UZWIL/HENAU: «Für die Leute bin ich der Pfarrer»

Am 3. Dezember wird Pater Justin Mat als neuer Pfarradministrator in der Seelsorgeeinheit Uzwil und Umgebung begrüsst. Dekan Andy Givel setzt ihn in Henau offiziell ein. Die «Wiler Zeitung» sprach mit ihm.

Cecilia Hess-Lombriser
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Der Bischof hat den gebürtigen Indonesier, Pater Justin Mat, als Pfarradministrator in der Seelsorgeeinheit Uzwil eingesetzt. (Bild: PD)

Der Bischof hat den gebürtigen Indonesier, Pater Justin Mat, als Pfarradministrator in der Seelsorgeeinheit Uzwil eingesetzt. (Bild: PD)

Cecilia Hess-Lombriser

redaktion@wilerzeitung.ch

Pater Justin Mat, wie geht es Ihnen, im Moment zwischen Abschied und Neuanfang?

Pater Justin Mat: Ein seltsames Gefühl. Auf der einen Seite Wehmut, eine Umgebung und Menschen zu verlassen, die mir sehr ans Herz gewachsen sind. Auf der anderen Seite das Gefühl, wie es auf einer Karte steht, die mir eine Bekannte vor ein paar Tagen geschrieben hat: «Und plötzlich weisst du, es ist Zeit, etwas Neues zu beginnen und dem Zauber des Anfangs zu vertrauen.» Darauf bin ich gespannt.

Sie werden am 3. Dezember als Pfarradministrator in Henau von Dekan Andy Givel in Ihr Amt eingesetzt. Was ist Ihnen als Priester in Ihrer Aufgabe besonders wichtig? Ich möchte den Menschen nahe sein. Die Gespräche und die Begegnungen mit ihnen sind für mich Kraftquelle. Daneben erfahre ich die Nähe Gottes in der Heiligen Messe. Das sind die beiden entscheidenden Dreh- und Angelpunkte meines Wirkens.

Sie werden nicht der «Pfarrer» sein, sondern Mitglied des Pastoralteams und als solches auch Pfarradministrator. Können Sie diese Rollen erklären?

Für die Leute bin ich einfach der Pfarrer. Es stimmt auch so. Da ich Mitglied der Ordensgemeinschaft der Steyler Missionare bin, kann ich von der Kirchbürgerversammlung nicht als Pfarrer gewählt werden, sondern werde vom Bischof als Pfarradministrator eingesetzt – mit Zustimmung der Kirchenverwaltungen. Heute kann Seelsorgearbeit nur im Team geleistet werden. Der Pfarrer ist nicht mehr der «Pfarrherr», der für alles zuständig ist, sondern ein wichtiges Mitglied des Pastoralteams. Das Team wählt einen Teamkoordinator oder, wie in Uzwil und Umgebung mit Ingrid Krucker, eine Koordinatorin. Die Funktion ist eine organisatorische.

Welche Aufgaben werden Sie in der Seelsorgeeinheit Uzwil übernehmen? Ich werde alle priesterlichen Dienste übernehmen. Da ich in Henau Pfarreibeauftragter bin, werde ich mit Menschen aller Altersstufen unterwegs sein dürfen.

Was möchten Sie den Menschen mitgeben? Gott liebt uns nicht, weil wir gut sind, sondern weil er gut ist, – vor aller Leistung und trotz aller Schuld. Die Kritik von Nietzsche, «die Christen müssten erlöster aussehen, damit man ihnen glauben sollte», habe ich immer als Herausforderung gesehen. Menschen, die uns begegnen, müssen spüren, dass wir erlöste, lebensfrohe Menschen sind.

Wie verstehen Sie Kirche und was kann sie den heutigen Menschen sein? Kirche ist die Gemeinschaft von Menschen, die nach dem Vorbild Jesu leben und für andere da sind. Mit den Menschen möchte ich darüber nachdenken und praktizieren, was es heute heissen kann, mit anderen zu teilen.

Und was würden Sie Menschen sagen, die sich von der Kirche abwenden? Ich habe immer wieder erlebt, dass diese Menschen auch Hunger nach spiritueller Erfahrung haben. Sie hören dabei mehr auf überzeugendes Lebenszeugnis als auf schöne Worte. Ein Gedanke von Mahatma Gandhi an christliche Missionare in Indien ist mir dabei wichtig: «Denken sie an das Geheimnis der Rose. Sie tut nichts, aber sie duftet. Und deshalb wird sie von allen geliebt. Duften Sie also, meine Herren.»

Was wünschen Sie sich von den Angehörigen der Pfarreien der Seelsorgeeinheit für Ihre zukünftige Tätigkeit? Ich wünsche mir Offenheit und einen vertrauensvollen Umgang miteinander und bitte sie, mir beim Fussfassen zu helfen.

Hinweis

Pater Justin Mat wird am 3. Dezember, 10.30 Uhr, in Henau ins Amt eingesetzt. Erstmals wird die Orchestermesse «Dich feiern wir» von Hannes Steinebrunner/Roman Bislin-Wild erklingen.