UZWIL: Potenzial längst nicht ausgeschöpft

«Kindergärtler müssen nicht lesen können, aber einen Purzelbaum schlagen.» Laut Schulratspräsident Daniel Wyder sei das nicht (mehr) selbstverständlich. Bei der frühkindlichen Förderung habe Uzwil noch Potenzial.

Andrea Häusler
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Judith Suter, Krippenleiterin in der Tagesbetreuungsstätte Chinderhus Rägeboge, führte die SP durch die neuen Kita-Räume an der Uzwiler Bahnhofstrasse, erläuterte das Konzept mit den drei Häusern und gab Auskunft über die Belegungszahlen. (Bilder: Andrea Häusler)

Judith Suter, Krippenleiterin in der Tagesbetreuungsstätte Chinderhus Rägeboge, führte die SP durch die neuen Kita-Räume an der Uzwiler Bahnhofstrasse, erläuterte das Konzept mit den drei Häusern und gab Auskunft über die Belegungszahlen. (Bilder: Andrea Häusler)

Andrea Häusler

andrea.haeusler@wilerzeitung.ch

Ob die Volksmotion «Ausbau der Kita-Plätze» der SP zustande gekommen ist, bleibt offen. Zahlen legte die SP am Parteianlass vom Donnerstag wider erwarten keine vor. Fakt ist jedoch, dass allein am Herbstmarkt 105 der nötigen 150 Unterschriften zusammengekommen sind. Dass das erforderliche Quorum erreicht und sich der Gemeinderat mit der Schaffung finanzierbarer familienergänzenden Kinderbetreuungsangeboten auseinandersetzen muss, steht damit weitgehend ausser Zweifel.

Gute Qualität, ungenügende Quantität

Dass in Uzwil ein Nachholbedarf besteht, davon sind die Initianten der SP-Volksmotion – auch aufgrund der Vergleichszahlen aus Flawil und Wil – überzeugter denn je. Obwohl sich das familien- und schulergänzende Kinderbetreuungsangebot in den letzten Jahren verbessert habe, wie Schulratspräsident Daniel Wyder einräumt. In welcher Form dies konkret geschehen ist, veranschaulichte der Rundgang durch das im Oktober an der Bahnhofstrasse eröffnete Chinderhus «Blumenfeld», bzw. das nebenliegende Schüelerhus «Schöntal» des Vereins Chinderhus Rägeboge.

Drei in eine imponierende Parklandschaft eingebettete, bedürfnisgerecht umgebaute «Bühler»-Liegenschaften bieten hier Kindern zwischen vier Monaten und zwölf Jahren ein Zuhause auf Zeit. 24 bewilligte Plätze stehen Kindergärtlern und Primarschülern im Schüelerhus zur Verfügung. Die Auslastung ist gut: Von den 45 eingeschriebenen Kindern werden hier täglich 20 bis 24 betreut. Gleich nebenan, im «Blumenfeld» teilen sich 70 eingeschriebene Kleinkinder die 30 bewilligten Plätze, wie Krippenleiterin Judith Suter während der Besichtigung sagt. Die durchschnittliche Aufenthaltszeit je Kind betrage 2 1/2 Tage pro Woche. Wobei einzelne Tage stärker belegt seien als andere. «Am Montag und Freitag könnte ich sofort weitere Kinder aufnehmen», sagt sie. Geschlossen werde die Kita um 18.15 Uhr.

Damit spricht Suter an, was die Initianten der Volksmotion an den bestehenden Angeboten kritisieren: Die Flexibilität, die für jene Eltern wichtig wäre, die unregelmässig arbeiten.

Kinder holen Defizite nicht mehr auf

Die Qualität der familiären und ausserfamiliären Kinderbetreuung im Vorschulalter ist Daniel Wyder auch in seiner Funktion als Schulratspräsident ein zentrales Anliegen. Dies machte er im Anschluss an die «Kita»-Besichtigung deutlich. Er zeigt sich besorgt: «Der unterschiedliche Entwicklungsstand der eintretenden Kindergärtler ist zunehmend alarmierend.» Übervorsichtige Eltern bremsten den kindlichen Drang zur Selbstständigkeit aus. Ebenso beeinflusse eine ungenügende Betreuung, zu wenig manuelle Arbeit und Bewegung die Entwicklung negativ. Als erhebliches Problem bezeichnete Wyder die Defizite bei der Sprachentwicklung. «Mit zu vielen Kleinkindern wird zu wenig kommuniziert.» Diese Defizite später aufzuholen sei fast unmöglich. Zwar existiere ein grosses Informations- und Beratungsangebot für Eltern, jedoch bestehe für einen Ausbau in Uzwil dennoch Potenzial, ist Wyder überzeugt.