UZWIL
Neue Tunnelpläne beim Augarten: Der Uzestollen soll zum «sichersten Veloweg der Region» werden

Die Diskussionen um den Verkehrsknoten Augarten in Uzwil wollen nicht abreissen. Diese Zeitung weiss: Womöglich radeln die Velofahrer schon ab diesem Sommer durch einen bereits bestehenden, 1,5 Kilometer langen Tunnel: den Uzestollen. Das sind die Reaktionen.

Simon Dudle
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Ein Mitarbeiter der Gemeinde Uzwil mitten im 1,5 Kilometer langen Uzestollen.

Ein Mitarbeiter der Gemeinde Uzwil mitten im 1,5 Kilometer langen Uzestollen.

Bild: Peter Dotzauer

So wirklich zufrieden ist niemand mit den Plänen, wie die Augartenkreuzung vor den Toren Uzwils saniert werden soll. Ein umgestalteter Lichtsignalknoten soll die arg strapazierten Nerven der staugeplagten Uzwiler etwas entspannen.

Mehr als ein Tropfen auf den heissen Stein dürfte dies aber auch nicht sein. Immer lauter werden jene Stimmen, welche eine Variante mit einem Tunnel fordern. Damit könnte der Verkehr entflochten werden.

Konkrete Pläne gibt es bereits

Es gibt nun ganz konkrete Pläne einer neuen Tunnelvariante, welche bisher nur hinter vorgehaltener Hand diskutiert wurde. Der Uzestollen soll für die Velofahrer geöffnet werden. Der Uzestollen? Es handelt sich um ein unterirdisches Bauwerk, das im Jahr 2008 in Betrieb genommen wurde. 1,5 Kilometer ist er lang, beginnt bei der Fabrikstrasse in der Nähe der Bühler AG und soll Hochwasser in die Glatt ableiten.

Rund drei Meter gross ist der Uzestollen und wurde bergmännisch erbaut. Er liegt in den allermeisten Fällen trocken. Nur in ganz seltenen Fällen bei starken, lokalen Gewittern nimmt er das überschüssige Wasser der Uzwiler Bäche auf und schützt die Gemeinde vor einer Überschwemmung.

Gitter und Licht

Mit Ausnahme von wenigen Tagen könnte der Uzestollen somit problemlos als Veloweg genutzt werden. Es bräuchte auch gar nicht viel, damit dies möglich wäre. In der Mitte des Stollens, wo ein kleines Rinnsal fliesst, wären Gitter oder Platten zu legen. Zudem müssten Lichtquellen installiert werden, und fertig.

Gleich mehrere Fliegen könnten mit einem Schlag geschlagen werden. Die Veloverbindung Uzwil–Oberbüren würde sicherer, was vor allem die vielen in Oberbüren wohnhaften Bühler-Mitarbeiter freute. Sie würden künftig auch bei garstigem Wetter fast trocken bei der Arbeit ankommen.

Lucas Keel, Gemeindepräsident Uzwil.

Lucas Keel, Gemeindepräsident Uzwil.

Bild: PD

Ferner würde auch ein Projekt der Regio Wil Aufwind erhalten. Im Rahmen des Agglomerationsprogramms soll eine regionale Schnellveloroute geplant und realisiert werden. Der Uzestollen würde zum Filetstück. Bereits ist vom «sichersten Veloweg der Region» die Rede. Regio-Wil-Präsident Lucas Keel ist auch Uzwiler Gemeindepräsident. Er sagt:

«Die Idee ist mehr als nur prüfenswert. Mit diesen visionären Plänen würde der Raum Uzwil auch kantonal und national jene Aufmerksamkeit erhalten, welche er verdient.»

Aus «Rund um Uzwil» würde «Quer durch Uzwil»

Und was sagen Herr und Frau Uzwiler zu diesem Projekt? Einer, der es wissen muss, ist Fritz Studli, pensionierter Journalist und Kolumnist. Niemand kennt Uzwil besser als er. Studli hat sich vertieft mit den Plänen auseinandergesetzt und steht dem Ansinnen positiv gegenüber. Er spricht von der «schnellsten und sichersten Zweiradverbindung zwischen Uzwil und Oberbüren». Wie man es von Studli kennt, spinnt er den Faden weiter:

«Weil das Radkriterium ‹Rund um Uzwil› meist bei garstigen Witterungsbedingungen ausgetragen wird, könnte auf den Stollen ausgewichen werden. Ein Massenstart käme halt nicht in Frage, ein Einzelzeitfahren wäre aber möglich.»

Statt «Rund um Uzwil» würde das Rennen künftig «Quer durch Uzwil» heissen. Studlis Gedanken schweifen ab, in die guten alten Zeiten der 1950er-Jahre. Zu «K und K». Zu Hugo Koblet, dem Pédaleur de charme, und dessen Antipode Ferdy Kübler, dem Adler aus Adliswil. Vielleicht könnten Talente wie sie künftig ausgerechnet im Uzwiler Stollen entdeckt werden.

Einweihung könnte noch dieses Jahr sein

Bruno Dudli, Kantonsrat aus Sonnental, Oberbüren.

Bruno Dudli, Kantonsrat aus Sonnental, Oberbüren.

Bild: PD

Und wie ist die Haltung der SVP-Kantonsräte, welche in den vergangenen Wochen mit einer anderen Tunnelvariante beim Augarten von sich Reden gemacht hatten? Einer von ihnen ist Bruno Dudli, der in der Gemeinde Oberbüren wohnt. Auch aus seiner Sicht ist die Radwegverbindung durch den Uzestollen ein interessanter Ansatz. Dass Tunnels bei der Lösung von Verkehrsproblemen helfen können, sei hinlänglich bekannt.

Es könnte nun schnell gehen. Da der Stollen bereits besteht und keine grossen Umbauarbeiten nötig sind, braucht es keine Volksabstimmung. Der Uzwiler Gemeinderat dürfte zustimmen, die Polizei auch. Gemeindepräsident Lucas Keel ist optimistisch, dass bis zu Beginn der Sommerferien dieses Jahres der sicherste Veloweg der Region Tatsache ist.