Uzwil
Intensiver Prozess: Mit Ortsplanung werden die Weichen für die Entwicklung gestellt

Die Gemeinde Uzwil setzt den Auftakt zur anstehenden Ortsplanungsrevision. Der Prozess soll bis in fünf Jahren abgeschlossen sein.

Philipp Stutz
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Das Wachstum der Gemeinde Uzwil rief früh nach einer Ortsplanung. Diese gilt es nun neu auszurichten.

Das Wachstum der Gemeinde Uzwil rief früh nach einer Ortsplanung. Diese gilt es nun neu auszurichten.

Bild: PD

Gemeindepräsident Lucas Keel informierte zu Beginn der Kick-off-Veranstaltung über Veränderungen der Rechtslage, die anvisierten Ziele, Instrumente und den Zeitplan der Ortsplanungsrevision. Vieles ist noch reine Theorie – das Interesse an der Veranstaltung blieb bescheiden.

Die Vorgeschichte

Die Schweizer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger stimmten 2013 dem neuen Raumplanungsgesetz zu. Der Kanton St.Gallen erliess in der Folge ein neues Planungs- und Baugesetz.

Nun müssen alle Gemeinden ihre Ortsplanungsinstrumente erneuern. Uzwils Ortsplanung stammt aus dem Jahr 2014 und muss bis 2027 abgelöst werden. Die Ortsplanungsrevision ist demzufolge ein mehrjähriges Grossprojekt.

Laut Lucas Keel handelt es sich um eine komplexe und anspruchsvolle Materie. «Wenn wir das Projekt in den kommenden fünf Jahren vollendet haben, bin ich glücklich», sagt er. Handle es sich doch um einen intensiven Prozess.

Referenten am Kick-off-Anlass (von links): Architekt Marco Bruggmann, Gemeindepräsident Lucas Keel, Ortsplaner Armin Meier und Christoph Paly, Leiter Ressort Bau der Gemeinde Uzwil.

Referenten am Kick-off-Anlass (von links): Architekt Marco Bruggmann, Gemeindepräsident Lucas Keel, Ortsplaner Armin Meier und Christoph Paly, Leiter Ressort Bau der Gemeinde Uzwil.

Bild: Philipp Stutz

Ortsplanung ist anspruchsvoll

Häufige Themen in Zusammenhang mit der Ortsplanung sind Verkehr, Abstände und Lärmimmissionen. «Die Ortsplanung ist eine anspruchsvolle Aufgabe», sagt Christoph Paly, Bereichsleiter Bau der Gemeinde Uzwil. Um die Planung in Angriff zu nehmen, sind Visionen nötig.

Eine Zeitreise in die Dreissigerjahre zeigt, wie sich die Landschaft in Uzwil und den zur Gemeinde gehörenden Dörfern verändert hat. Man sieht zum Beispiel, dass schon damals die Thur bei Henau begradigt war, erkennt den Auenwald entlang des Gewässers sowie das ehemalige Flusskraftwerk in der Felsegg.

In Uzwil sind Gewässer wie der Schiffliweiher erkennbar. Klar ersichtlich ist auch, dass die Industrie inmitten des Lebensraums angesiedelt ist. Das ist bis heute gleich geblieben, wenngleich sich mit der Überbauung Birkenhof zurzeit eine Deindustrialisierung im Benninger-Areal abzeichnet.

Wichtiger Faktor ist der Verkehr

Auf die Orientierungsversammlung vom Dienstag werden verschiedene Schritte folgen. Dabei geht es um Innenentwicklung und Raumkonzept. Ebenso muss die Richtplanung revidiert werden. Danach geht’s um Zonenplan und Baureglement, was auch die Grundeigentümer tangieren wird. Hinzu kommt das Rechtsmittelverfahren, das unter anderem Einsprachen umfassen wird.

Einen wichtigen Faktor bildet laut Keel der Verkehr, der immer eine Richtgrösse war. Dazu sollen Erhebungen gemacht werden. «Einwohnerinnen und Einwohner beklagen sich über zu viel Verkehr», sagt er. Eine Frage der Verhältnismässigkeit, die objektiv einzuordnen ist.

Innenverdichtung als Strategie

Laut Ortsplaner Armin Meier ist Uzwil gut mit dem öffentlichen Verkehr erschlossen. Er erwähnt ein Konzept zur Innenentwicklung, die massvoll zu erfolgen habe. Stichworte dazu sind Bewahren und Veredeln, Aufwertungen, Weiterentwicklungen und Ergänzungen, Umstrukturierungen und Bebauungen. Das ganze Siedlungsgebiet ist einer Strategie zuzuordnen. «Die grössten Reserven liegen in Einfamilienhaus-Gebieten», betont Meier. Diese sind unternutzt. Ein Austausch mit Grundeigentümern ist zentral.

Es gibt aber auch (Grün-)Strukturen, die zu erhalten sind. Als gutes Beispiel einer Innenverdichtung erwähnt Keel die neue Überbauung am Kindergartenweg, wo alte Mehrfamilienhäuser durch Neubauten ersetzt worden sind. Auch in der Überbauung Im Grund in Niederuzwil besteht Potenzial. Prognosen über mögliche Investitionen aber erweisen sich als schwierig.

Vorerst keine Ausdehnung der Gewerbe-/Industriezone

Die neue Regelbauweise ist mit einem Werkzeugbaukasten vergleichbar, der das Bauen regelt. Vieles wird sich ändern. «Es gilt, den Aspekt auf neue Strategien zu legen», sagt Architekt Marco Bruggmann.

Den Zentren Wil und Uzwil werden urbane Qualitäten zugeordnet. Uzwil strebt ein moderates Bevölkerungswachstum an. Entwicklungen verlaufen hier meist sprunghaft, selten linear. Und so ist dieses durchschnittliche Wachstum die Folge von sprunghaften und stagnierenden Phasen. Die Zielvorgabe für Uzwil liegt im Jahr 2040 bei rund 15’000 Einwohnern.

Doch die bauliche Ausdehnung ist begrenzt. Das Rossmoos ist die einzige grossflächige Landreserve und für die Entwicklung der Gemeinde bedeutend. Siedlungspotenzial besteht auch in Algetshausen, doch ist dem Dorf der Bahnhof verlustig gegangen. Die Gewerbe-Industriezone soll in Uzwil nicht ausgedehnt werden, ehe Wil-West verwirklicht und sich dort Betriebe angesiedelt haben. Allerdings besteht dieses gross angekündigte Projekt noch immer lediglich auf dem Papier.

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