Uzwil
Lärmschutz ja, aber: Die Gemeinde ist mit dem Vorschlag des Kantons nicht zufrieden – der Kanton sucht erneut das Gespräch

Die Gupfenstrasse in der Gemeinde Uzwil ist viel befahren. Seit Jahrzehnten hat der Lärmpegel den Grenzwert überschritten. Kanton und Gemeinde sind bestrebt, den Anwohnern einen angemessenen Schutz zu bieten. Nur die Form ist seit Jahren umstritten.

Dinah Hauser
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Die Gupfenstrasse in Uzwil ist eine der Hauptverkehrsachsen und mündet unter anderem in einen Autobahnzubringer. Der Lärmpegel ist schon seit den 90er-Jahren zu hoch.

Die Gupfenstrasse in Uzwil ist eine der Hauptverkehrsachsen und mündet unter anderem in einen Autobahnzubringer. Der Lärmpegel ist schon seit den 90er-Jahren zu hoch.

Bild: Urs Bänziger

Im aktuellen Gemeindeblatt schiesst der Uzwiler Gemeinderat scharf gegen das kantonale Baudepartement. Er ist mit der vom Kanton vorgeschlagenen Lösung einer Lärmschutzwand an der Gupfenstrasse nicht zufrieden. Diese sähe eine dreieinhalb Meter hohe begrünte Wand vor, die direkt hinter dem Trottoir zu liegen kommt. Der Vorschlag ist mittlerweile fünf Jahre alt. «Dass damit eine Ortschaft räumlich durchtrennt wird, interessiert offenbar nicht», enerviert sich der Gemeinderat.

Rahmenbedingungen sind aus Sicht der Gemeinde zu eng

Die Gemeinde plädiert für einen siedlungsverträglicheren Lärmschutz. Denn eine Lärmschutzwand werde auch in 50 und 100 Jahren noch stehen und den Raum optisch zweiteilen. Diese zerschneidende Wirkung könnte hingenommen werden, solange das gegenüberliegende Areal Sonnmatt nicht bebaut ist. «Man stelle sich eine beidseitige Lärmschutzwand und den Kanal vor, den das gäbe», schreibt der Rat.

Die Gemeinde habe mehrmals versucht, mit dem Kanton eine bessere Lösung zu finden. Der Kanton wolle eine Wand mit den tiefsten Bau- und Unterhaltskosten, wie dessen ausschliesslich technischer Variantenvergleich ergab, heisst es von der Gemeinde weiter. Auch ein zweiter Anlauf habe nichts gebracht. Die Gemeinde beauftragte einen Planer, um das kantonale Projekt für das Ortsbild wenigstens zu verbessern. «Ohne Ergebnis, denn dazu müsste das Korsett der Rahmenbedingungen überdacht werden», kritisiert der Gemeinderat.

Die Idee der Gemeinde: Das Trottoir aufheben

Zuletzt machte die Gemeinde den Vorschlag, das kaum benützte Trottoir auf der bebauten Seite aufzuheben und die Fläche für einen siedlungsverträglichen Lärmschutz zu nutzen; mit einer deutlich weniger geneigten Böschung statt einer steilen Wand, die den Lärm zur Sonnmatt reflektiert.

Es scheint, dass weder Kanton noch die Gemeinde ohne gegenseitige Kooperation die Liegenschaften angemessen schützen können. Will der Kanton nämlich seine Lösung realisieren, müsste ein Weg geschlossen werden, der aus dem Quartier an die Gupfenstrasse reicht. Dazu müsste die Gemeinde die Wegklassierung aufheben, heisst es im Gemeindeblatt. Sie ist der Meinung: «Wenn es diesen Weg zum Trottoir der Gupfenstrasse nicht mehr gibt, gibt es definitiv keinen Grund mehr, dort ein Trottoir zu haben.»

Vor allem möchte die Gemeinde die Lösung auf dem ganzen Abschnitt zwischen der Flawiler- und der Meisenstrasse umsetzen. Die Lösung des Kantons sähe vor, nur fünf der acht Liegenschaften mit einem Lärmschutz auszustatten. Der Gemeinderat habe auch seine Bereitschaft signalisiert, allfällige Mehrkosten zu tragen. Das Ergebnis: keine Chance.

Der Kanton zeigt sich verständnisvoll

«Dass die Realisierung einer Lärmschutzwand anspruchsvoll ist, zeigt sich auch in Uzwil», heisst es vom kantonalen Baudepartement auf Anfrage. Einerseits schütze eine Lärmwand vor Immissionen. Andererseits hätten Lärmschutzwände eine trennende Wirkung. Der Kanton habe den Auftrag, die Anwohnerinnen und Anwohner einer Strasse vor schädlichem Lärm zu schützen. Bei viel befahrenen Strassen innerhalb der Siedlung könnten die Belastungsgrenzwerte häufig nur mit dem Bau von Lärmschutzwänden eingehalten werden.

Das Baudepartement habe Verständnis für die Sicht der Gemeinde. «Ziel ist es, dass die Lärmschutzwand sowohl für den Kanton wie auch für die Gemeinde akzeptabel ist», schreibt Claudia Eugster, Leiterin Departementskommunikation. Um eine Lösung zu finden, hätten in der Vergangenheit intensive Diskussionen mit der Gemeinde stattgefunden. «Der Kanton wird den Dialog mit der Gemeinde weiterführen.» Ein weiteres Gespräch mit der Gemeinde stehe bereits fest.

Der Gegenvorschlag der Gemeinde sei eine reine Betonwand. Eine solche war aus Sicht des Kantons zu wuchtig. «Sie wurde mit der Gemeinde eingehend diskutiert und schliesslich im gegenseitigen Einvernehmen wieder fallen gelassen.»

Drei Liegenschaften sind zu nahe an der Strasse

Warum nur fünf der acht betroffenen Liegenschaften einen Lärmschutz erhalten sollen? Bei fünf Liegenschaften sei genug Raum für eine siedlungsverträgliche Lösung einer Lärmschutzwand vorhanden. Die anderen drei Liegenschaften lägen zu nahe an der Strasse. «Hier eine Lärmschutzwand zu erstellen, ist nicht sinnvoll. Die Bewohnerinnen und Bewohner würden direkt aus ihren Fenstern auf eine Lärmschutzwand blicken.»

Eine Lärmschutzwand siedlungsverträglich zu gestalten, hängt gemäss Auskunft vom Kanton von mehreren Faktoren ab. Dabei sei der eigentliche Sinn – also der Schutz vor Lärm – nur einer davon. «Die Wand muss durch ihre Gestaltung, die Begrünung, die Materialwahl und die Anordnung in die Umgebung eingebunden werden.» Dazu beurteile der Kanton auch die Wohnqualität und das Erscheinungsbild. So wurde im Fall der Uzwiler Gupfenstrasse aufbauend auf der bestehenden Situation mit einer Böschung ein begrünter Damm mit einer meist einen Meter hohen Lärmschutzwand projektiert.