UZWIL: Farbanschlag auf Gemeinderatsköpfe

«Wer hat das Sagen?» lautet das Thema der acht Sandsteinköpfe am Lindenplatz. Die Plastiken sind Teil des Skulpturenwegs, der als befristetes Projekt die Kunst im öffentlichen Raum sichtbar machen soll. Drei wurden nun auf makabere Weise zerstört.

Andrea Häusler
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Unbekannte haben drei Kopfskulpturen, welche Mitglieder des Uzwiler Gemeinderats zeigen, mit Farbe verunstaltet. (Bild: Andrea Häuslert)

Unbekannte haben drei Kopfskulpturen, welche Mitglieder des Uzwiler Gemeinderats zeigen, mit Farbe verunstaltet. (Bild: Andrea Häuslert)

Andrea Häusler

andrea.haeusler@wilerzeitung.ch

Der Anblick ist grausig, der Schaden schmerzlich. Silvia Anna Winder ist entsetzt: «Es schaut aus, als wäre den drei Gemeinderäten in die Köpfe geschossen worden.» Die Künstlerin zählt zum Kreis der Montagsmaler, die sich wöchentlich im Atelier am Uzwiler Lindenplatz treffen, und die nun verunstalteten Kopfskulpturen der Uzwiler Gemeinderäte geschaffen hatten. Die Objekte sind Teil des Skulpturenwegs, den die Galerie zur alten Bank anlässlich ihres 40-Jahr-Jubiläums initiiert hatte. Noch bis Ende dieses Jahres ist der Weg öffentlich zugänglich. Ob blinde Zerstörungswut Ursache des Farbanschlags war, oder ob eine politische, allenfalls gar persönliche Motivation dahintersteckt, vermag Silvia Anna Winder nicht zu beurteilen. Dass der vierte Kopf der Figurengruppe – der Gemeindepräsident – verschont geblieben ist, sei möglicherweise ein Zufall. So recht daran glauben mag sie allerdings nicht. «Ich befürchte, dass hier nicht gelangweilte Jugendliche am Werk waren», sagt sie.

«Wer sich exponiert, verdient Respekt»

Auch Gemeindepräsident Lucas Keel kann über die Identität der Täterschaft nur spekulieren, sagt aber: «Es gibt kein Indiz dafür, dass es sich um mehr als einen dummen Nachtbubenstreich gehandelt hat.» Der Vorfall sei mit den betroffenen Gemeinderäten auch nicht thematisiert worden.

Keel ist enttäuscht: «Ich hatte mich schon gefreut, dass das tolle Projekt Skulpturenweg ohne solche Aktionen möglich ist, leider zu früh», sagt er . Die Künstlerinnen und Künstler hätten eine bessere Form von Aufmerksamkeit verdient, macht er klar. «Sie haben sich mit ihren Werken in die Öffentlichkeit gewagt, exponiert. Das verdient Respekt und gilt sinngemäss überhaupt für Personen, die sich exponieren. Besser machen statt zerstören, das wäre der Weg. Verantwortung übernehmen heisst mit Namen hinstehen – das ist meine Erwartung, dass aus Übeltätern Leute mit Mut zur Tat werden.»

Gereinigt werden können die Skulpturen nicht. «Sandstein saugt Flüssigkeiten auf», sagt Silvia Anna Winder. Selbst wenn nur Wasserfarbe verwendet worden wäre, liesse sich diese nicht einfach abwaschen.

Herzblut und Geld investiert

«Es geht einem schon sehr nahe, tut unheimlich weh.» Unzählige Stunden seien in die Figuren investiert worden. «Die Steine wurden in Teufen gekauft, dann ins Atelier für Bildhauerei und Objektkunst von Gabriel Mazenauer nach Wigoltingen gebracht und dort unter fachkundiger Anleitung bearbeitet», sagt Silvia Anna Winder rückblickend und ergänzt: «Neben Herzblut und Zeit wurde auch Geld investiert.» Acht bis 12 Mal habe die lose Künstlergruppe «Montagsmaler» einen halben Tag lang in Mazenauers Atelier gearbeitet, was jedes Mal mit Kosten von 50 Franken verbunden gewesen sei. Eigentlich habe man die Köpfe am Ende des Jubiläumsjahrs verkaufen wollen. «Diese Möglichkeit besteht nun nicht mehr», bedauert Silvia Anna Winder.

(Noch) keine Anzeige erstattet

Simone Egloff, in der Galeriekommission für Ausstellungen und Aquisitionen zuständig, bedauert die Beschädigung der Steinskulpturen gleichermassen. Insbesondere erstaune der Zeitpunkt, sagt sie. Während der warmen Zeit, zu der sich das Leben im Freien abspiele, habe man nie Probleme gehabt. Anzeige sei bisher (noch) keine erstattet worden, sagt sie. Vorab gehe es darum, allfällige Versicherungsdeckungen zu prüfen. Denn die Kunstschaffenden selber hätten ihre Werke nicht versichert. Hierbei sei man mit der Gemeinde im Gespräch, sagt Egloff.

Die Art der Sachbeschädigung ist speziell. Hingegen sei es nicht das erste und einzige Mal, dass es in der jungen Vergangenheit immer wieder zu Zwischenfällen mit Kunstwerken gekommen war, sagt Silvia Anna Winder. Bei der von ihr selber geschaffenen Installation «Nicht alle Tassen im Schrank» neben dem Gemeindehaus, sei nach kurzer Zeit das dazugehörige Kästchen zerstört worden. Ersetzt habe sie es bewusst nicht mehr.