüche der Gesellschaft an die Spielgruppen auch zu bezahlen.»

Nun hat sich die Lage für den Verein weiter zugespitzt: Die Vereinsstrukturen mit einer ehrenamtlichen Präsidentin und einem ehrenamtlichen Kassier reichen nicht mehr aus, um den gestiegenen Anforderungen im administrativen und organisatorischen Bereich gerecht zu werden. «Wir sind mittlerweile wie ein KMU, verfügen aber nicht über die entsprechenden Ressourcen», sagt Möck Zuber.

Zwei Vorstandsämter bald vakant

Während der Verein fachlich gut dastehe, gebe es in der Organisationsentwicklung Nachhol­bedarf. Dieser wurde auch deshalb nötig, weil die Anforderungen mit dem Konzept «Frühe Förderung» gestiegen sind.

Ursula Möck Zuber war Teil der Projektgruppe, die das Konzept erarbeitet hat und beurteilt dieses denn auch positiv. Hohe und für alle geltende Qualitätsvorgaben seien begrüssenswert. Klar sei aber auch, dass dies mit einem grösseren Aufwand für die Träger, wie es der Verein Spielgruppe Obere Mühle ist, einhergehe.

Möck Zuber wird diese Umstellungen nicht mehr selbst begleiten. Einerseits, weil sie in rund einem Jahr pensioniert wird, anderseits weil es Zeit für jemand Neues an der Spitze des Vereins sei, wie sie sagt.

Per Ende des Schuljahres wird sie ihr Amt als Präsidentin niederlegen. Da auch der Kassier zurücktritt, steht der Verein plötzlich vor einer ungewissen Zukunft. Werden nicht bald Nachfolger gefunden, droht dem Verein das Aus.

Gesucht ist ein Nachfolger mit Herzblut

Fest steht: Die Stadt wird nicht in die Bresche springen. Denn gemäss Strategie will sie die Führung der Spielgruppen nicht selbst in die Hände nehmen. Die naheliegendste Lösung wäre also, eine Nachfolge für die beiden Ämter zu finden. Weil aber sowohl das Präsidium als auch das Amt des Kassiers bisher ehrenamtlich waren, dürfte sich die Suche schwierig gestalten.

Trotzdem ist Ursula Möck Zuber weiterhin optimistisch: Sie hoffe, dass jemand mit viel Herzblut das Präsidium übernehme. Doch was, wenn sich niemand finden lässt? Ursula Möck Zuber zuckt mit den Schultern. «Irgendeine Lösung muss es geben», sagt sie.

Dass sie damit Recht haben dürfte, darauf deutet hin, dass die Vorbereitungen für das Schuljahr 2020/21 bereits laufen. Anmeldungen für die Partnerspielgruppen der Stadt, wozu auch jene des Vereins Spielgruppe Obere Mühle gehören, werden ab Januar 2020 von der Fachstelle Frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung entgegengenommen. Die Eltern von Kindern im Spielgruppenalter werden Anfang 2020 schriftlich informiert.

Tatsächlich ist es nur schwer vorstellbar, dass 110 Spielgruppenplätze einfach so verschwinden. Denn die Nachfrage ist gross. Zurzeit sind sowohl die Plätze in der Oberen Mühle als auch jene im Lindenhof restlos ausgebucht. Dasselbe gilt für die meisten der anderen Partnerspielgruppen der Stadt.

Diese strebt sogar einen Ausbau der Plätze an. Eine Schliessung der Spielgruppe Oberen Mühle bzw. Lindenhof scheint fast ausgeschlossen, die Lösung muss aber noch gefunden werden.

Hinweis
Wer sich ein Engagement für den Verein vorstellen könnte, kann sich für genauere Informationen über die anfallenden Arbeiten bei Ursula Möck Zuber melden: moeck.zuber@bluewin.ch