Verantwortung statt Faust im Sack

Am Freitagabend feierten die Jungbürgerinnen und Jungbürger einen geselligen Abend. Vom «Hof zu Wil» ging es in den «Gare de Lion» zum Essen, Trinken und Feiern. Der Tenor war eindeutig: Wil ist eine schöne Stadt.

Christoph Heer
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Stadtpräsidentin Susanne Hartmann (links) unterhielt sich mit den Jungbürgerinnen und Jungbürgern in gediegenem Rahmen. (Bilder: Christoph Heer)

Stadtpräsidentin Susanne Hartmann (links) unterhielt sich mit den Jungbürgerinnen und Jungbürgern in gediegenem Rahmen. (Bilder: Christoph Heer)

WIL. Während Gemeinden wie Uzwil und Jonschwil wegen mangelnden Interesses der Jungbürger auf die diesjährige Jungbürgerfeier verzichten, meldeten sich in Wil so viele an wie schon lange nicht mehr. Die Kulturbeauftragte und Mitorganisatorin Kathrin Dörig freute sich am Freitagabend, dass sich gut 50 junge Wilerinnen und Wiler im «Hof» versammelten.

«Alle zwei Jahre organisieren wir diese Feier. In diesem Jahr konnten wir etwa 363 Jungbürger einladen. Dass nun gut 50 anwesend sind, freut uns sehr, denn bei der Durchführung vor zwei Jahren waren es nur um die 30.» Nach der Begrüssung im «Hof» und einem kleinen Apéro machte sich der Tross mitsamt Stadtpräsidentin Susanne Hartmann und Stadtrat Dario Sulzer auf den Weg zum «Gare de Lion». Dort wartete ein orientalisches Buffet vom hauseigenen Catering, für welches sich Stephanie Parizzi als Verantwortliche auszeichnete. Die Ostschweizer Band Panda Lux konzertierte später auf der Bühne, und so konnten die Jungbürger auch zeigen, wie sich der Wiler Nachwuchs auf dem Tanzparkett anstellt.

Endlich erwachsen und mündig

Mit gespitzten Ohren hörten die Jungbürger der Ansprache seitens Susanne Hartmann zu – und diese war gespickt mit interessantem Material. «157 680 Stunden oder 6570 Tage oder 936 Wochen dauert es, bis aus einem Neugeborenen ein mündiger, erwachsener Mensch geworden ist. Mit dem Erreichen dieser Altersschwelle erhält man eine Menge neuer Rechte», so die Stadtpräsidentin. Die Jungbürger dürfen Auto fahren, Spirituosen kaufen und konsumieren, ohne Zustimmung der Eltern Verträge abschliessen. Susanne Hartmann mahnte gleichzeitig, dass bei so vielen neuen Rechten auch Pflichten ins Spiel kämen. «Denn von nun an muss jeder einzelne gewisse Konsequenzen selber tragen und Verantwortung übernehmen.»

Erwachsensein als Chance

Hartmann betonte, dass sich nun für die mündigen Wiler neue Chancen auftun. «Verantwortung übernehmen tönt vielleicht gar nicht so cool. Aber es heisst auch, im persönlichen und politischen Alltag mitzubestimmen, und dies soll als Chance wahrgenommen werden.» In der Stadt Wil leben aktuell rund 23 000 Menschen, davon sind 14 300 stimmberechtigt. Hartmann ermunterte die Jungbürger, tatkräftig am politischen Wesen teilzunehmen. «Die Stimmbeteiligung liegt bei uns jeweils zwischen 40 und 50 Prozent. Natürlich ist mir bewusst, dass sich die Politik vielfach sehr weit entfernt von den Jugendlichen bewegt. Umso wichtiger, dass sie mitbestimmen und nicht bloss die Faust im Sack machen.»