Kolumne
Uzwils Hockeycracks auf dünnem Eis

Kolumnist Fritz Studli hat eine dezidierte Meinung, was die Petition gegen die neue Farbgebung der Uzehalle angeht.

Fritz Studli
Merken
Drucken
Teilen
Die geplante Farbgebung der Fassaden der Uzehalle stösst bei einem Komitee und ehemaligen Uzwiler Eishockeycracks auf Kritik. Nun wollen sie eine Petition einreichen.

Die geplante Farbgebung der Fassaden der Uzehalle stösst bei einem Komitee und ehemaligen Uzwiler Eishockeycracks auf Kritik. Nun wollen sie eine Petition einreichen.

Bild: stu

Weil sie beide selbst in ihrem höheren Alter noch eitel sind und meinen, jemandem Vorbild sein zu können, sitzen Fritz Studli und sein Eishockey-Freund Max Lütolf in gebührendem Corona-Abstand, die Kragen hochgeschlagen, auf der Bank hoch über dem Uzwiler Bahnhof, aufgelegt zum Disput. Beide rauchen, Studli eine Villiger-Krumme, Lütolf einen währschaften Wuhrmann-Stumpen. Natürlich geht es um den EHC Uzwil.

«Soso, mon vieux», stichelt Studli los, «dem hochwohlgeborenen EHC Uzwil, der seit seinem Bestehen öffentlich finanzierte Infrastruktur für kleines Geld nutzt, diesem wachen Verein fällt also Monate nach der Abstimmung auf, dass ihm die neue Farbgebung der Uzehalle nicht passt? Und dann fahren sie gleich eine Petition auf, angeführt von Hockeylegenden wie Mathias Seger, Vjeran Ivankovic, Hansi Hohl, um mit viel Vereinsfarben-Pathos davon abzulenken, dass sie es schlicht verpennt haben, sich rechtzeitig zu äussern? Ist dir das nicht peinlich, Max?» Genüsslich bläst Fritz Studli den Rauch seiner Krummen in die beginnende Abenddämmerung. «Das sass!», denkt er.

Sein Sitzbank-Nachbar blickt schweigend geradeaus. Was soll er auch erwidern? Max Lütolf weiss, er hat gegen seinen scharf argumentierenden Freund wenig Chancen.

Also legt Studli nach: «Und wie bigott und geschichtsvergessen ist es von diesen werten Herren Seger-Ivankovic-Hohl, so zu tun, als seien dem EHC Uzwil selbst seine Vereinsfarben stets und immer heilig gewesen? Als Eishockeyspieler waren das sicher Asse, aber in Sachen Vereinsästhetik bewegten sie sich auf sehr dünnem Eis. Erinnerst du dich nicht, Max? Kaum war in den 1990er-Jahren dieses Herisauer Unternehmen Bleiker-Teppiche als Hauptsponsor eingestiegen, wurden die ach so hehren, heiligen Vereinsfarben Blau/Gelb ersetzt durch die Firmenfarben des Hauptsponsors, Schwarz und Magenta-Rosarot. Wie stand es denn damals um die emotionale Identifikation der EHCU-Spieler mit ihren eigenen Vereinsfarben? Hat es einen Vjeran Ivankovic sehr belastet, damals, emotional, statt in Blau und Gelb in Schwarz und Pink auflaufen zu müssen? Mit dem Schriftzug‚ Bleiker-Teppiche Herisau' auf der Brust, als Uzwiler, die mit keinem anderen Verein eine so tiefe Rivalität verband wie mit dem SC Herisau? Gab es Spieler-Proteste, lieber Uzwil-Botschafter in der ganzen Welt sein zu wollen als Marken-Botschafter eines schlauen Herisauer Teppichhändlers? Oder gab's damals eine Petition, sagen wir, der Gelb-Blau-Traditionalisten-Fraktion, für ein neutrales Farbkonzept ihrer eigenen Trikots, Max?»

Max Lütolf seufzt laut. Sein Stumpen ist erkaltet, die Glut weg. Noch immer sagt er kein Wort. Als Fritz Studli wieder zu sprechen anhebt, winkt Lütolf ab: «Lass gut sein, Fritz. Aber das blöde neue Grün in der Uzehalle gefällt mir trotzdem nicht.»

Studli schweigt jetzt auch. Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten.

Hinweis
Fritz Studli ist Journalist im Ruhestand und kommentiert in loser Folge das Uzwiler Lokalgeschehen.