UZWIL: «Pschötti» wirkt Wunder im Gesicht

Der «Jodler-Obed» vom Samstag geriet für den einheimischen Jodlerclub zum gelungenen Ereignis. Eigentlicher Star auf der Bühne waren aber nicht die Jodler oder die Darsteller der Theatergruppe, sondern eine Karrette voll Kuhmist.

Michael Hug
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«Abezyt» sangen die Mitglieder des Uzwiler Jodelclubs und zogen sich dabei die Schlafmütze über den Kopf.

«Abezyt» sangen die Mitglieder des Uzwiler Jodelclubs und zogen sich dabei die Schlafmütze über den Kopf.

Wer von denen, die das Glück erhielten, in der vordersten Reihe sitzen zu können, sich erhoffte, dass die Mistkarette bald mal wieder von der Bühne entfernt würde, sah sich getäuscht. Über eine Stunde, während der ganzen Zeit der Aufführung «Gülle, Mischt und Schönheitskur», stand die «Meschtbenne» vorne rechts am Bühnenrand. Gnade denen, die da vorne sassen und den strengen, ranzigen Geruch einatmen mussten, Gnade auch denen, die vom braunen Saft –war es Kaffee oder «Pschötti»? – der auf der Bühne im Gerangel der Irrungen und Wirrungen auf dem Hof «Hochrüthi» verspritzt wurde, getroffen wurden.

Da geht schon mal was daneben

Wo gehobelt wird, da fliegen die Späne. Wo Wunsch und Wahrheit, Ideale und Täuschung dargestellt werden, da geht schon mal was daneben, und sei es Gülle. Doch Gülle und Mist haben auch, angeblich, eine wundersame Wirkung auf die Gesichtshaut. Ja geradezu phänomenale Ergebnisse erziele er mit seiner Creme «Wundertraum», versprach der Wissenschaftler Eugen Hasenfratz (Sepp Püntener). Ausprobiert werden soll das an den beiden Bäuerinnen auf der Hochrüthi, den etwas unterbelichteten und von der Schönheitsgöttin nicht gerade reich beschenkten Schwestern Rösli (Nadine Frick) und Trudi (Monika Angst). Das Ganze soll auch gleich für einen Werbefilm aufgezeichnet werden. Dafür wird der Werbefilmer Harry Müller (Manfred Loser) aufgeboten, und die Rolle der, dank der Wundertraum-Paste zur juvenilen Schönheit verwandelten Rösli, der Schauspielerin Mizzi (Corina Loser) übertragen. Noch einer erscheint unvermittelt auf dem Hof und mischt unbeabsichtigt im ruralen Verschönerungsexperiment mit: der Viehhändler Bruno Moser (Hans Ehrler). Doch der will eigentlich keine schöne Bäuerin aufgabeln, sondern nur eine Kuh kaufen. Schliesslich und endlich, nach vielen Missverständnissen, Wirrungen, wiederholten Dreh-versuchen und unbeabsichtigtem Nasenbluten des Wissenschaftlers, gelang die Verwandlung der Bestie zur Beauty, es gibt sogar ein Happy-End und alles wird gut. Nur die Karette voll Kuhmist steht immer noch auf der Bühne und müffelt vor sich hin. Doch man hat sie, ob des gelungenen Schauspiels, der schrägen Szenen und der wunderschön gespielten Figuren, schon längst vergessen. Wahrscheinlich wurde man ihr erst wieder am Sonntagmorgen gewahr, nachdem sich der Geruch in den Kleidern im ganzen Schlafzimmer verbreitet hatte.

Den geführten Mist längst vergessen

Zum gelungenen Abend der Uzwiler Jodler trug auch der vorab angesetzte Liederteil bei, und die Witze, die sozusagen am laufenden Band von der Bühne kamen. Der Jodlerclub sang «E Lied verklingt», «E Hand voll Heimatärde» und «Abezyt» und noch eine ganze Reihe weitere Jodellieder. Das Säntisquartett aus Stein gestaltete die Pausen zwischen den Auftritten der Jodler und erntete ebenso wie diese viel Applaus. Etwas traurig stimmte die Ankündigung, dass dessen Zugabe der zweitletzte Auftritt des Quartetts sein werde. Noch ziemlich lange sass man im vollen Gemeindesaal zusammen, freute sich über den saftigen Schinken mit Kartoffelsalat oder einen Preis aus der Tombola.

Michael Hug

redaktion@wilerzeitung.ch