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UZWIL: Klassenzimmer ohne Grenzen

Im Ausland Erfahrungen sammeln und trotzdem nichts vom Unterricht zu Hause verpassen: Die Bühler AG setzt seit zehn Jahren auf ein Fernunterrichtskonzept, um internationale Mobilität in der Berufsbildung zu fördern.
Jonas Manser
Mehrere Länder in einem Schulzimmer vereint: Das Fernunterrichtskonzept «Class Unlimited» der Bühler AG im BZWU in Uzwil. Auf den beiden Bildschirmen an der hinteren Wand sieht der Lehrer in den Übertragungsraum zweier Klassen im Ausland. (Bild: PD)

Mehrere Länder in einem Schulzimmer vereint: Das Fernunterrichtskonzept «Class Unlimited» der Bühler AG im BZWU in Uzwil. Auf den beiden Bildschirmen an der hinteren Wand sieht der Lehrer in den Übertragungsraum zweier Klassen im Ausland. (Bild: PD)

Jonas Manser

jonas.manser@wilerzeitung.ch

Die Uhr schlägt 6 Uhr am Morgen im Übertragungsraum der Bühler AG in Minneapolis, USA. Der Unterricht an der Berufsschule in Uzwil beginnt. Ein mit modernster Technik ausgerüstetes Klassenzimmer am Berufs- und Weiterbildungszentrum in Uzwil (BZWU) überträgt den Unterricht mit Livekameras. In den vergangenen zehn Jahren leisteten 136 Lernende für zwei bis sechs Monate Auslandeinsätze an den weltweit verteilten Standorten der Firma: China, Indien, Südafrika, Brasilien, Grossbritannien, Deutschland und USA.

«Internationale Mobilität ist eine Weiterentwicklung unserer Lehrlingsausbildung», erklärt Christof Oswald, Leiter Human Resources bei Bühler. Die Firma möchte den Lernenden den Anschluss an ein internationales Netzwerk ermöglichen. Dies war der Ausgangspunkt für das Entsenden von fünf Lernenden nach China im Jahr 2008.

Den ersten Schritt gewagt

«Unser Umfeld sagte: Das geht nicht. Es sind zu viele Vorschriften, die eingehalten werden müssen. Es kostet zu viel Geld», sagt Oswald. Bühler wagte es trotzdem. Das BZWU sei zum Glück aufgesprungen. Zuerst wollten sie Lehrer mit ins Ausland schicken. Mit dem Fernunterrichtskonzept «Class Unlimited» – einem multimedialen, mit Kameras ausgerüsteten Klassenzimmer – wurde eine bessere Lösung gefunden. So müssen die Schüler nicht auf den Unterricht zu Hause an der Berufsschule verzichten.

«Lernende werden am anderen Standort in Projekte eingebunden, damit sowohl der Standort im Ausland wie auch der Lernende davon profitieren kann», sagt Oswald. Mit dem neuen Klassenzimmer mussten auch die Lehrmethoden angepasst werden. Ein klassischer Frontalunterricht sei nicht mehr zeitgemäss gewesen, sagt Oswald. Die Lektionen sind so gestaltet, dass Schüler im Vorfeld selber Informationen sammeln und als «Experten» am Unterricht teilnehmen. Die Bühler AG investierte rund 500000 Franken in das Projekt.

«Im Zentrum stehen die Lernenden, für welche Bühler Erlebnisse schaffen möchte», sagt Oswald. Rund ein Drittel aller Lehrlinge sollten ins Ausland gehen. Dabei müssen sie sich für den Einsatz bewerben. Werden sie als geeignet erachtet, bereiten sie sich auf ihre internationale Aufgabe vor. «Unsere Vision ist eine internationale Berufslehre», sagt Christof Oswald.

Kontakte knüpfen, Kulturen kennen lernen

Sabrina Würsch machte 2015 einen dreimonatigen Aufenthalt in Minneapolis in Amerika. Der Stundenplan der Polymechanikerin sah einen Tag Berufsschule vor, welchen sie mit Kollegen im «Class Unlimited» absolvierte. Da sie ebenfalls die Berufsmittelschule besuchte, fasste ihr ein Kollege in zwei Stunden den gesamten behandelten Stoff des Tages zusammen. «Ich habe vom Unterricht nichts verpasst während meiner Zeit in Amerika. Im Gegenteil, meine Noten verbesserten sich mit den neuen Lehrmethoden», sagt Würsch. Nicht nur ihr Englisch habe vom Aufenthalt profitiert, auch persönlich habe sie viel mitgenommen; neue Freunde gewonnen und Kontakte geknüpft. Die Offenheit der Amerikaner habe sie selbst dazu bewogen, offener zu sein. Sie lebte in einer Wohngemeinschaft zusammen mit drei anderen Delegierten von Bühler. Für den Unterricht an der Berufsschule war Frühaufstehen angesagt: Wegen der Zeitverschiebung läutete die Schulglocke den Unterricht im Übertragungsraum bereits um 6 Uhr morgens ein. Im Betrieb in Minneapolis konnte sie mithelfen, unter anderem beim Aufbau der Lehrlingsabteilung. Würsch studiert nun an der Fachhochschule St. Gallen und arbeitet, wenn sie Zeit findet, im Stundenlohn bei Bühler.

Moritz Waldschock absolvierte seine Lehre als Automatiker und ging ebenfalls 2015 für zwei Monate ins Ausland. Der Einsatz führte ihn nach Bangalore in Indien zu einem der grössten Standorte von Bühler. Im Gegensatz zu Würsch musste er seinen Aufenthalt über die Sommerferien planen, da in Uzwil kein Lehrgang für Automatiker angeboten wird. Somit ergab sich keine Möglichkeit, am Fernunterricht teilzunehmen. «Ich habe in dieser Zeit gelernt, mit kulturellen Unterschieden umzugehen», sagt Waldschock. Wie auch Würsch fängt er sein Studium dieses Herbstsemester an der Fachhochschule St. Gallen an und arbeitet im 20-Prozent-Pensum weiterhin bei Bühler.

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