UZWIL
Regionale Kläranlage in Niederuzwil soll rund 100 Millionen Franken kosten

Die Abwasserreinigungsanlage in Uzwil soll ausgebaut werden und auch das Wasser der Region aufnehmen. An einem Informationsanlass wurde am Freitagabend über den aktuellen Stand informiert. Auch wenn die Kosten noch nicht beziffert werden können, nannte Gemeindepräsident Lucas Keel eine Zahl.

Philipp Stutz
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Am Standort der Abwasserreinigungsanlage in Niederuzwil sollen künftig auch die Abwässer von Jonschwil, Wil und Zuzwil gesäubert werden.

Am Standort der Abwasserreinigungsanlage in Niederuzwil sollen künftig auch die Abwässer von Jonschwil, Wil und Zuzwil gesäubert werden.

Bild: Philipp Stutz

«Es handelt sich um ein grosses Vorhaben, die Vorarbeiten sind bereits seit rund vier Jahren im Gang», sagte Uzwils Gemeindepräsident Lucas Keel.

Gewässer sind immer stärker mit organischen Spurenstoffen belastet. «Herkömmliche Anlagen sind nicht in der Lage, diese sogenannten Mikroverunreinigungen herauszufiltern», sagte Michael Eugster, Leiter Amt für Wasser und Energie des Kantons St.Gallen. Aus diesem Grund haben sich die Gemeinden Jonschwil, Uzwil, Wil und Zuzwil entschlossen, gemeinsam eine regionale Kläranlage zu planen. Auch das Abwasser von umliegenden Thurgauer Gemeinden könnte zufliessen.

Diese Zusammenarbeit soll Mehrwert für alle Beteiligten schaffen. «Ein Zusammenschluss ist sowohl ökologisch effektiv als auch wirtschaftlich interessant», sagte Eugster und fügte hinzu: «Wir können damit mehrere Fliegen auf einen Schlag erledigen, und auch von der Topografie her überzeugt das Projekt.» Ausserdem werde mit der neuen Anlage die Thur entlastet. Bereits entschieden ist die Frage, wie die Abwässer aus Wil, Jonschwil und Zuzwil nach Niederuzwil geleitet werden sollen.

Michael Eugster (Leiter Amt für Wasser und Energie des Kantons St.Gallen), Lucas Keel (Gemeindepräsident Uzwil) und Michael Bösch (Forma-Architekten, von links) begutachten das Modell der Anlage.

Michael Eugster (Leiter Amt für Wasser und Energie des Kantons St.Gallen), Lucas Keel (Gemeindepräsident Uzwil) und Michael Bösch (Forma-Architekten, von links) begutachten das Modell der Anlage.

Bild: Philipp Stutz

150 Meter lang

Zurzeit ist man mit der Ausarbeitung eines Vorprojekts beschäftigt. Die Anlage soll auf 110000 Einwohner ausgerichtet werden. Die Kostenerhebungen sind laut Keel noch nicht abgeschlossen. Doch dürfte sich die Investition auf rund 100 Millionen Franken belaufen. Daran wird sich auch der Bund beteiligen. Die Erneuerung soll bei laufendem Betrieb der Kläranlage realisiert werden.

Die Gebäude werden sich auf einer Länge von rund 150 Metern entlang der Autobahn erstrecken. Die Materialien bestehen zum grossen Teil aus Beton, aber auch Stahl und Holz sollen zum Einsatz kommen.

Geruch soll im Gebäude bleiben

«Die Bauphase wird intensiv sein», sagte Keel, wodurch zusätzliche Belastungen entstehen. Der Mehrverkehr auf der ohnehin stark belasteten Marktstrasse werde nach Inbetriebnahme der Anlage aber eher gering sein. Die Anlage soll gut in die Gegend eingebettet werden. Auch die Geruchsimmissionen werden sich laut Keel im Rahmen halten. Er sagt:

«Was stinkt, wird eingehaust.»

Geruchsimmissionen entstünden in erster Linie in den mechanischen Reinigungsstufen wie beispielsweise der Rechenanlage. Diese Teile würden in ein Gebäude verlegt, und die Abluft werde mit Filtern gereinigt.

Weshalb wird erst ein teures Vorprojekt erstellt und erst danach die Bevölkerung gefragt, ob sie eine gemeinsame ARA überhaupt will? Lucas Keel: «Erst müssen Grundlagen geschaffen werden, und dazu sind Vorarbeiten und Abklärungen nötig.» Diese würden im Vorprojekt zusammengefasst. Dieses werde eine fundierte Kostenschätzung für das Gesamtprojekt ermöglichen – für die Volksabstimmungen in den Gemeinden von zentraler Bedeutung.

Hier soll künftig das Epizentrum der regionalen Wasserreinigung sein.

Hier soll künftig das Epizentrum der regionalen Wasserreinigung sein.

Bild: Philipp Stutz

Der Name: ARA Thurau

Modell und Pläne der erneuerten ARA können vom 12. bis 23. April in der Uzwiler Gemeindeverwaltung besichtigt werden. Die Abstimmung in der Standortgemeinde Uzwil ist für den 28. November dieses Jahres vorgesehen. Die politischen Entscheide in Jonschwil, Oberuzwil, Wil und Zuzwil sollen 2022 fallen. Sagen die Uzwiler Nein, sind die Pläne vom Tisch. Sagen die Wiler Nein, dann wohl ebenfalls.

Lucas Keel sagt:

«Vor 2026 kann die Anlage nicht in Betrieb genommen werden.»

Die Planungsgemeinschaft hat beschlossen, dass die neue Anlage «ARA Thurau» heissen soll. Der Name soll die Bedeutung des Projekts für die Wasserqualität der Thur und die Trinkwasserfassungen in deren Bereich unterstreichen.