Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Uzwiler «Tabak-Lädeli» schliesst:
Kiosk rentiert nicht mehr

Über 40 Jahre lang prägte Johanna Von Dach das «Tabak-Lädeli» in Uzwil. Jetzt geht die 90-Jährige in Pension, sagt allerdings: «Ich würde gern weiterarbeiten.»
Lara Abderhalden/FM1Today
Johanna Von Dach führte 42 Jahre lang den Kiosk an der Uzwiler Bahnhofstrasse. Im November ist nun Schluss. (Bilder: FM1TodayJohanna Von Dach führte 42 Jahre lang den Kiosk an der Uzwiler Bahnhofstrasse. Im November ist nun Schluss. (Bilder: FM1Today
Blick in den Tabakshop an der Uzwiler Bahnhofstrasse.Blick in den Tabakshop an der Uzwiler Bahnhofstrasse.
Für Sohn Mario Von Dach, den Betrieber des Kiosks, geht die Rechnung schon lange nicht mehr auf.Für Sohn Mario Von Dach, den Betrieber des Kiosks, geht die Rechnung schon lange nicht mehr auf.
Viele Pfeifenraucher seien verstorben, sagt Mario Von Dach.Viele Pfeifenraucher seien verstorben, sagt Mario Von Dach.
e einst: Tabak, säuberlich in Glasdosen verpackt.e einst: Tabak, säuberlich in Glasdosen verpackt.
5 Bilder

Tabaklädeli


Ihre Schultern ragen knapp über den Rand des kleinen Kiosk-Fensters. Sie trägt eine violett gemusterte Bluse, die perfekt zu den Ricola-Bonbons und den Klatschheftli passt, die vor ihr auf dem Tisch liegen. Es scheint, als wäre sie selbst Teil des Sortiments.

Johanna Von Dach hat eines dieser warmherzigen Grossmutterlächeln, doch ihre Augen verleihen ihr etwas Spitzbübisches. Als hätte sie soeben ein Päckli Stimorol in der Hosentasche verschwinden lassen. Bei ihrem Anblick und ihrer überschaubaren Grösse bekommt man plötzlich Lust, Johanna Von Dach in den Arm zu nehmen und drei dieser liebevollen Grossmutterküsse auf die Backe zu bekommen. Sie ist die Liebenswürdigkeit in Person und zuständig dafür, dass die Uzwiler morgens, mittags oder abends ihren Schnupftabak, Snus oder die Zigarillos bekommen.

«Ich stehe jeden Morgen um 5 Uhr auf und öffne um Viertel vor 6 den Kiosk», erzählt die 89-Jährige. «Es ist immer derselbe Trott. Aufstehen, Laden öffnen und um 6 Uhr kommen die ersten Arbeiter.» Seit 42 Jahren steht Johanna Von Dach jeden Tag im Tabak-Laden an der Bahnhofstrasse und war in dieser Zeit nie krank: «Ich bin noch ‹zwäg› und wohne im Haus. Ich mache es gerne und solange ich noch klar denken kann, mache ich weiter.»

Im November ist Schluss: Aus Rentabilitätsgründen

Das mit dem Denken klappe immer noch sehr gut, die Kasse stimme immer, bestätigt ihr Sohn Mario Von Dach, dem der Tabak-Laden gehört. Trotzdem muss der Kiosk im November für immer geschlossen werden. «Der Shop ist nicht mehr rentabel», sagt Mario Von Dach. Zuletzt seien nur noch die Löhne und Ausgaben gedeckt worden. «Ich bin froh, hatte ich mit meiner Mutter eine günstige Arbeitskraft.»

Johanna Von Dach arbeitet nicht des Geldes wegen: «Ich habe etwas zu tun und würde gerne noch weiterarbeiten. Aber irgendwann ist fertig, sagt mein Sohn.» Ginge es nach ihr, würde das Geschäft nicht schliessen. Der Kiosk sei ein bisschen wie ein zweites Zuhause: «Mein Sohn wohnt nicht mehr hier, hat eine eigene Familie, ich muss mich schon daran gewöhnen, dass ich dann alleine bin.»

«Früher verkauften wir viermal so viel»

Pläne für die Zeit nach dem Kiosk hat sie noch keine. Nicht einmal auf das Ausschlafen freue sie sich besonders: «Ich stehe gerne früh auf.» Dass die Frau, die manchmal mit einem «Schemeli» am Kiosk steht, schon zum Inventar gehört, ist auch den Gästen aufgefallen: «Ich rede viel mit den Leuten, die hier vorbeikommen. Viele sagen: ‹Jetzt sind Sie immer noch hier› oder ‹sie sind schon jeden Tag hier› – das werde ich vermissen.»

Johanna Von Dach nimmt eine Plastiktüte aus einer Schublade. Erklärt, dass diese für den Tabak verwendet werde. «Riechen Sie mal, diese Tabakmischung finde ich am besten.» Sie steckt ihre Nase in einen gläsernen Behälter, der mit einer Reihe weiterer Dosen auf einem alten Möbel steht. Zwei davon sind mit Tabak gefüllt. Johanna Von Dach atmet tief ein. «Das mache ich am liebsten, Tabak abfüllen.» Früher seien noch mehr Tabakwaren verkauft worden. Die Regale seien voll damit gewesen. «Die meisten Tabak-Pfeifen-Raucher sind aber mittlerweile gestorben», sagt Mario Von Dach. Auch der Zeitschriftenverkauf habe stark abgenommen: «Früher verkauften wir viermal so viele Zeitschriften und Zigaretten wie heute.»

Schnupftabak ist im Trend

Der Tabak-Shop versuche aber stets, mit den Trends zu gehen. So lassen sich in den Regalen auch CBD-Zigaretten, Hanf-Schnupf, E-Zigaretten oder Snus-Dosen finden. «Mein Sohn musste mich aufklären, wie das mit dem CBD und Schnupf ist», sagt Johanna Von Dach. Jetzt könne sie die Kunden in diesen Bereichen sogar beraten. «Vor allem Schnupftabak ist im Trend. Ich habe ihn auch schon probiert, musste aber sehr oft niesen», sagt sie und lacht.

Im November in Pension Johanna Von Dachs Lachen ist ansteckend und sie will gar nicht mehr damit aufhören, erst recht nicht, als ihr Sohn sagt: «Ja, im November schicken wir die Mutter in Pension.» Doch das herzhafte Lachen vermag den Hauch von Traurigkeit in den Augen der Uzwilerin nicht zu vertuschen. Ihre Schultern ragen jetzt noch knapp über den Rand des Verkaufstresens hinaus, doch schon bald wird man von Johanna Von Dach nur noch den Rücken sehen. Dann, wenn sie sich langsam und endgültig von ihrem Arbeitsplatz, dem Tabak-Lädeli, entfernt.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.