Kommentar

Uzwils Schulrat komplett erneuert

Die Entscheidung ist hauchdünn, die Überraschung gross: Die parteilose Marion Harzenmoser übertrifft das absolute Mehr um nur vier Stimmen und wird neue Schulratspräsidentin der Einheitsgemeinde Uzwil.

Philipp Stutz
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Philipp Stutz, Redaktion Wiler Zeitung

Philipp Stutz, Redaktion Wiler Zeitung

Bild: Urs Bucher

Der Sozialdemokrat Daniel Wyder, seit 2013 im Amt, wird trotz respektablem Ergebnis und einem Rückstand von nur 38 Stimmen auf seine Widersacherin abgewählt.

Wyder, im Wahlkampf ziemlich alleine auf sich gestellt, hätte die laufenden Projekte gerne weitergeführt und die Schule weiterentwickelt. Die Abwahl ist doppelt schmerzlich. Die SP verliert nicht nur das Schulratspräsidium, sondern auch einen ihrer beiden Sitze in der Exekutive. Ist doch der Schulratspräsident von Amtes wegen Mitglied des Gemeinderates.

Marion Harzenmoser, politisch ein noch unbeschriebenes Blatt, wurde vom «Bündnis Uzwil» unterstützt, das bislang kaum in Erscheinung getreten ist. Gemäss eigenen Angaben handelt es sich um eine partei- und konfessionsübergreifende Gruppierung von Personen, die in der Gemeinde ansässig sind. Sukkurs erhielt Harzenmoser von den Grünen und der SVP.
Eine gewisse Unzufriedenheit hinsichtlich des bisherigen Schulratspräsidenten war zwar vorhanden, ohne dass dieser Unmut aber konkret benannt werden konnte. Doch genügte dies, um Daniel Wyder aus dem Amt zu drängen.

Dass ein Bisheriger abgewählt wird, ist in Uzwil ein Novum. Dadurch kommt es zu einer kompletten Erneuerung des Schulrates. Damit droht nicht nur ein Wissensverlust, sondern ein temporärer Stillstand auf strategischer Ebene und Mehrkosten für die Einarbeitung der neuen Mandatsträger. Diese Befürchtungen hatte die FDP angedeutet. Sie sprach sich für Kontinuität aus, konnte sich aber lediglich zu einer Stimmfreigabe durchringen.

Der neu gewählte Schulrat setzt sich aus Mitgliedern der etablierten Parteien zusammen. Die von der SVP portierte Heidina Jordi, erst zwanzigjährig und «Stimme der Jugend», erzielte zwar ein achtbares Ergebnis, verfehlte die Wahl aber eher knapp. In der Geschäftsprüfungskommission gelang es der FDP nicht, ihren vor vier Jahren kampflos abgegebenen Sitz mit Natasa Weber zurückzuerobern. Der «Bisherigen-Bonus» kam hier im Gegensatz zum Schulratspräsidium zum Tragen. Im Gemeinderat bleibt die Sitzverteilung wie bisher; die «Zauberformel» wird zementiert. Die beiden neu kandidierenden Martin Brunnschweiler (FDP) und Seraina Bär (SP) schafften die Wahl problemlos. Gemeindepräsident Lucas Keel erzielte ein sehr gutes Ergebnis.

Die Ablösung an der Spitze des Schulrates ist mit Hoffnungen verbunden. Für Marion Harzenmoser sind zufriedene Lehrer und Schüler das A und O und Voraussetzung für den Lernerfolg, wie sie an einer Podiumsdiskussion betonte. Als verbesserungsfähig bezeichnet sie die Kommunikation, was zweifelsfrei ein Anliegen ist. Die neue Schulratspräsidentin verdient Kredit. Durchaus im Bewusstsein, dass eine schwere Aufgabe mit einem komplett neuen Team auf sie wartet.

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